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Kettler: Zurück zur Marktführerschaft

  • Marcel Rotzoll
  • Montag | 06. Februar 2017  |  10:03 Uhr
Zum 31. März 2016 konnte Kettler die Insolvenz in Eigenverwaltung beenden. Ein knappes Jahr später hat sich der Heimfitness-Branchenprimus neu aufgestellt und will den Markt wieder anführen, wie Kettler-Geschäftsführer Christian Kraus exklusiv gegenüber sportFACHHANDEL berichtet.

Text: Marcel Rotzoll

Spätestens ab Juni 2015 fragten sich viele Branchenteilnehmer: Was wird nur aus der einst glorreichen Heimfitness-Marke Kettler? Um eine unabgestimmte Übernahme durch einen Investor zu verhindern und um das Unternehmen neu auszurichten, hatten die Sauerländer nämlich eine Insolvenz in Eigenverwaltung angestrebt. Das Verfahren wurde im September eröffnet und zum 31. März des vergangenen Jahres mit der einstimmigen Annahme des vorgelegten Insolvenzplans beendet. Mit dem 1. April begann, wie die Verantwortlichen betonen, eine neue Zeit für das Unternehmen: Nach dem notwendig gewordenen Verkauf der Fahrradsparte, der Zusammenlegung von Produktionsstandorten und vor allem der „Optimierung sämtlicher Produktionsprozesse“ konnte man sich als Kettler GmbH eine neue gesellschaftsrechtliche Struktur geben und mit einer neuen Unternehmensfinanzierung agieren. Stand also im vergangenen Jahr noch das Ringen um die Zukunft im Mittelpunkt, geht es für den Traditionshersteller aus dem Sauerland zur ISPO 2017 darum, die Zukunft aktiv zu gestalten.

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Trainieren allein mit dem eigenen Körpergewicht: Das Crossrack ist eines der aktuellen Saison-Highlights
© Kettler

Auf der Produktseite hatte der Heimfitness-Marktführer mit dem Crossrack in dieser Saison ein heißes Eisen im Feuer. Aktuell seien weiterhin Laufbänder stark im Kommen, denn unterstützt vom ungebrochenen Boom strahlt Running auch auf den Indoor-Bereich ab. Intuitiv zu bedienende Ergometer sowie Crosstrainer bleiben angesagt. Neben den Neuigkeiten aus dem Cardio-Bereich stellt Kettler aktuell auch eine neue, variabel anwendbare Multigym-Kraftstation vor. Im Bereich der Fitness-Accessoires sieht man einen wachsenden Markt.

Eine sehr hohe Markenbekanntheit und insbesondere das Konsumentenvertrauen in hohe Qualität, Service und Innovationskraft spielen dem Unternehmen mit den Geschäftsbereichen Freizeitmöbel, Spiel+Kind und Sport zusätzlich in die Karten. Deshalb wolle man „zukünftig die Marke, die Wahrnehmung der Marke und unser umfassendes Produktsortiment durch gezielte Aktivitäten kommunikativ unterstützen“, wie Kettler-Geschäftsführer Christian Krause betont. Insgesamt müsse es für den Sportbereich das Ziel sein, „die Welt rund um das Heimtraining wieder attraktiver zu machen“.

Immerhin ist Fitness generell ein Megatrend. Ein gesunder und fitnessorientierter Lebensstil bleibt für viele Menschen wichtig – egal ob alt oder jung. „Hier muss der Heimfitnessbereich seine Daseinsberechtigung unter Beweis stellen – und sich gegen Fitnessstudios und andere alternative Fitnessformen behaupten.“ Allerdings ist Heimfitness für den Sportfachhandel ein schwieriges Thema. Zu geringe Flächenproduktivität im Vergleich zu anderen Sportsegmenten, ein hoher Personal- und Service-Aufwand und das generell schwierige Marktumfeld bereiten vielen Sportfachhändlern Kopfzerbrechen. Dabei heißt die Devise häufig ’ganz oder gar nicht’. Gar nicht, weil man vor dem hohen Aufwand nicht nur im Geschäft, sondern auch in der immer schwierigeren Kundenansprache zurückschreckt. Ganz, weil man sich in seiner Region einen festen Kundenstamm und einen Expertenstatus im Heimfitnessbereich aufgebaut hat. Letztlich sind Heimfitness-Geräte für die Kunden eine große Investition. Dementsprechend wollen Käufer die Produkte ausprobieren, sie benötigen professionelle Beratung und Service. Aber anders als früher, sind die Kunden heute dank Internet deutlich vorinformierter. So sieht denn auch Kettler für die Handelspartner die besten Chancen in einem Retailkonzept, das „eine Kombination aus Online-Handel und stationärem Verkauf bietet. Die Kunden werden immer digitaler, informieren sich vorab über die Onlinewelt und kaufen dann gezielt.“ Mit entsprechenden Kampagnen und Anzeigen in reichweitenstarken Magazinen und Online-Kanälen will Kettler Endkunden motivieren, sich neu mit dem Thema Heimfitness auseinander zu setzen und den Handel aufzusuchen.

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Mit der Kettmap-App können diverse Strecken mit insgesamt über 13.000 km virtuell nachgefahren werden
© Kettler

Erste Beispiele für den Willen, mehr Gesicht zu zeigen, gibt es bereits. So wurden im Herbst des vergangenen Jahres im Wartebereich des Düsseldorfer Flughafens Geräte aufgestellt, die die wartenden Passagiere ausprobieren konnten. Eine dazu passende Ausstellung mit Fachpersonal sollte dafür sorgen, dass sich die Fluggäste aktiv mit dem Thema Heimfitness beschäftigen. Aktuell läuft zudem die ’Tour de Familie’. Anlässlich der Tour de France, die in diesem Jahr ebenfalls in der Rheinmetropole Station macht, treten Familienteams gegeneinander an. Diejenigen Teams, die innerhalb von vier Wochen die meisten Kilometer auf ihren heimischen Kettler-Ergometern abgespult haben, können Urlaubsgutscheine und Sachpreise gewinnen. Aber auch Apps wie die seit August für viele Geräte verfügbare Kettmap, mit der bis zu 13.000 km virtuell nachgefahren werden können, sollen die Begeisterung für Heimfitness neu entfachen.

Um das ausgezeichnete Markenimage in Zukunft erfolgreich vermarkten zu können, will man auch weiterhin, zumindest in großen Teilen, auf ’Made in Germany’ und die eigene Fertigung setzen. Dazu wurden im vergangenen Jahr „tiefgreifende Umstrukturierungsmaßnahmen vorgenommen, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig produzieren zu können. So wurden zum Beispiel die Produktionsstandorte konsolidiert und die Wertschöpfungsprozesse effizient umgestaltet.“ Nichtsdestotrotz wird ein Teil des Produktportfolios zukünftig aus importierter Handelsware bestehen. Man achte aber auch hier mit einem Team aus eigenen Ingenieuren und Produktentwicklern gezielt darauf, dass die Geräte den Kettler-Qualitätsvorstellungen und -Sicherheitsansprüchen genügen. Denn letztlich ist es diese Qualität, die die Kunden auf den Flächen im Sportfachhandel erwarten. Der Handel brauche starke Marken, um Kompetenz und Glaubwürdigkeit zeigen zu können, erklärt Christian Krause. Dafür wolle man auch zukünftig maßgeschneiderte PoS-Lösungen bieten.

Rotzoll

Autor: Marcel Rotzoll

Stellv. Chefredakteur sportFACHHANDEL

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 03 / 2017