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Gonso fühlt sich mehr als wohl

  • Nicolas Kellner
  • Donnerstag | 07. Januar 2016  |  10:04 Uhr
Die Übernahme von Maier Sports und Gonso durch die Schwan-Stabilo-Gruppe, zu der auch Deuter und Ortovox gehören, birgt Chancen für den Handel. sportFACHHANDEL fragte sofort nach, wo diese liegen und was die Übernahme der Bikewear-Marke bedeutet. Maier-Sports-Geschäftsführerin Simone Mayer freut sich bereits auf die neuen Impulse.
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Blick in die Zukunft: Gonso bleibt auf jeden Fall eine eigenständige Marke.
© Gonso

Interview: Nicolas Kellner

sportFACHHANDEL: Frau Mayer, was bedeutet es für die Marke Gonso in der Schwan-Stabilo Outdoor Gruppe?

Simone Mayer: Wir setzen viel Zuversicht in den neuen Eigentümer Schwan-Stabilo, der die Übernahme von Gonso als strategische und langfristige Investition in die Zukunft sieht. Wir versprechen uns neue Impulse für die eigene Organisation, gerade aber auch für die Weiterentwicklung der Markenwerte.

Gibt es Änderungen und wie werden diese Aussehen? Gonso ist und bleibt ganz eindeutig eine unabhängige und selbstständige Marke. Gonso hat sich als traditionsreiche und zugleich sehr innovative deutsche Radsport-Marke positioniert und sich einen festen Platz im Handel und im Bewusstsein der Kunden erarbeitet. Wir wollen Gonso mit einer schlanken, effektiven und sehr teamorientierten Struktur für die Herausforderungen der Zukunft stärken. Die überaus engagierte und erfolgreiche Mannschaft in Albstadt erhält mit dieser neuen, zukunftsorientierten Ausrichtung die Möglichkeit, ihre ganze Kreativität und Innovationskraft in ein Unternehmen mit extrem kurzen Entscheidungswegen einzubringen. Die Geschäftsführung in Köngen in Person von Lothar Baisch und mir steht bereit, um dem Team entsprechende Hilfestellung zu geben. Die bewährten und engagierten Mitarbeiter des Vertriebsteams im Außen- und Innendienst bleiben unverändert die kompetenten Ansprechpartner für den Handel. Auch die Teams in den Bereichen Produktentwicklung, Produktion und Marketing haben weiterhin unser uneingeschränktes Vertrauen und den Ehrgeiz, Gonso in der Zukunft noch erfolgreicher zu machen.

90 Jahre Gonso ist eine lange Historie, was sind die Meilensteine? 1926 als Textilmanufaktur als einer von gut 200 solcher Betriebe auf der Schwäbischen Alb gegründet taufte Hans Gonser die von seinem Großvater gegründete Näherei nach dem zweiten Weltkrieg in Anlehnung an seinen Familiennamen auf den Namen „Gonso“. In den sechziger Jahren begann Hans Gonser mit Sporttextilien zu experimentieren. Seine Frau Isolde erinnert sich: „Wir haben schon sehr früh mit Sportmode Erfahrung gesammelt. Es gab in den sechziger und siebziger Jahren eine Kollektion für Fitness und Laufsport, einmal gab es sogar eine kleine Tenniskollektion. Der „Trainingsanzug für Anspruchsvolle“ hieß damals ein Werbeslogan.”

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90 Jahre Gonso: Eine deutsche Gründer- und Erfolgsstory über Generationen hinweg.
© Gonso

Wann begann es mit dem Radsport? Radsport wurde ab den frühen achtziger Jahren zum Kerngeschäft. Entscheidend war dafür, dass Gonso das erste Unternehmen war, das mit der damals sensationellen Garn-Entwicklung „Dunova“ von Bayer gearbeitet hat. Dieses hochfunktionelle Garn war natürlich ideal für Radtrikots und Hosen – die waren bis dahin ja üblicherweise aus Wolle und Baumwolle. Die Beschäftigung mit modernen Funktionsfasern brachte der Marke einen großen Wissensvorsprung vor Mitbewerbern. Das wurde dann für den Radsport konsequent weiter-entwickelt und ausgebaut. Denn die „modernen” Materialien konnten ihre Vorteile besonders beim Radsport vollends unter Beweis stellen. Gonso ist damit der Erfinder der synthetischen Radhose.

Gibt es ein weiteres historisches Highlight? In der Tat. Eine weitere Erfindung geht auf Gonso zurück: die Radhose mit eingenähtem Sitzpolster. Behilflich war dabei Ingenieur Zufall. Als der passionierte Radsportler Hans Gonser nach einem Unfall zur Reha auf einem Trimmrad gezwungen war, bekam auch er schnell die Blessuren der Radprofis: Das Sitzen im Sattel seiner Trainingsmaschine wurde zur Qual. Kurzerhand rief er in seiner Firma an und gab eine Radshorts in Auftrag, in die ein Pad – irgendetwas, was ihn vor seinen Blessuren schützen sollte – eingenäht werden sollte. Wenig später war die erste Radhose fertig, von der heute selbst Freizeit-radler mehrere Modelle im Schrank haben: Eine Hose mit eingenähtem Sitzpolster – wie es heute heißt.

Bei solch langer Historie, was zeichnet die Marke Gonso aus, für was steht Sie, was macht die Marke so besonders? Eine ganz eindeutige Stärke der Marke ist die Radhose. Kein Wunder bei dieser Geschichte! Das große G, das einen Pfeil symbolisiert, war schon früh die Marke internationaler Radgrößen wie z.B. von Jan Ullrich oder auch der Deutschen und Schweizer Radsport Nationalmannschaft. Doch Gonso richtet seine Aufmerksamkeit nicht nur auf den Leistungssport, sondern kümmert sich auch sehr intensiv um die Belange der Freizeit- und Genussradler. So bietet Gonso seine Hosen und Trikots auch in Herren- und Damengrößen bis 6XL an und hat sich zum Marktführer in Sachen „Komfortgrößen” entwickelt. Zur Eurobike präsentiert Gonso eine überaus interessante und umfassende Kollektion, die sich in die drei Linien Excellence, Expert und Essentials gliedert. Im Bereich Excellence finden sich technisch anspruchsvolle und multifunktionale Radsport-Textilien, überaus kreativ und innovativ. Besonders herauszuheben sind die Carbon & Carbon 2.0 Sitzpolster, Bike-Hemden mit 3D-Reflektorfäden, die PFC-frei imprägnierte Allwetterbekleidung oder die modische Linie „Cashmere“ mit perfekter Funktion und höchstem Tragekomfort. Der Handel profitiert von unseren internationalen und nationalen Sponsoring-Aktivitäten: So unterstützen wir Teams des Race Across America, die Tour Transalp und die Gonso Classic im Rahmen des World Cups in Albstadt.

Wie wird sich Gonso in der Zukunft positionieren? Gonso wird seine Position als Hosen- und Komfortgrößen-Spezialist konsequent weiter ausbauen und noch stärker auf das Thema Innovation setzen. Die Übernahme durch die Schwan-Stabilo Gruppe wird der Marke einen zusätzlichen Schub geben. Eine klare Botschaft an den Fachhandel lautet, dass wir weiterhin eindeutig auf Partnerschaft und Fachhandelsorientierung setzen. Dank unserer eigenen Produktionsstätten können wir auch künftig mit hoher Qualität, zuverlässigen Lieferterminen, einer hohen Nachlieferquote und einem umfangreichen NOS-Angebot aufwarten. Gonso positioniert sich als zuverlässige deutsche Marke mit 90-jähriger Tradition und steht für Qualität, Innovation und Passform.

Autor: Nicolas Kellner

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 11 / 2015