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Die Schweizer wollen sich neu erfinden

  • Andreas Mayer
  • Donnerstag | 25. Februar 2016  |  12:01 Uhr
Erst rote Zahlen im ersten Halbjahr, jetzt verkauft Mammut auch noch die DNA seines Unternehmens: die eigene Seilproduktion. Dem Schweizer Vorzeigeunternehmen stehen harte Zeiten der Umstrukturierung bevor. Es scheint, als wolle sich Mammut neu erfinden.

Anschauen ja, bestellen nein! Mammuts Homepage ist seit einigen Wochen neu gestaltet und trotzdem geht der Schweizer Bergssportausrüster mit dem Thema E-Commerce offenbar noch schwanger. Ein direkter Verkauf an den Endverbraucher ist derzeit (noch) nicht möglich. Die angebotene Händlersuche für ein Produkt, das man sich aussucht, stockt. Der internetaffine User ist zunächst jedenfalls noch gefrustet, wenn er die als neu überarbeitete und beworbene Website des Outdoorausrüsters besucht. Auf Mammut-Manager Stefan Merkt wartet noch jede Menge Arbeit. Er soll die Bereiche Groß- und Einzelhandel mit dem Thema E-Commerce zu einer schlagkräftigen Einheit zusammenführen. Der bisherige Großhandelsveranwortliche im Unternehmen, Andreas Kessler, gibt diesen Bereich ab und soll „Sonderaufgaben bis zu seinem Ausscheiden“ übernehmen.

Lange Zeit sträubte sich Mammuts Langzeit-CEO Rolf Schmid gegen den Trend E-Commerce. Viele Händler waren froh darüber. Das galt allerdings auch einmal in Sachen Monobrand-Stores. Diese florieren inzwischen jedoch prächtig. In Berlin eröffnete Andreas Langer, früher langjähriger Mammut-Vertreter in Ostdeutschland und mittlerweile Betreiber des vor einigen Jahren eröffneten, ersten Mammut-Stores an der Spree, jüngst einen zweiten Markenladen nahe am Bahnhof Zoo. Schweizer Touristen fliegen übrigens immer häufiger in die Spree-Metropole ein, um sich dort mit Mammut-Ausrüstung auszustatten, erfuhr sportFACHHANDEL. Und zwar günstiger als in der Schweiz. Ironie der Geschichte: Firmenlenker Schmid gab eben noch erst zur Begründung der Umsatzeinbussen und Umstrukturierungen eine schwächere Nachfrage und Margendruck beziehungsweise den starken Franken an. Branchenkenner erwarten daher nun, dass man die Markenläden sowie das Thema E-Commerce stärker forcieren wird. Einige Händler arbeiten jetzt schon mit Mammut in der Schweiz online enger zusammen, wenn es einmal um Bestellungen oder Sonderwünsche geht, die man stationär nicht vorrätig hätte. Vor allem bei Schuhen komme das öfters vor, berichtet ein süddeutscher Verkäufer.

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Mammut-Seile kommen künftig aus Tschechien.
© Mammut

Für Mammut entwickeln. Die jüngste Unternehmensmeldung, nach der die eigene Seilherstellung nach Österreich auslagert und damit über zwanzig Arbeitsplätze verloren gehen, schockte nicht nur die Mitarbeiter. Für die Gemeinde bedeute dies einerseits einen Steuerausfall, andererseits verliere Mammut dadurch sein Herzstück. Denn mit der Seilerei fing 1862 alles an und auf die traditionelle Herstellung im eigenen Land war man besonders stolz. „Das ist eigentlich das Ende der urpsrünglichen Mammut“, kommentiert ein Kommunalverteter in Seon. In fast allen eigenen Läden des Anbieters kann der Kunde diese Historie vom Beginn bis heute plakativ auf Wandtafeln nachlesen. Bald muss ein wenig umgeschrieben werden. Denn auch der neu beauftragte österreichische Seilhersteller Teufelberger in Wels reicht die Produktion weiter: und zwar nach Tschechien. Die soll nun sogar ausgebaut und 25 neue Mitarbeiter eingestellt werden. Teufelbergers Marketingleiterin Helene Leitner: Man werde für Mammut auch entwickeln.

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Autor: Andreas Mayer

Chefredakteur

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 13 / 2015