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Morotai: Angriff auf das Establishment

  • Marcel Rotzoll
  • Dienstag | 29. Mai 2018  |  09:53 Uhr
Mit einem Auftritt in einer TV-Show ging es richtig los: die Athleisure-Marke Morotai will sich einen Namen machen und baut soeben ein Händlernetz auf.

Junge, frische Marken sind für den Sportfachhandel unverzichtbar. Immer wieder schaffen neue Marken den Sprung in das große Haifischbecken Sportartikelindustrie. Eines der zuletzt vielleicht schillerndsten Beispiele dafür war die Laufschuhmarke On, die ab 2010 ihren Siegeszug zuerst bei den Running-Spezialisten antrat und mittlerweile im Markt etabliert ist. Davon kann das Athleisure-Label Morotai bisher nur träumen. Noch. Denn der Start des Ende 2016 gegründeten Unternehmens ist äußerst vielversprechend.

Die vier Gründer, der Modedesigner und das Gesicht der Marke Rafy Ahmed, Waldemar Wenzel, Andreas Maier und Werner Strauch, begannen ab dem Jahreswechsel 2017 mit dem Verkauf der ersten Sportswear-Kollektion im eigenen Onlineshop. Als kurz darauf nach Möglichkeiten gesucht wurde, das junge Start-up zu vergrößern, bewarb man sich bei der TV-Gründer-Show „Die Höhle der Löwen“. Und tatsächlich: Nicht nur dass Dagmar Wöhrl investierte, die Sendung verhalf der jungen Marke zu jeder Menge Aufmerksamkeit. Seitdem versuchen die Macher die Marke, beispielsweise durch TV-Werbung sowie Influencer- und Social-Media-Kampagnen in der Zielgruppe bekannter zu machen.

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Die Morotai-Gründer: Werner Strauch, Andreas Maier, Designer und Mastermind Rafy Ahmed, Waldemar Wenzel (vlnr.)
© Morotai

Und auch für den Sportfachhandel will sich Morotai attraktiv machen. Auf den ISPO-Auftritt in diesem Jahr, wo man zu den Finalisten der Auszeichnung ISPO Brandnew 2018 gehörte, folgte im April die Fitnessmesse FIBO. Gelistet ist Morotai zwischenzeitlich bei Wöhrl, Engelhorn, Intersport und Zalando, ist bereits in der Schweiz und in Österreich aktiv und will das Händlernetzwerk weiter, „allerdings sehr gezielt“, wie Rafy Ahmed gegenüber sportFACHHANDEL erklärt, vergrößern: „Für Sportfachhändler, aber auch Fashionhäuser mit Athleisure-Abteilungen schnüren wir individuelle Pakete zusammen. Grundsätzlich sind wir für jegliche Kooperationen offen und probieren gerne immer wieder Neues aus.“

Im Gegensatz zu den etablierten Sportmarken möchte man mit den eigenen Kollektionen nah am Freizeitsport sein. „Große Marken“, so Rafy Ahmed, „orientieren sich oft am Profisport, wobei die Bedürfnisse dieser sehr unterschiedlichen Zielgruppe teilweise sehr weit auseinander gehen. Auf diese Bedürfnisse wollen wir eingehen und den Fokus auf unsere Produkte sowie deren Mehrwert legen.“ Dabei kommen die Teile der Kollektion mit „drei ganz klaren Alleinstellungsmerkmalen“. Die Kollektionsteile sind sportartenübergreifend konzipiert, sie beschränken sich auf die Farben Schwarz, Weiß und Grau und sind dadurch untereinander allesamt kombinierbar. Schließlich sollen Features wie Kopfhörerausgänge, Taschen für Smartphones und Mesh-Einsätze den Freizeitwert der Kollektion hervorheben. Produziert wird in Sialkot in Pakistan. Nach eigenen Angaben achte man dabei „auf faire Arbeitsbedingungen und Löhne“.

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Kein Firlefanz: Die Konzentration auf die Farben Schwarz, Weiß und Grau macht alle Teile der Kollektion untereinander kombinierbar
© Morotai

Neue Marken sind das Salz in der Suppe des Sportfachhandels. Zwar haben es Newcomer schwer, weil die Konkurrenz erdrückend erscheint und der Markt äußerst wettbewerbsintensiv ist, man braucht sich aber gegenseitig: Start-ups benötigen die Sichtbarkeit im Handel und der wiederrum braucht neue und frische Impulse auf der Fläche, um Kunden ins Geschäft zu ziehen.

Marcel Rotzoll

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Autor: Marcel Rotzoll

Stellv. Chefredakteur sportFACHHANDEL

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 07 / 2018