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„Wir disponieren aktuell fortlaufend nach“

  • Andreas Mayer
  • Montag | 25. Mai 2020  |  18:44 Uhr
Sebastian Frey ist Geschäftsführer der MTS Sportartikel Vertriebs GmbH in Wolfratshausen. Das inhabergeführte Unternehmen liefert die Produkte von so bekannten Marken wie Donic-Schildkröt (Tischtennis), Schildkröt (Aqua, FunSport, FunWheel und Fitness) und Talbot-Torro (Badminton, Speed Badminton).
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sportFACHHANDEL: Herr Frey, Sie waren bereits sehr frühzeitig von der Krise betroffen, weil viele Ihrer Produkte in Asien hergestellt werden. Wie sieht es denn aktuell mit dem Nachschub aus?

Sebastian Frey: Die Situation normalisiert sich langsam wieder. Wir sind natürlich betroffen von den mehreren Wochen Produktionsstopp in China und wir haben auch immer noch Vorlaufzeiten, die überdurchschnittlich lang sind, was uns bei der Nachdispo trifft. Bei den Produktgruppen, die aktuell gut funktionieren, wie Kleinfitness oder Federball, trifft uns das schon an einigen Stellen. Aber wir schaukeln das einigermaßen gut und haben vielfach Ersatzartikel…

Das heißt, bei Ihnen ist die Nachfrageseite ebenfalls wieder intakt?

Anfangs war auch für uns die Situation schwer einzuschätzen. Aber dann wurde schnell klar, dass sich Fitnessprodukte wie Kurzhantelsets, Matten etc. – also alles, was fürs persönliche Fithalten zu Hause gebraucht wird – einer ziemlich großen Nachfrage erfreuen. In einem zweiten Schritt haben dann Tischtennisplatten angezogen, Federball, der ganze Bereich Garten- und Funsport. Wir merken, dass sich die Leute auf einen Sommer zu Hause einstellen und dass dies letztendlich vielleicht sogar auf zusätzliches Budget hinauslaufen könnte. Irgendetwas Schönes will man sich doch gönnen, wenn man schon nicht in den Urlaub fliegt! Es sind in diesem Jahr zumindest bis dato auch im Handel eben nicht der Fußball oder andere Teamsportarten, die im Vordergrund stehen, sondern die Themenwelt Urlaub und Familienzeit daheim. Ob Nordic Walking, Running, Bike, Fitness oder der Funsport – da ist Potenzial für die gesamte Sportartikelbranche!

Generell klagt der Handel aber auch nach dem Shutdown noch über Kaufzurückhaltung …

Ich denke, dass unsere kleinpreisigen Artikel hier im Vorteil sind. Über das Federball-Set für 20 oder 30 Euro muss der Konsument nicht so lange nachdenken wie über die neueste Laufschuhinnovation, die vielleicht 200 Euro oder mehr kostet. Wir disponieren jedenfalls aktuell fortlaufend nach und gehen von einem langen schönen Sommer für unsere Produkte aus …

Das gilt für den stationären wie auch den Online-Handel gleichermaßen?

Während des Shutdowns ist natürlich viel über Online-Kanäle verkauft worden. Da aber auch Amazon selbst für vier Wochen die Läger für alle Produkte, die nicht Klopapier und Desinfektionsmittel hießen, zumachte, waren es sehr viele mittelständische Fachhändler, die hier als Seller aktiv waren und profitieren konnten. Wir hatten aber auch viele stationäre Formate, die trotz des Shutdown mit interessanten Ideen ihr Geschäft am Laufen hielten. Da gab es einige Beispiele, die mich wirklich positiv überrascht haben. Generell ist unser Online-Anteil unter dem Anteil des Gesamtmarktes in der Sport-Hartware, was aber nicht etwa daran liegt, dass wir online einen schlechten Job machen. Wir geben uns sogar sehr viel Mühe gerade bezüglich optimalem Content. Aber unser Fokus liegt doch ganz klar auf dem stationären Handel, den wir mit unseren bundesweit fünf festangestellten Außendienstmitarbeitern nach wie vor bewusst persönlich betreuen. Dazu gehören auch kleinere Formate. Denn stationäre Händler sind regionale Meinungs-bildner und extrem wichtig für unsere Produkte. Online wird oft nur die Nachfrage nach einem speziellen Produkt bedient. Darum sind wir sehr froh, dass es stationär jetzt wieder vollumfänglich los geht.

Das heißt, Sie hatten nicht unter Lieferstopps und verlängerten Zahlungszielen zu leiden?

Natürlich hatten wir das. Wenn einzelne Handelspartner dich fast erpressen, ist das natürlich ein Kraftakt. Wir sind ein inhabergeführter Mittelständler und können uns auch nicht an globalen Kapitalmärkten bedienen. Viel Ware, die von uns Wochen vorher bezahlt wurde, blieb bei uns im Lager stehen, Aufträge wurden geschoben und storniert. Das war und ist schon so eine große Herausforderung. Dann einseitig von Handelsseite noch Zahlungen auszusetzen, hat mit Partnerschaft nicht mehr viel zu tun. Auch die meines Erachtens übereilte, einseitige Reaktion der Intersport, die ZR komplett einzustellen und alle Lieferungen zu untersagen, hat uns vor Probleme gestellt. Aber nicht nur uns: Wir hatten viele Händler aus den Reihen der Intersport, die gerne Ware bei uns bezogen hätten, um sie online verkaufen zu können. Es gab trotz fortlaufendem Nachhaken unsererseits vom 18.3. bis zum 1.4. keine Lösung. Hier ist den Mitgliedern in einer schweren Zeit sicher der eine oder andere Euro Umsatz verloren gegangen. Im direkten Vergleich hat die Sport 2000 deutlich entspannter reagiert. Es sollte zwar ebenfalls nicht einfach Ware ausgeliefert werden, aber es gab eine Kommunikation und den Glauben daran, dass ein Händler, der sagt, er braucht Ware, schon weiß, was er tut!

Interview: Andreas Mayer

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Autor: Andreas Mayer

Chefredakteur