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Fair zur Lieferkette!

  • Andreas Mayer
  • Freitag | 14. August 2020  |  10:40 Uhr
Die Corona-Krise hat für alle in der Branche katastrophale Auswirkungen. Die Fair Wear Foundation, die sich für faire und menschenwürdige Arbeitsbedingungen in der weltweiten Textilindustrie einsetzt, weist darauf hin, dass es in der Lieferkette nach wie vor zu großen Verwerfungen kommt.
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Die weltweit wütende Corona-Pandemie hat in Asien, am Ende der Zulieferkette der global agierenden Textilindustrie, noch einmal ganz andere Auswirkungen: Tausende von Fabriken in Asien wurden geschlossen, Millionen Arbeiter und Arbeiterinnen wurden einfach nach Hause geschickt – die meisten von ihnen hatten keinerlei Einkommen mehr, um ihre Familien in der Krise zu ernähren und vor Infektionen zu schützen.

„Die Arbeiter, die zu Beginn der Krise gefeuert wurden, sind immer noch in einer sehr schwierigen Situation“, berichtet Lotte Schuurman von der Fair Wear Foundation in Amsterdam. 30 Prozent der Arbeiter in vietnamesischen Bekleidungs- und Schuhfabriken haben ihren Job komplett verloren oder waren zwischen Februar und Juni arbeitslos. Die verbleibende arbeiten nur zu etwa 50 oder 60 Prozent und leiden ebenso unter großen Einkommensverlusten. Nachdem nun wieder gearbeitet werden kann, haben die Fabriken mit den reduzierten Aufträgen der Marken zu kämpfen. Und es werden immer noch Arbeiter entlassen.“

Eine Universität aus den USA hatte zwischenzeitlich bei westlichen Modelabels, die in Bangladesch ihre Kleidungsstücke produzieren lassen, nachgehakt: 98 Prozent von ihnen haben es abgelehnt, sich finanziell zu beteiligen, um die ausstehenden Löhne der Arbeiterinnen mitzufinanzieren. „Die Stornierung der Aufträge ist ein gigantisches Problem“, weiß auch Lotte Schuurmann. „Unter den Fair Wear Mitglieder haben wir allerdings kaum Stornierungen gesehen. Im Gegenteil: Viele Unternehmen haben innovative Lösungen gesucht – manche haben Material gekauft und dort einfachere Dinge produzieren lassen, andere haben Aufträge geändert und den Gesundheitssektor produziert.“

„Es sollte für alle klar sein, dass wir nach der Krise nicht mit den gleichen Geschäftsmodellen weitermachen können wie zuvor“, ergänzt Schuurmann. „Der Einkauf muss sich radikal verändern, um Arbeiter besser schützen zu können. Langfristige Geschäftsbeziehungen müssen aufgebaut werden, um die Produzenten, aber auch die Marken und den Handel, zu stärken. Investoren müssen in einem längeren Zeithorizont denken und verstehen, dass verantwortungsvolles Sourcing und ein stabiles Angebot mit Qualitätsprodukten auch für ihre Interessen am besten sind. Und Konsumenten müssen wissen, dass die Wertschätzung ihrer Bekleidung glücklich macht – auch wenn das T-Shirt vielleicht nicht mehr gekostet hat als ein Café Latte!“

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Lotte Schuurman, PR & Media Fair Wear Foundation, Amsterdam
© Alle Bilder: FWF

Andreas Mayer

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Autor: Andreas Mayer

Chefredakteur