• sportFACHHANDEL – Das Insider-Magazin mit News · Fakten · Hintergründen

Berghaus: Mit Nachhaltigkeit in den Geburtstag

  • Andreas Mayer
  • Dienstag | 24. Mai 2016  |  12:43 Uhr
Zum 50. Geburtstag präsentiert Berghaus mit der Frühjahr/Sommer Kollektion 2016 eine packende Mischung aus neuen und bewährten Highlight-Produkten. Oberste Priorität hat dabei mit Made Kind eine umweltschonende Produktion. sport-FACHHANDEL wollte von Eliane Gardiner, die sich um das Thema Nachhaltigkeit bei Berghaus kümmert, noch mehr wissen.
neuer_name
Eliane Gardiner, Nachhaltigkeitsbeauftragte bei Berghaus
© Berhaus

sportFACHHANDEL: Berghaus hat 2014 extra eine eigene Position für Sie und das Thema Nachhaltigkeit ins Leben gerufen. Was ist seitdem passiert?

Eliane Gardiner: Wir haben uns darauf fokussiert, die beiden Punkte Unternehmensverantwortung und Nachhaltigkeit, die bei Berghaus schon seit längerem mit einbezogen werden, unter einen Hut zu bringen. Das macht es für uns einfacher, unsere Bemühungen zu kommunizieren und eine Langzeitstrategie zu definieren. Das ganze haben wir unter dem Begriff Made Kind zusammengefasst – dieser Ausdruck steht symbolisch für die Verpflichtung von Berghaus zu angewandten Prozessen und verwendeten Materialien, die freundlicher zur Umwelt sind.

Was können wir uns darunter genau vorstellen?

Teil und Ziel unserer Arbeit war es auch, dem Konsumenten bei der Suche nach umweltfreundlichen, nachhaltigen Produkten zu helfen – deswegen haben wir diese Textilien mit einem speziellen „Made Kind“ Hangtag versehen. Um den Anforderungen zu entsprechen, erfüllen die Berghaus Produkte mindestens eine der folgenden Kriterien: Die Verwendung von bluesign-zertifizierten Stoffen oder Herstellung durch bluesign zertifizierte Prozesse, die Verwendung von Colourkind Stoffen, die in einem umweltfreundlichen Färbeprozess mit deutlicher Reduktion des Chemikalien- und Wassergebrauchs hergestellt werden und die Verwendung von mindestens 50 Prozent recycelten Materialien.

Und was bedeutet Colourkind? Das preisgekrönte Konzept hat das bisherige Färbeverfahren von Textilien komplett revolutioniert, da wir mit dem neuen Verfahren 90 Prozent an Wasser sparen, dazu kommt noch ein geringere Energieverbrauch und rund 60 Prozent weniger Einsatz von schädlichen Chemikalien. Die Textilindustrie ist für mehr als 20 Prozent der Wasserverschmutzung verantwortlich. Im Hinblick auf die Wasserknappheit als wichtigster globaler Umwelt-Risikofaktor, sehen wir es als unsere wichtigste Aufgabe an, den Wasserverbrauch einerseits zu reduzieren und andererseits Wasser sinnvoller zu nutzen. Colourkind setzt genau hier an – das farbige Garn durchläuft weniger Stufen im Färbeprozess und beugt somit der Erzeugung vieler Schadstoffe vor. Dank Colourkind verzeichnete Berghaus 2015 bisher bereits zwei Mio. Liter Wassereinsparung im Laufe des Produktionsprozesses. Um diese Technologie auch bei wasserdichten Produkten anzuwenden hat Berghaus 2016 eine bisher einzigartige, innovative Partnerschaft mit Gore-Tex geschlossen.

neuer_name

© Berghaus

Zudem sind Sie die erste britische Marke, die bluesign Partner ist – wie sehen Sie das Thema im allgemeinen in Großbritannien? Wir sind tatsächlich sehr stolz als bluesign-Partner in Großbritannien mit gutem Beispiel voranzugehen. Bei uns ist das System leider noch nicht so bekannt wie z.B. in Deutschland oder Skandinavien, wo Konsumenten deutlich stärker nach umweltschonend-produzierten Produkten oder nachhaltigen Marken Ausschau halten. Trotz allem – auch, wenn wir als bluesign Partner dem Konsumenten versichern, dass wir uns für eine umweltbewusste Produktion entschieden haben, geht es uns als Marke in erster Linie auch darum, die Umweltbelastung in der Wertschöpfungskette zu reduzieren und den ökologischen Fußabdruck so gering wie möglich zu halten.

Wie geht Berghaus mit PFC um und welche Alternative gibt es? So wie die meisten Outdoorfirmen haben wir uns für eine kürzere PFC-Kette entschieden, was einher geht mit einer Reduzierung von PFC im allgemeinen, sofern das bis zum heutigen Zeitpunkt überhaupt machbar ist. Schließlich darf man auch nicht vergessen, dass wir als Outdoormarke wasserdichte Bekleidung für den Einsatz draußen in der Natur anbieten, wenn wir jetzt die chemische Zusammensetzung unserer wasserabweisenden Beschichtungen verändern, dann zieht das eine Menge Arbeit mit sich. Momentan befinden wir uns in einem andauernden Entwicklungsprozess, um den Einsatz von PFC überflüssig zu machen. Die Ergebnisse können die Endverbraucher in den kommenden Jahren bewundern, im Herbst 2016 präsentiert Berghaus erstmals wasserabweisende, PFC-freie Daune.

Wo fängt für Berghaus das Thema Nachhaltigkeit an? Wenn man hier etwas bewirken möchte, ist es wichtig die Verantwortung für das Unternehmen und das Thema Nachhaltigkeit langfristig zu betrachten. Nur so kann man von Anfang an nachhaltige Faktoren in das Design mit einfließen lassen. Darüber hinaus sollte man die einzelnen Produktionsschritte überwachen, das beginnt beim Design, geht über die Produktion bis hin zum Einsatz am Endverbraucher. Als Partner der Sustainable Apparel Coalition SAC arbeiten wir stetig an dem in der Industrie führenden Higg-Index – mit dem Bekleidungsunternehmen die umfassenden ökologischen und sozialen Auswirkungen ihrer Produkte besser messen und entsprechende Verbesserungsmaßnahmen ergreifen können.

neuer_name
„Made Kind“ – Berghaus will freundlich zur Umwelt und zum gesamten Planeten sein.
© Berhaus

Müssen nicht auch die Endkonsumenten umdenken, z.B. indem Bekleidung wieder länger getragen wird? Jedes Glied in der Kette muss seinen Anteil leisten, das hört natürlich beim Kunden nicht auf. Der Endverbraucher hat einen enormen Einfluss auf diesen Prozess. Schließlich liegt es an ihm, sich für nachhaltige Marken zu entscheiden, umweltfreundlich hergestellte Produkte zu kaufen und von jedem Teil das Bestmögliche herauszuholen. Wenn jeder sein Einkaufsverhalten entsprechend anpassen würde, hätten es Marken, die fortlaufend in die Zukunft investieren, leichter und weniger bewusste Unternehmen müssten ihre Vorgehensweise vielleicht etwas öfter überdenken und ihren persönlichen ökologischen Fußabdruck entsprechend anpassen.

Wie geht der Handel mit dem Thema um? Wir haben erlebt, dass Händler sehr wohl nachhaltige Aspekte bei Outdoormarken befürworten und entsprechend ihre Order platzieren – das sieht man dann auch in den Shops, wenn umweltbewusste Artikel entsprechend in den Fokus gerückt werden. Es wäre natürlich schön, wenn hier mehrere Händler mit gutem Beispiel voran gehen würden, das macht dem Kunden die Entscheidung viel einfacher. Zudem schulen wir natürlich unsere Partner entsprechend – damit sie die Unternehmensphilosophie von Berghaus an den Kunden weiter geben können. Und, wie bereits erwähnt sind alle Produkte, die den Made Kind-Anforderungen entsprechen, mit speziellen Hangtags ausgezeichnet.

Mayer

Autor: Andreas Mayer

Chefredakteur

Weitere Artikel …

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 05 / 2016