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Kapok-Baum schlägt alles – Flocus entdeckt Natur-Garne wieder

  • Nicolas Kellner
  • Mittwoch | 26. Oktober 2016  |  13:58 Uhr
Naturstoffe für Sport- und Outdoortextilien oder -ausrüstung sind gefragter denn je. Natürliche Ressourcen, deren Ernte, Verarbeitung und Veredelung umweltverträglich, schonend und naturbelassen sind, liegen im Trend. Kapok ist solch ein pflanzliches Produkt, das von dem Spezialisten Flocus aus Shanghai verarbeitet wird.

Text: Nicolas Kellner

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Das Objekt der Begierde: Der Kapok-Baum ...
© iStockphoto.com
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... und dessen Früchte.
© Flocus

Die Pflanzendaune Kapok ist die Hohlfaser des Kapokbaums (Ceiba pentandra). Diese wird aus den langen Fasern der Kapokfrüchte des Baumes gewonnen, der hauptsächlich in den Tropen Südostasiens, aber auch in Mittelamerika wächst. Der Vorteil: Die Kapokfaser selbst ist glatt, hat eine dünne Zellwand und ist transparent mit einem großen Volumen. Wegen des Lufteinschlusses von 80 Prozent gilt die Kapokfaser nach Pappelflaum als leichteste natürliche hohle Textilfaser der Welt. Die Fasern haben eine sehr hohe Tragfähigkeit im Wasser. Schon in den 50iger Jahren war sie als Füll- und Polstermaterial bekannt. Helly Hansen übrigens brachte als erster Hersteller Schwimmwesten mit Kapok auf den Markt, die durch die hohe Tragfähigkeit im Wasser viele Segler heute noch überzeugen. Aufgrund der synthetischen Materialen geriet Kapok in Vergessenheit. Heute wird das Naturprodukt gerade wiederentdeckt. Flocus-Gründer Jeroen Muijsers hat in Shanghai eine Forschungs- und Verarbeitungsstätte aufgebaut, in der im engen Schulterschluss mit der Sport- und Outdoorindustrie mittels Kapok neue Stoffe und Gewebe entwickelt werden, die in ihren funktionalen Eigenschaften anderen Faser in nichts nachstehen, berichtet Muijsers. Kein Rohstoff ist derzeit so nachhaltig und umweltverträglich wie Kapok. Die Einsatzmöglichkeiten sind so vielfältig, so dass immer mehr Hersteller und Weiterentwickler auf den Zug springen, freut sich der Faserpionier. „Wir freuen uns sehr, dass wir bereits mit Anbietern wie Protective, La Sportiva, Klättermusen, Yeti und Nordisc zusammenarbeiten“, erzählt Muijsers. Aber auch Casual Brands wie Diesel und VF konnten schon gewonnen werden, Denim-Verabeiter aus Korea und aus der Türkei stoßen ebenfalls hinzu. Der größte taiwanesische Stoffanbieter, GAC, verkündete soeben die Neuentwicklung und Launch neuer Materialien auf Flocus-Basis.

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Kapok-Garne können auch mit recyceltem Polyester eingesetzt werden ...
© Flocus
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... und sogar zu Wolle verarbeitet werden.
© Flocus

Flocus präsentierte sich bereits auf der OutDoor und wurde prompt mit dem „Industry Award“ in puncto Innovation und Nachhaltigkeit ausgezeichnet. In ihrer Begründung hieß es: „Fasern auf Basis von Kapok-Früchten sind eine vielversprechende Anwendung im Bereich nachhaltiger Materialen. Die Fasern der wildwachsenden Pflanze bieten einige Vorteile gegenüber bisher verwendeten Naturfasern und lassen sich auf vielfältige Art einsetzen. Die damit verbundenen Perspektiven für den Outdoor-Markt finden wir faszinierend.“ Muijsers will den neuen Rückenwind nutzen und stellt seine Naturgarne und Füllungen weltweit auf Messen vor und hat dabei natürlich auch die großen Sportswearhersteller von Adidas bis Nike im Auge. „Aufgrund der rein natürlichen funktionellen Eigenschaften durch die Leichtigkeit, die natürliche Wachsschicht und dem hohen seideartigen Tragekomfort stelle man eine vegane Alternative zu den bisherigen tierischen oder anderen Naturprodukten dar“, ist Muijsers felsenfest überzeugt. Die damit verbundene ressourcenschonende Gewinnung und Wiederherstellung sei ein weiterer unschlagbarer Pluspunkt. Dazu gehört die Verarbeitung von Garnen und Stoffen, bei denen auch andere organische Materialen miteingesetzt und verarbeitet werden könnten. Das jedoch erfordert viel Know-how und Entwicklungskompetenz rund um das Naturprodukt Kapok. „Über genau das verfügen wir am meisten“, erklärt Muijsers gegenüber sportFACHHANDEL und das lässt ihn zuversichtlich nach vorne schauen.

Autor: Nicolas Kellner

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 13 / 2016