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Big Player: Gestärkt aus der Krise?

  • Marcel Rotzoll
  • Dienstag | 11. August 2020  |  11:29 Uhr
Corona trifft die gesamte Gesellschaft und die gesamte Sportbranche. So reagieren die Big Player der Sportartikel-Industrie auf die Krise.
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Nike-Flagship-Store in Paris
© Nike

Mit ihren eigenen Retail-Aktivitäten, den eigenen Online-Shops und der ungeheuren Wucht, die sie bei der Marktdurchdringung erreichen, sind die großen Drei des Sports, Nike, Adidas und Puma immer auch ein Gradmesser dafür, wie es um die Sportbranche generell bestellt ist und welche Entwicklungen die nähere Zukunft zeitigen könnten. Gerade in Krisenzeiten zeigt sich dann nicht nur, ob die Geschäftsmodelle der Unternehmen aufgehen, sondern auch, wie zukunftstauglich sie sind und welche Rolle der Sportfachhandel darin spielt.

Klar ist, die Corona-Krise trifft die Big Player mit Wucht. Nike meldete für das vierte Quartal, das am 31. Mai endete, ein Umsatz-Minus von währungsbereinigt 36 Prozent (auf 6,3 Milliarden $) und einen Verlust von 790 Millionen $. Adidas beendet das zweite Quartal (zum 30. Juni) mit einem Umsatzrückgang von 34 Prozent (auf 3,6 Mrd. €) und verzeichnete einen Verlust aus fortgeführten Geschäftsbereichen in Höhe von 306 Millionen €. Puma schließlich büßt ebenfalls knapp ein Drittel des Umsatzes es. Die Raubkatze vermeldet ebenfalls im zum 30. Juni beendeten zweiten Quartal einen Umsatzrückgang von 30,7 Prozent (auf 831,1 Millionen Euro) und ein Konzernergebnis, das von 49,7 Millionen Euro im Vorjahresquartal mit -95,6 Millionen Euro ebenfalls deutlich ins Minus drehte.

Gleichzeitig betonen alle drei, wie stark das eigene Online-Geschäft zugelegt habe. Bei Nike wuchs der eigene Online-Umsatz um 79 Prozent und erreicht damit fast 30 Prozent des Gesamtumsatzes. Bei den drei Streifen stieg der Umsatz über den unternehmenseigenen E-Commerce-Vertriebskanal im zweiten Quartal sogar um 93 Prozent. Wie beim großen amerikanischen Konkurrenten liegt damit der Umsatz „durch eigene sowie partnerbetriebene E-Commerce-Plattformen“ bei „über einem Drittel des Gesamtgeschäfts des Unternehmens“. Puma schließlich teilt lediglich mit, dass das eigene E-Commerce- Geschäft in den ersten beiden Quartalen des Geschäftsjahres „sehr stark gewachsen“ sei.

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Björn Gulden und Puma setzen auf neue Produkte, Marketing und lokale Entscheidungskompetenzen.
© Puma

Wie aber sehen die Big Player die nähere Zukunft? Ziel für Puma sei, so heißt es im Geschäftsbericht für das erste Halbjahr recht poetisch, „zu überleben, sich zu erholen und dann wieder gestärkt und mit Wachstum aus der Krise hervorzugehen“. Man gehe davon aus, dass sich „die Märkte bis Ende des Jahres erholen werden und 2021 wieder ein Jahr des Wachstums sein wird“. Die mittelfristige Strategie sehe vor, so Puma-CEO Bjørn Gulden, „dass wir vollständig in die Produktentwicklung für das Jahr 2021 und weiterhin in unser Marketing investieren, digitale Sell-in Meetings mit unseren Handelspartnern durchführen und auf ein hohes Maß an lokaler Entscheidungsfindung setzen.“

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Adidas-Chef Kasper Rorsted will bereits im dritten Quartale schon wieder ein positives Betriebsergebnis zwischen 600 Millionen Euro und 700 Millionen Euro generieren.
© Adidas

Adidas-Chef Kasper Rorsted geht davon aus, dass „sich die Erholung unseres Geschäfts im dritten Quartal fortsetzen“ wird. Zwar sei ein Ausblick auf das Gesamtjahr, wie auch bei Puma und Nike, aufgrund der Pandemie-bedingten Unsicherheiten nicht möglich, man erwarte jedoch bereits im dritten Quartal, dass „das Unternehmen ein positives Betriebsergebnis zwischen 600 Millionen Euro und 700 Millionen Euro generieren“ werde, vorausgesetzt, es komme zu keinen weiteren umfangreichen Shutdowns, die Own-Retail-Stores weltweit können geöffnet bleiben und das Kundenaufkommen im stationären Einzelhandel kontinuierlich weiter zunehme.

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Setzt weiter auf die eigenen Online-Aktivitäten: Nike-CEO John Donahoe.
© Nike

Nike hingegen wird deutlich. CEO John Donahoe erklärt: „Wir sind in einer einzigartigen Position, um zu wachsen. Jetzt ist es an der Zeit, auf die Stärken und besonderen Fähigkeiten von Nike aufzubauen. Wir investieren weiterhin in unsere größten Möglichkeiten, einschließlich eines stärker vernetzten digitalen Marktplatzes, um unsere Führungsposition auszubauen und langfristiges Wachstum zu fördern.“

Auch wenn der eigene Online-Absatz die Umsätze in Krisenzeiten nicht retten konnte, konnten alle drei Großen das eigene Online-Business stark ausbauen. Zukünftig ist das Umsatz, der den stationären Handelspartnern fehlt. Dass es aber nach wie vor auf diese ankommt, zeigen die dramatischen Umsatz-Einbrüche. Das jedoch ficht die Big Player nicht an. Auch wenn sich alle weiterhin der großen Unsicherheiten bewusst sind, die die Krise mit sich bringt, überwiegt der Optimismus, dass die Krise das eigene Wachstum nur kurz aufhält.

Marcel Rotzoll

Rotzoll

Autor: Marcel Rotzoll

Stellv. Chefredakteur sportFACHHANDEL