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E-Bikes: Chance auch für den Sporthandel

  • Nicolas Kellner
  • Mittwoch | 24. August 2016  |  11:06 Uhr
Das E-Bike wird immer sportlicher und spricht inzwischen ein viel jüngeres Publikum an. Diese Zielgruppe fährt zum Beispiel E-Mountain-Bikes, ist sportlich auch auf anderen Feldern und sollte damit auch stärker von dem gut sortierten Sportfachhandel unter die Lupe genommen. Bike- und Outdoorfilialist Lucky Bike (Radlbauer) ist voll auf den Zug gesprungen, andere Filialisten verpassen das Thema leider gerade.
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Auch E-Crossbikes ziehen im Sporthandel.
© Winora

Text: Nicolas Kellner

Fast jedes zweite verkaufte Bike beim Münchner Händler Radlbaur (wurde von Lucky Bike, Leipzig, geschluckt) ist mittlerweile ein E-Bike. Das Thema brummt, die Nachfrage steigt in allen 21 Filialen von Lucky Bike. Neidisch blicken da die Kollegen von Sport Scheck und Karstadt Sports auf die Entwicklung. In allen Karstadt-Häusern wurde vor einem Jahr der Bereich Hartware Fahrräder und E-Bikes aus dem Sortiment gestrichen. Jetzt sind E-Bikes (von Scott) auch noch bei Scheck nach fast drei Jahren „ausgelaufen“. Es kommt nichts nach, obwohl die „Nachfrage da ist.“ Die Verkäufer sind frustriert, man könnte jeden Tag etwas verkaufen. „E-Bikes hätte ich ja als letztes aus dem Programm genommen“, wundert sich auch ein versierter Bike-Verkäufer von Karstadt Sports über den Scheck-Kurs.

Verpasste Chancen: Viele Sporthändler haben die Chancen, die sich aus dem Thema E-Bike hinsichtlich E-Mobility und Sportlichkeit ergeben, noch nicht erkannt. Das Umsatzpotential ergibt sich aus der sortiments- und produktübergreifenden Palette von Angeboten für den Endverbraucher. Und es gibt dazu interessante Initiativen. Wie zum Beispiel die bundesweite Premiere von E-Bike-Days in München, initiiert von der bayerischen Event-Agentur Communico Ende Mai. Die dreitägige kostenlose Veranstaltung im Münchner Olympiapark hatte das Ziel, Handel und Hersteller, Politik und Wirtschaft inklusive Tourismus zusammenzuführen. Auch der Endkonsument wurde informiert und animiert. Im Vorfeld hatten sich prominente Mitstreiter für die Veranstaltung engagiert. „E-Bikes sind der Einstieg in eine effiziente und emissionsfreie Mobilität“, ist Claus Fleischer, E-Bike-Chef bei Antriebshersteller Bosch fest überzeugt, „mehr als 2,5 Millionen Pedelecs auf Deutschlands Straßen zeigen, wie hervorragend dieses Konzept funktioniert.“ Nach jüngsten Marktzahlen des ZIV wurden 2015 deutschlandweit 535.000 Pedelecs verkauft. In Europa werde sich der Risk-Pulse-Studie zufolge der Verkauf bis zum Jahr 2023 verdreifachen, weltweit sei im selben Zeitraum ein Anstieg von rund 27 Prozent zu erwarten. Vor allem jedoch würden die Anwender und Einsteiger immer jünger, freut sich Alexander Thussbass, Leiter des Haibike-Design-Centers innerhalb des Bike-Herstellers Winora (Sennfeld/Schweinfurt). Haibike gilt als Pionier im E-Bike-Sektor von Mountain Bikes.

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Haibike spricht mit seinen E-MTBs immer mehr jüngere, sportlichere Kunden an.

Bikemarkt im Umbruch: „Der Fahrradmarkt ist im Umbruch, alte Strukturen und Führerschaften werden durch wegweisende Technologien und Megatrends aufgebrochen, neue Märkte entwickeln sich. So betrachten wir das Thema E-Mobilität als einer der ersten von einem strategischen Standpunkt aus und bieten bereits heute eines der breitesten und mit Abstand vielfältigsten Gesamtsortimente über alle Marken hinweg. Unsere Vision ist es, die Marken der Winora Group bewusst in eine aktive Führungsrolle zu lenken. Dafür entwickeln wir marktreife Konzepte und erheben zukunftsweisende Studien, die schon heute Antworten auf die möglichen Fragestellungen von morgen geben“, so Thussbass.

Sporthandel berät kompetent: Der Sporthandelsollte diese Entwicklung genau beobachten. Ob City-Bikes oder MTBs mit Elektromotor, die Zielgruppe wächst und sollte sportübergreifend angesprochen und ausgerüstet werden. Dazu gehören Bekleidung, Sportuhren, Computer, Helme und Handschuhe. Vor allem auch der digitale Mess- und Kontrollaspekt bei dem Zweiradsport wird immer spannender und ausgeprägter. Hier ist sicherlich erst recht Fachberatung vom Profi im Sporthandel gefragt.

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Autor: Nicolas Kellner

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 08 / 2016