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Handel hart getroffen – drei Viertel der Bekleidungshändler in Existenzgefahr

  • Ralf Kerkeling
  • Montag | 28. Dezember 2020  |  12:59 Uhr
Der Lockdown für den Nicht-Lebensmittelhandel sorgt bei vielen Händlern für Existenzängste. Das zeigt eine aktuelle Trendumfrage des Handelsverbandes Deutschland (HDE) unter knapp 600 Unternehmen. Insbesondere im Bekleidungshandel sind die Sorgen groß. Hier sehen sich demnach knapp drei Viertel der Händler in Existenzgefahr. Auch die Sportfachhändler zeigen sich betroffen.
SPORT 2000
Der neuerliche Lockdown bedroht auch die Sportfachhandels-Geschäfte.
© SPORT 2000

Nach der Auswertung einer aktuellen Umfrage zur brisanten Situation des Handels rund um das Weihnachtsgeschäft 2020, zeigt sich der HDE besorgt. Insgesamt seien 75 Prozent der befragten Handelsunternehmen mit dem bisherigen Verlauf des Weihnachtsgeschäfts unzufrieden. Der HDE setzt sich angesichts der vielerorts dramatischen Lage für eine Überarbeitung der staatlichen Hilfen für die Branche ein.

„Die vom Lockdown betroffenen Handelsunternehmen verlieren einen großen Teil der normalerweise umsatzstärksten Zeit des Jahres. Das können die Händler nicht mehr alleine auffangen“, so HDE- Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Der HDE rechnet damit, dass der Lockdown-Handel in diesem Jahr insgesamt voraussichtlich Umsatzeinbußen in Höhe von 36 Milliarden Euro erleiden wird. In der Woche vor dem vierten Advent verloren die Innenstadthändler einer aktuellen HDE-Umfrage zufolge 56 Prozent ihres Vorjahresumsatzes.

„Insbesondere im Modehandel stehen viele Betriebe kurz vor der Insolvenz“, so Genth weiter. Der HDE fordert deshalb dringend Anpassungen bei den bisher vorgesehenen staatlichen Hilfsmaßnahmen. „Der Bundesfinanzminister hat schnelle und großzügige Hilfen zugesagt. Das ist gut so, allerdings sind die Unterstützungsmaßnahmen für viele Händler noch nicht passend“, so Genth. Der HDE setzt sich deshalb für eine Gleichbehandlung mit der Gastronomie beim Umsatzausgleich für den Dezember ein. Bisher soll der Handel hier leer ausgehen. Bei den Überbrückungshilfen ab dem kommenden Jahr moniert der Handelsverband noch zahlreiche Details, wie beispielsweise die monatliche Obergrenze für Hilfszahlungen und zu hohe Beantragungshürden. Genth: „Hier muss dringend nachgebessert werden, ansonsten kommt das Geld bei vielen Händlern nicht oder nicht in ausreichendem Maß an.“ Zudem müsse es um eine schnelle und unbürokratische Auszahlung der Unterstützung gehen.

Alternative Lösungen

In der Folge des Lockdowns versuchen viele Nicht-Lebensmittelhändler, auf anderen Kanälen weiter für ihre Kunden da zu sein. So zeigt die HDE-Umfrage, dass fast drei Viertel der von der Zwangsschließung betroffenen Handelsunternehmen alternative Vertriebswege wie Online-Marktplätze, Lieferservices und Click&Collect oder aber neue Wege der Kundenkommunikation wie beispielsweise über Social Media nutzen. Ein Drittel der befragten Lockdown-Unternehmen ist auch im Online-Handel aktiv.

Den Trend zum Online-Einkauf bestätigte eine weitere Umfrage. So wurde etwa jeder vierte Euro nach Schätzung des Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. (bevh) rund um Weihnachten online umgesetzt. Schenken ist für Onlineshopper aber nach wie vor eine höchstpersönliche Angelegenheit. Wie eine im Auftrag des bevh gemeinsam mit dem Meinungsforschungsunternehmen Civey über die Feiertage durchgeführte repräsentative Onlinebefragung ergeben hat, nutzten dabei nur gut 20 Prozent der Befragten die Geschenkservices der Onlineshops.

Sportfachhandel – geteilte Stimmung im Weihnachtsgeschäft

Beim Blick nach Österreich und die dortigen Sportfachhändler fällt die Einschätzung ähnlich aus, wie SPORT 2000 mitteilte. So waren die Geschäftsöffnungen nach dem zweiten Lockdown für das Weihnachtsgeschäft des Sportfachhandels besonders wichtig. Für die insgesamt 240 SPORT 2000 Händler fiel das Geschäft dieses Jahr je nach Lage der Geschäfte unterschiedlich aus. Der Grund dafür: Skifahren ist erst seit kurzem möglich. Der Wintertourismus fällt jedoch komplett aus. Der neuerliche Lockdown ab 26. Dezember bis 18. Januar verschärft die Lage zusätzlich.

Auch wenn Skigebiete für Tagesgäste öffnen, so sind Skiverleih und Skiservice vom Ausbleiben der Gäste aus dem Ausland massiv betroffen. „Das heurige Weihnachtsgeschäft war für viele Händler schwierig. Auch wenn in den Tagen nach dem Lockdown im November wieder Kunden in die Geschäfte von Händlern in urbaneren Lagen kamen, ist es nicht gelungen, die verlorenen Umsätze aufzuholen. Der Verkauf von Alpinski, einem wichtigen Umsatzbringer für unsere Händler, stagniert im Moment komplett. Dies betrifft alle Produktkategorien vom Helm über die Ski bis zum Skianzug. So verzeichnen auch unsere Händler in urbanen Gebieten Umsatzverluste im Vergleich zum Vorjahr“, blickt Dr. Holger Schwarting, Vorstand SPORT 2000 Österreich, mit gemischten Gefühlen auf das Weihnachtsgeschäft seiner SPORT 2000 Händler.

Rund 50 Prozent der SPORT 2000 Händler leben vom Umsatz der Skitouristen in den Wintermonaten. „Unsere Händler in Tourismusgebieten und im Bereich Skiverleih- und –service kämpfen aktuell mit bis zu 100 Prozent Umsatzausfällen. Umsatzverluste aus dem Skiverleih und dem Skiservice können nicht nachgeholt werden. Und wir wissen nicht, ob und wann Gäste in die Tourismusgebiete zum Skifahren können. Diese Situation durchzuhalten wird für viele Händler existenziell“, hebt Schwarting die bedrohliche Situation seiner Händler hervor.

Starke Nachfrage nach Individualsportarten

Verstärkt nachgefragt sind Ausrüstungen für Individual-Sportarten. So war kurz vor Weihnachten Skitouren-Equipment teilweise vergriffen. Auch Langlaufski, Schneeschuhe, Bobs und Schlitten kamen heuer öfter als in vergangenen Jahren unter den Weihnachtsbaum. Ungebrochen war auch der Trend nach Fitness Hartware wie Laufbänder und Ergometer zur Ausstattung des eigenen Home-Gyms. Hier konnte aufgrund von unterbrochenen Lieferketten, verursacht durch die COVID-19 Pandemie, die Nachfrage teilweise nicht befriedigt werden. Interessant: Trotz Schnee und Kälte waren auch im Weihnachtsgeschäft E-Bikes weiter gefragt.

Quelle (HDE, bevh, SPORT 2000)

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Autor: Ralf Kerkeling

Chefredakteur