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Globetrotter geht in neuem Handelskonzern auf: Swedish Connection

  • Andreas Mayer
  • Freitag | 28. November 2014  |  09:05 Uhr
Der Hamburger Outdoor-Spezialist Globetrotter Ausrüstung fusioniert und geht in Frilufts Retail Europe AB auf, einer Firma, die von Fjällräven- und Hanwag-Besitzer Fenix Outdoor International mehrheitlich kontrolliert wird. Die bisherigen Globetrotter-Macher sind aber an der neuen Kombination beteiligt.
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Fenix ist Mutterkonzern unter anderem von Fjällräven. © Alle Fotos: GLOBETROTTER

Text: Markus Huber

Zur Frilufts AB gehören damit nicht nur Globetrotter in Deutschland und ein 25-prozentiger Anteil an der Schweizer Transa, sondern auch die schwedische Kette Naturkompaniet und ihr finnisches Gegenstück Partioaitta. Diese beiden Handelsformate gehörten bislang genauso zu Fenix wie die Marken Fjällräven, Hanwag, Primus, Brunton und Tierra.

In der neuen Frilufts AB hat Fenix mit 60 Prozent die Anteilsmehrheit; die übrigen 40 Prozent bringen die bisherigen Gesellschafter von Globetrotter ein. Einer von ihnen, Geschäftsführer Thomas Lipke, übernimmt bei Frilufts AB die Rolle des Chief Operating Officers; Ulf Gustafsson wird CEO. Gustafsson war schon in früheren Jahren Geschäftsführer von Fenix, wechselte aber zwischendurch zu Tretorn, der schwedischen Tochter von Puma. Die Investition in den neuen Handelskonzern, der Umsätze von mehr als 260 Mio. Euro kombiniert, beläuft sich für Fenix auf ein Kapital von 7 Mio. Euro.

Die Verbindungen zwischen Globetrotter und Fenix sind nicht neu, wurden aber mit dem neuerlichen Schritt deutlich intensiviert: Bereits zu Beginn dieses Jahres übernahm Fenix einen Anteil von 20 Prozent an dem hanseatischen Fachhändler.

Die Hausmarken sollen nicht bevorzugt werden. Aus Anlass der Gründung der neuen Handelsfirma wollten sich weder der Fenix-Vorstandsvorsitzende Martin Nordin noch das Management von Globetrotter weiter zu der Allianz äußern, als das durch eine Pressemitteilung geschehen ist. Man verweist dabei auf die Tatsache, dass Fenix als Aktiengesellschaft öffentlich gehandelt wird.

Nordin tat dies aber auf der letzten Ispo im Gespräch mit diesem Magazin, kurz nachdem Fenix seinerzeit die Minderheitsbeteiligung an Globetrotter bekanntgegeben hatte. Naheliegenderweise stand die pauschale Vermutung im Raum, die Regale des Hamburger Filialisten würden künftig mit Ware von Fjällräven und Hanwag zugepflastert. Dies ist nicht geschehen und war von Nordin auch nicht so angedacht. Klar war aber auch, dass verschiedene Händler am Messestand an die Vertriebsleute der Marken ein paar Fragen zu der neuen Situation hatten.

Seinerzeit betonte Nordin, dass die Handelssparte des Konzerns autonom arbeitet und entsprechend auch unabhängig vom Großhandelsgeschäft erfolgreich sein müsse. Zudem würde es – je nach Markt – auch gar nicht ohne weiteres funktionieren, die Geschäfte mit Konzernware zuzuhängen, weil die Konsumenten das gar nicht wünschten. Er nannte das Beispiel des Anbieters Halti, ohne den man in Finnland als Kette ein weniger gutes Standing hätte. Das gleiche gilt für Haglöfs in Schweden, wo diese Marke gewissermaßen der Erzrivale von Fjällräven ist. Offenbar ist der Handel in den nordischen Ländern eher schmerzfrei eingestellt. In den Filialen von Naturkompaniet wird dieser Wettbewerb der Lieferanten genau so ausgetragen wie bei den anderen schwedischen Händlern auch.

Ähnliches gilt für Jack Wolfskin in Deutschland. Globetrotter agiert schon seit Jahren als Franchise-Partner der Tatzenmarke und betreibt verschiedene Geschäfte des deutschen Branchen-Primus. Es liegen keine Hinweise vor, dass an dieser Partnerschaft gerüttelt wird. Hinzu kommt, dass der neue Handelskonzern Frilufts Retail Europe eben nicht zu 100 Prozent dem schwedischen Konzern gehört, sondern immerhin zu 40 Prozent von den aktuellen Globetrotter-Machern kontrolliert wird. Und die werden sicher keine „politischen“ Veränderungen im Sortiment vornehmen, sofern diese schlecht fürs Geschäft am deutschen Markt wären.

Rätselraten um die Eigenmarken. Erklärungsbedarf gibt es unverändert im Zusammenhang mit den Exklusivmarken. Vor zwei Jahren erklärte Globetrotter den Ausstieg aus der Euro Family, jenem losen Verbund führender Outdoor-Händler in Europa, die zusammen Private Labels entwickeln. Der Hamburger Filialist entschied seinerzeit, sich bei den Exklusivprodukten auf eigene Füße zu stellen, hat aber noch nicht erklärt, wie das genau ablaufen soll. In der Tat bieten die beiden Fenix-Ketten in Skandinavien keine oder nur sehr wenig Eigenmarken an – anders als die hanseatischen Kollegen. Hier darf freilich spekuliert werden, ob Globetrotter hier nicht doch künftig auf das Know-how von Fjällräven bei der Beschaffung von Produkten vertrauen darf.

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Die bisherigen geschäftsführenden Gesellschafter von Globetrotter, Thomas Lipke (links) und Andreas Bartmann halten an der neuen Firma Frilufts Retail Europe zusammen mit den Globetrotter-Gründern Peter Lechhart und Klaus Denart einen Anteil von 40 Prozent. In der neuen Handelsallianz wird Lipke Chief Operating Officer.
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Autor: Andreas Mayer

Chefredakteur sportFACHHANDEL / Wanderlust / SkiMAGAZIN

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 21 / 2014