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Globetrotter: "Unser neues Format soll neue Kunden ansprechen."

  • Andreas Mayer
  • Sonntag | 18. Juni 2017  |  11:33 Uhr
Kurz schien es, als sei der einstige Vorzeige-Filialist Globetrotter ins Straucheln geraten: das rasante Wachstum mit immer aufwändigeren Erlebnis-Filialen sowie zunehmende Konkurrenz sowohl on- als auch offline hinterließen Spuren. Mit Hilfe des schwedischen Fenix-Konzerns wurde aufgeräumt und die Zukunft neu geplant – unter anderem mit einem neuen Shopkonzept, das in Hamburg und Düsseldorf jetzt bereits Wirklichkeit geworden ist.

Interview: Andreas Mayer

Globetrotter
Andreas Bartmann
© Globetrotter

sportFACHHANDEL: Gut zweieinhalb Jahre sind vergangen, seit Sie unter das Dach von Frilufts und dem Fenix Konzern geschlüpft sind. Was waren die Gründe? Wo stießen Sie an Grenzen, wo haben Sie sich vielleicht verzettelt? Das Wachstum schien lange Zeit doch grenzenlos ...

Andreas Bartmann: Ziel war es, unser Unternehmen zukunftsfähig aufzustellen. Der starke Strukturwandel im Handel, war auch nicht ohne Spuren an Globetrotter vorbei gegangen. Notwendige Investitionen waren über klassische Finanzierungsmodelle von Banken nicht mehr darstellbar. Der Einstieg eines strategisch passenden Partners wie Fenix war einfach die logische Konsequenz. Das starke Wachstum über viele Jahre, hatte sich nicht im nötigen Reifegrad unserer Organisation mitentwickelt. Hier sind wir heute deutlich besser geworden.Das wirtschaftliche Wachstum steht für uns künftig vor dem Umsatzwachstum.

sportFACHHANDEL: Wie viel Globetrotter steckt heute noch in Globetrotter? Und was hat sich seitdem verändert?

Andreas Bartmann: Mit Herzen authentisch, kompetent und serviceorientiert für unsere Kunden und die Branche. Das hat Globetrotter ausgezeichnet und genau das ist es, was auch heute unsere vielen Mitarbeiterin- und Mitarbeiter täglich leben. Ja – der Markt und Wettbewerb ist deutlich härter geworden, aber gerade deshalb setzten wir um so mehr auf diese Werte. Das mag sicher nicht unbedingt kurzfristigen Erfolg bringen, wird aber auf längere Sicht der bessere und stabilere Weg sein. Gerade in den für unsere Branche wichtigen Nachhaltigkeitsthemen sind wir heute deutlich besser aufgestellt. Hier haben wir viel Know-how von Fenix adaptieren können.

sportFACHHANDEL: Ihre beiden jüngsten Filialen in Hamburg und Düsseldorf verfolgen ein neues Konzept. Können Sie uns mehr dazu sagen? Andreas Bartmann: Outdoorgeschäfte leiden nach wie vor unter dem Vorurteil für viele mögliche Kunden Anbieter nur für  „Extremreisende“ zu sein. Da unsere bisherigen Filialen in der Regel in B-Lagen liegen, beschneidet man sich hier schon einiger Potentiale. Unser neues Format soll neue Kunden ansprechen, die wir über A-Lagen bestens erreichen. Das Feedback und die Entwicklung der ersten Wochen ist sehr erfreulich.

sportFACHHANDEL: Haben Sie neue Trends beim Endkonsumenten entdecken können oder worauf fußen das Konzept?

Andreas Bartmann: Draußen in der Natur entschleunigen und gesund durch Bewegung. Das sehe ich nicht als Trend, sondern als immer stärker werdendes Lebensgefühl.Wir möchten mit unserem Konzept möglichst viele Menschen dafür begeistern und Treffpunkt für Gleichgesinnte und der Ausrüster sein.

sportFACHHANDEL: Sie waren bereits sehr früh mit dem Onlineverkauf tätig. Welche Anteil hat das Business heute am Gesamtgeschäft?

Andreas Bartmann: Onlineverkauf ist ein Kanal der Kundenverbindung. Wir sehen diesen aber nicht als solitär vom Umsatz. Informieren, reservieren, kaufen, transportieren, retournieren, reklamieren – alle Kanäle werden angesprochen und vermischen sich. Eine Abgrenzung im Geschäft, ist eine Begrenzung der Möglichkeiten.

sportFACHHANDEL: Als was bezeichnen Sie sich heute?

Andreas Bartmann: Multichannel-Anbieter, Omnichannel-Händler, Versender, Filialist ... Alles ist richtig, aber auch falsch. Dies zeigt wie komplex Einzelhandel geworden ist.

sportFACHHANDEL: Wo sehen Sie Ihre Stärken?

Andreas Bartmann: Neben dem Genannten die Auswahl und Verfügbarkeit an Marken und Produkten. Dabei definiere ich Auswahl nicht Quantitativ, was durch die Vielfalt der Artikel unsere Branche ohnehin nicht möglich ist. Vielmehr arbeitet ein großer Stab an erfahrenen Mitarbeiterin und Mitarbeitern daran, hier unseren Kunden die bestmöglichen Produkte seiner Klasse zu bieten.

sportFACHHANDEL: Trotzdem: Die Konkurrenz schläft nicht. Wo sehen Sie heute Ihren größten Wettbewerber?

Andreas Bartmann: Wir haben gute Mitbewerber in unserer Branche, die es geschafft haben, sich noch weiter zu segmentieren und zu spezialisieren. Durch diese klare Ausrichtung stehen wir in einem Wettbewerb. Ich habe hohen Respekt vor Wettbewerb durch Kompetenz. Wettbewerb scheint sich aber zunehmend über das Thema Preis und Rabatt zu definieren – dies ist und wird zunehmend schädlich für unsere Branche. Es wirkt gegen Innovation und Qualität, was entscheidende Pfeiler unserer Branche sind.

Globetrotter
Mit frischem Wind in die Innenstädte: Globetrotter mitten auf der prestigeträchtigen Königsallee in Düsseldorf …
© Globetrotter

sportFACHHANDEL: Bei einem Blick in Ihre Filialen hat man das Gefühl, Sie hätten die Vielfalt an Marken zugunsten der eigenen Fenix-Marken eingeschränkt. Für jemanden, der die Hintergründe kennt, ist das verständlich. Aber wie reagieren die Kunden?

Andreas Bartmann: Wir haben das Erscheinungsbild in unseren Filialen in den letzten Jahren überarbeitet und modernisiert. Dabei haben auch Marken eine größere Aufmerksamkeit bekommen, dadurch mag der erste Eindruck kommen. Fjällräven und Hanwag, waren seit je her mit unsere wichtigsten Marken und die Darstellung somit nur konsequent. Bei genauer Betrachtung, finden aber auch viele weitere für uns wichtige Marken ihren eigenen Auftritt. Das Angebot im Markenmix hat bei uns nicht abgenommen.

sportFACHHANDEL: Auch beim Thema Eigenmarken sind Sie in die Offensive gegangen. Wie hoch ist der Anteil heute im Vergleich zu früher? Andreas Bartmann: Unverändert und im Gesamtmix auch notwendig. Aus Meru und Kaikkialla ist Frilufts geworden. Da wir Frilufts nun exklusiv haben, ermöglicht uns dies sicher einen konsequenteren Markenauftritt und eindeutigere Erscheinung.

sportFACHHANDEL: Zum Schluss noch eine persönliche Frage: Ihr langjähriger Freund und Geschäftsführer-Kollege Thomas Lipke genießt bereits seit mehreren Jahren seinen Ruhestand. Auch andere langjährige Weggefährten wie Klaus Weichbrodt, der die Filialen in Dresden und Köln aufgebaut hat, nahmen kürzlich ihren Hut. Wie sieht Ihre persönliche Lebensplanung aus? 

Andreas Bartmann: Man spürt schon, dass die ganze Branche sich in einem großen Generationswechsel befindet. Das liegt in der Natur der Sache und ist auch richtig so. Auch wenn sich vieles geändert hat, habe ich noch sehr viel Freude an meiner Arbeit. Mit meinem Wissen und meiner Erfahrung möchte ich noch einige Zeit die neue Generation der Globetrotter mit aufbauen.

Mayer

Autor: Andreas Mayer

Chefredakteur

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 08 / 2017