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Lieferstopp, Storno, Zahlungsziele: Der Druck auf Lieferanten steigt

  • Freitag | 03. April 2020  |  11:42 Uhr
Auch Hersteller und Distributeure leiden unter der Corona-Krise. Während einige Handelsorganisationen Verständnis zeigen und kooperative Lösungen suchen, sind andere sich selbst am Nächsten.
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Volles Lager, keine Einnahmen: Die Corona-Krise trifft auch Hersteller und Distributeure. Insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen stehen mit dem Rücken zur Wand.
© Flickr/Mark Hunter

„Solidarität Fehlanzeige“ – unter diesem Titel hatten wir zuletzt darüber berichtet, dass einige Lieferanten die Corona-Krise scheinbar nutzen, um für eine Zeit ohne Fachhandel zu planen, indem ausgerechnet jetzt in den eigenen Webshops Preise aufgerufen werden, die viele Sportfachhändler auch in normalen Zeiten eher nicht mitgehen würden. Aber natürlich gibt es – auch darüber hatten wir berichtet – Gegenbeispiele: Lieferanten, die ihre Partner mit klugen Maßnahmen unterstützen. Und: Es gibt auch Handelsorganisationen, die durch eigene rigorose Maßnahmen Lieferanten in die Nähe des Ruins bringen!

Insbesondere kleine und mittelständische Hersteller und Distributeure kämpfen ebenfalls ums Überleben: Sie bleiben auf Ware sitzen, die eigentlich jetzt ausgeliefert würde. Mehr noch: Während die eigenen Läger mit der vorfinanzierten Ware anschwillen, können durch den Lieferstopp auch keine Rechnungen ausgestellt werden. Da der Vertrieb ruht, sind viele Mitarbeiter zudem quasi zum Nichtstun verdammt. Wie im Handel gilt aber auch für die Lieferanten, dass die Kosten weiterlaufen.

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Wenn dann große Händler den Lieferanten beispielsweise einseitig mitteilen, „die Zahlungsziele mit Ihnen bis zum Ablauf der behördlichen Schließungsverfügungen auf Mitte April“ zu verlängern, verbunden damit, dass man davon ausgeht, der Lieferant würde „im gemeinsamen Interesse diese Maßnahme befürworten und unterstützen“, dann dürfte auch einigen Lieferanten-Geschäftsführern der Atem gestockt haben. Aber die zitierte Ankündigung von Galeria Karstadt Kaufhof, die die Lieferanten vor dem Gang in die Insolvenz in Eigenverwaltung erreichte, ist nicht die einzige Forderung, die sich wie die sprichwörtliche Pistole auf der Brust anhört.

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Auch die Intersport hat die Lieferanten mit Schreiben vom 18. März auf „neue Bedingungen“ hingewiesen: „bis auf Widerruf“ sind Warenlieferungen an Mitglieder sowie das Zentrallager und die Fakturierung auszusetzen, Die Valuta wird auf 90 Tage heraufgesetzt und „bei Vororderaufträgen für die Liefertermine im September, Oktober und November im laufenden Jahr, welche mit Lieferverzögerungen von mehr als 28 Tagen ausgeliefert werden“, behalte man sich „ein (Teil-)Stornorecht vor“.

Keine Frage – all die Instrumente, die von Galeria Karstadt Kaufhof und der Intersport aufgerufen werden, um eigene Interessen zu schützen, sind richtig und im Falle der Intersport für die angeschlossenen Händler überlebenswichtig. Aber für manchen Lieferanten bedeuten diese Bedingungen schlicht und ergreifend ebenfalls einen nicht immer aussichtsreichen Kampf ums Überleben.

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Dass es – zumindest im Ton – auch freundlicher geht, beweist die Sport 2000. In einem entsprechenden Schreiben stellt man zunächst fest, dass die Krise „zu bisher nicht gekannten wirtschaftlichen Herausforderungen für unsere Mitglieder, für Sie als Industriepartner und für die ANWR Gruppe“ geführt habe. Man sei „als Solidargemeinschaft mehr als herausgefordert“. Auch die Sport 2000 will, dass die Lieferanten „die offenen Rechnungen ab der Dekade 8 für unsere Händler um bis zu 120 Tage valutieren“, noch offene Lieferungen stoppen und Ware, die „dennoch in Abstimmung mit den Händlern“ ausgeliefert wird, mit einer Valuta von bis zu 90 Tagen“ zu versehen. Sie verspricht aber – und das fällt im Unterschied zu den vorangegangenen Beispielen auf – gleichzeitig, dass die „ANWR/DZB sämtliche offenen Forderungen bezahlen wird und diese weiterhin über die bankgestützte Zentralregulierung garantiert“. Mehr noch: Ganz aktuell teilt die Verbundgruppe mit, Industriepartner zu Round Tables einzuladen, um gemeinsam nach Lösungen für „das Ordermanagement der anstehenden Saisons“ zu suchen und nach „Möglichkeiten zur Aktivierung der Konsumenten“.

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