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Fußball- und Indoor-Schuhe: Alles Socke!

  • Marcel Rotzoll
  • Dienstag | 21. Februar 2017  |  10:07 Uhr
Aktuell werden die neuen Schuh-Kollektionen präsentiert. Punkten wollen die Lieferanten mit vielfältigen funktionalen Details, wie z. B. Sockentechnologien. Während es im marketinggetriebenen Fußball bei der Kundenansprache darum geht aufzufallen, punkten Indoor-Schuhe mit Technologie.

Text: Marcel Rotzoll

Traditionell werden zum Anfang des Jahres die neuen Fußballschuh-Kollektionen präsentiert. Mitte Januar gab Puma mit der Vorstellung des evoPower Vigor 1 den Startschuss, auch die evoSpeed- und evoTouch-Linien wurden ergänzt. Die Konkurrenz von Adidas folgte kurz darauf mit der Blue Blast-Kollektion. Wie schon in den Vorsaisons beschränkt man sich dabei in erster Linie auf Ace- und X-Modelle sowie zusätzlich einen neuen Messi-Schuh. Auffällig bei Marktführer Adidas ist, dass die neue Kollektion neben den Fußballschuhen auch Versionen für den Käfig (Cage) und Straßenmodelle enthält. Eine Folge des Metropolen-Konzepts, mit dem man konzernweit schneller auf Trends reagieren will. „Wir beobachten insbesondere in den Metropolen“, so die Verantwortlichen auf Nachfrage, „eine steigende Popularität des Straßenfußballs. Auf den Bolzplätzen und Hinterhöfen rund um den Globus entstehen ganz neue Spielformen. Diesem Trend wollen wir mit unseren Fußballprodukten gerecht werden, zum Beispiel mit unserer Tango-Apparel-Kollektion sowie den Street- und Cage-Versionen unserer Top-Fußballschuhmodelle X, ACE und Messi. Zudem starten wir im März mit unserer Tango-League-Turnierserie, für junge Konsumenten in den Städten Berlin, Hamburg, Frankfurt/Main, München sowie in der Region West.“

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Natürlich bekommt der beste Fußballer der Welt seinen eigenen Schuh. Der Messi16 soll für hohen Tragekomfort und gleichzeitig mehr Stabilität stehen
© Adidas
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Auf Bolzplätzen und Hinterhöfen entstünden ganz neue Spielformen. Folge: Adidas stellt mit der Blue Blast-Kollektion auch Cage- und Street-Schuhe vor
© Adidas

Überarbeitet wurde bei allen Modellen der Blue Blast-Kollektion das Purecut Sock System, das für einen „idealen Tragekomfort“ sorgen soll und nun noch dehnbarer sei, weshalb sich der Schuh noch besser an den Fuß anpasst. Durch jenen sockenartigen Purecut-Vorfußbereich kommt der Ace17+ Purecontrol ohne Schnürsenkel aus. Die Linie in blau-schwarzer Farbgebung kommt zudem mit Primeknit-Obermaterial daher. Adidas verspricht sich davon, dass die Schuhe keine Eintragezeit mehr benötigen. Auffälligste Neuerung dürfte aber die in der Zwischensohle zum Einsatz kommende Boost-Technologie sein. Im Running nach einer längeren Anlaufphase mittlerweile etabliert, sollen tausende von kleinen Kapseln nun auch im Fußball für Energierückführung sorgen. Neben der Ace-Linie sollen die X16-Modelle in blau-pink ein Hingucker auf den Plätzen werden. Eines der herausstechenden Merkmale dürfte hier das Techfit-Obermaterial sein. Durch dessen Kompressionspassform soll sich der Schuh besonders gut an den Fuß anschmiegen. Auch die nach dem derzeit besten Fußballer der Welt benannte Messi-Linie wird erweitert um den Messi16.

Mit der aktuellen Vorstellung des neuen Champions League-Balles Finale Cardiff kommen die Ace- und X-Modelle zudem im Dragon Pack. Inspiriert vom diesjährigen Austragungsort des Champions League-Finales werden die Schuhe um ein walisisch inspiriertes Drachendesign erweitert.

Fußball werde immer schneller, athletischer, geplanter und professioneller, berichtet Torsten Hochstetter, Global Creative Director bei Puma. Deshalb habe man mit dem Credo „Make the athlete perform better“ den Anspruch, Produkte zu entwickeln, mit denen der Spieler seine bestmögliche Performance abliefern könne: „Schnelligkeit, Leichtigkeit und Adaption sind Trends, die insbesondere im Fußball bei der Entwicklung des perfekten Produkts immer entscheidender werden. So haben wir zum Beispiel mit dem evoTouch einen extrem leichten und innovativen Fußballschuh entwickelt, der mit seiner einzigartigen Sockenkonstruktion für ein noch direkteres und hochgradiges Gefühl am Ball sorgt. Darüber hinaus werden wir bald eine völlig neue Art des Schnürungssystems für die perfekte individuelle Passform und somit bestmöglichen Halt und Stabilität im Bereich Performance präsentieren.“

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Der evoPower Vigor 1 von Puma soll ein barfußähnliches Gefühl vermitteln
© Puma

Das Motto der wiedererstarkenden Raubkatze aus Herzogenaurach lautet für das Teamsport-Jahr 2017 „Play Loud“. Mindestens so auffällig wie die Tricks-Schuhe im vergangenen Jahr dürfte also auch die neue Kollektion sein. Der Mitte Januar präsentierte evoPower Vigor 1 sei in jedem Fall der technisch fortschrittlichste Puma-Fußballschuh aller Zeiten. Man habe für das neue Design, so der neue General Manager Teamsport Matthias Mecking „unsere Top-Spieler genauestens beim Spielen beobachtet. Wir haben geschaut, wie Olivier Giroud und Mario Balotelli ihre kraftvolle Art zu Spielen in Tore verwandeln, was der natürliche Bewegungsablauf beim Schuss ist und wie wir diesen noch verstärken können. Außerdem wollten wir jedes einzelne Material des Schuhs auf die nächste Ebene bringen.“

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Puma-Testimonial Olivier Giroud (Arsenal London) hat die Innovation schon getestet und schwört auf den neuen evoPower
© Puma

Konkret heißt das, dass der Schuh nun über eine elastische Spandex-Sockenkonstruktion verfügt, die für ein barfußähnliches Gefühl sorgen soll. Auffällig sind zudem die 3D-Elemente auf dem Obermaterial. Diese AccuFoam-Technologie soll die unebene Fläche, die beim Ballkontakt entsteht, ausgleichen und für bessere Schusspräzision sorgen. Das Obermaterial wird kombiniert mit dem bereits bekannten Adap-Lite-Material und mit einem Stützrahmen versehen. Das einseitig dehnbare Obermaterial unterstütze so die natürliche Bewegung des Fußes und maximiere Schusskraft und Genauigkeit. Die Farbkombination Neongrün und Neonpink sowie die schwarzen Details dürften dabei tatsächlich wieder zum Hingucker werden.

Die Teamsport-Silos evoSpeed und evoTouch kommen ebenfalls in neuen, auffälligen Farbupdates. Der evoSpeed soll mit seiner überarbeiteten Speedframe-Struktur noch schnellere Richtungswechsel und bessere Beschleunigung ermöglichen. Man wolle gemeinsam mit den Handelspartnern vor allem die junge, fußballaffine Zielgruppe für die neuen Produkte begeistern. Dabei setzt Puma zum einen auf Kommunikation über die sozialen Medien und will einen starken Auftritt im Fachhandel hinlegen. Dazu werden die Fußballschuh-Innovation durch Schaufenster, Backwalls, Shoe Tower, Instore Displays und Shop in Shop-Flächen am POS in den Blickpunkt gerückt. In ausgewählten Geschäften solle es zur gezielten Ansprache der Endkonsumenten Abverkaufsunterstützungen von geschulten Produktexperten geben. Ab April haben Teamsport-Händler zudem die Möglichkeit zu Fußballturnieren, die sie unterstützen, den Puma Fußballschuh Test-Truck einzuladen. Junge Fußballspieler sollen so evoPower, evoSpeed und evoTouch kostenlos und vor allem ausgiebig testen können.

Der Indoor-Schuhbereich wird bei der medialen Aufmerksamkeit für den Fußball gerne vergessen. Dabei sind die Schuhe für Handballer, Volleyballer oder Basketballer mindestens ebenso innovationsgetrieben wie die Fußballschuhe. Immerhin ist hier der Marketingeffekt durch bekannte Spielerpersönlichkeit zwar in eingeweihten Kreisen ebenso hoch, die breite Masse kann aber mehr mit Fußballern wie Lionel Messi, Thomas Müller, Antoine Griezmann oder Julian Weigl anfangen als beispielsweise mit Handballern wie Holger Glandorf, Uwe Gensheimer, Nikola Karabatic oder Gudjon Valur Sigurdsson. Das mag unter Marketinggesichtspunkten zwar schade sein, heißt aber auch, dass es im Indoor-Segment viel mehr auf das Produkt selbst und die Inszenierung im Sportfachhandel ankommt.

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Der isländische Handballstar Gudjon Valur Sigurdsson wird das Gesicht der Kampagne rund um den Mizuno Wave Mirage 2
© Mizuno

Neben den bekannten Marken Adidas, Nike, Puma oder im Indoor-Bereich vor allem auch Asics sind Spezialisten-Marken gefragt. Mit der Marke Kempa bearbeitet beispielsweise Uhlsport den Handballbereich. Gleiches gilt für die schwedische Marke Salming. Ein Allrounder unter den spezialisierten Indoor-Schuhmarken ist Mizuno. Die Japaner haben in den vergangenen Saisons mit tollen Kollektionen geglänzt und sich viele Freunde im Teamsportfachhandel gemacht. Gewichtsreduktion war bei nahezu allen Kollektionen in den vergangenen Saison der entscheidende Faktor. Das Gewicht wird auch in der neuen Saison eine große Rolle spielen, dürfte aber, weil Lightweight mittlerweile von den Spielern vorausgesetzt wird, nicht mehr so sehr im Mittelpunkt des Interesses stehen wie zuvor. Entsprechend dürfte neben Designaspekten die Performance der Schuhe wieder in den Mittelpunkt rücken. Denn ohne den fühlbaren Nutzen läuft natürlich weiterhin nichts. Und bei der Performance, so die Mizuno-Macher, liege die große Stärke der Japaner: „Ein aktueller Trend im Indoormarkt sind, ähnlich wie im Fußball, die positionsbezogenen Modelle. So bietet Mizuno Handballschuhe speziell für die Bedürfnisse von Außenspielern, Rückraumspielern oder Kreisläufern. Auch im Volleyball hat Mizuno für jeden Spielertypen den richtigen Schuh, egal ob Außenangreifer, Mitttelblocker oder Libero.“ Darüber hinaus gewinnen auch bei Mizuno Design, Farben und Grafiken immer mehr an Bedeutung, die Schuhe werden lifestyliger.

Das Highlight der aktuellen Kollektion ist der Wave Mirage 2. Bei den Japanern ist man davon überzeugt, dass die dort erstmals verbaute Dynamotion Fit Sock Construction ein „Game Changer“ im Handball-Markt werde: „Bootie-Konstruktionen sind aus dem Running- und Lifestyle-Bereich bekannt, verfolgen aber vor allem ästhetische Ziele. Mizuno hat als führende Indoor Performance Marke bei der Entwicklung den Schwerpunkt auf Passform, Komfort und Ankle Support/Fersenstabilität gelegt. Unser Ziel ist es, die beste Bootie-Konstruktion im Markt zu bieten. Wir sind stolz auf das Ergebnis!“ Der Schuh feiert im Juni 2017 seine Markteinführung. Der Wave Mirage 2 wird auch ein Mittelpunkt der Mizuno-Marketinganstrengungen werden. Entwickelt wurde der Schuh gemeinsam mit dem isländischen Handballstar Gudjon Valur Sigurdsson. Der Linksaußen wird das Gesicht der Wave Mirage 2-Kampagne. In deren Zuge will Mizuno die Händler mit „POP- und Social Media-Aktivitäten“ unterstützen. Zusätzlich wird es eine große Handball Grassroots Test Tour geben, die gemeinsam mit Handelspartnern umgesetzt wird und die Handball-Schuhe der Marke in den Vereinen bekannt machen soll. Die Mizuno-Verantwortlichen erklären: „Die Kooperations-Vereine der Händler werden im Training von einem Promotion Team besucht. Dort kann man unsere Top Handball Modelle ausgiebig testen und bei der Speed Challenge sein Können unter Beweis stellen.“ Ganz neu für Mizuno – das sollte, auch wenn es noch Zukunftsmusik ist, an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben – dürfte der Ausflug in den Textil-Sektor werden. Man wollen in den nächsten Monaten eine eigene Teamwear-Kollektion vorstellen und damit die eigenen „Ambitionen als die Top Indoor Marke der Spezialisten unterstreichen“.

Rotzoll

Autor: Marcel Rotzoll

Stellv. Chefredakteur sportFACHHANDEL

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 04 / 2017