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Winterschuhe: Schnee kommt, Schnee geht...

  • Marcel Rotzoll
  • Mittwoch | 14. Dezember 2016  |  13:20 Uhr
Ein Wechselbad der Gefühle, vor allem für den geplagten Fachhandel. Ende Oktober schon der erste Schnee, Mitte November dann der erste Föhnsturm. Dennoch konnten die frühen kalten Tage die Umsatzsituation deutlich verändern. UND: Der Handel ebenso wie die Hersteller haben reagiert und zeigen im Schuhsegment sinnvolle Lösungen für wechselhaftes Wetter.

Text: Astrid Schlüchter

Zuerst die positive Nachricht. Winterschuhe schmücken sehr wohl noch die Regale der Schuh- und Sportfachhändler. Denn, die Nachfrage nach gut isolierten, wasserdichten Modellen ist sogar gestiegen und auch, wenn in den Städten meist erst spät in der Saison Schnee und Glätte einkehren, treiben viele Kunden Sport und benötigen dafür entsprechendes Schuhwerk. „Neben dem Schuhfachhandel ist das Thema Winterschuhe auch für den Sportfachhandel interessant. Jeder, der Sport treibt und sich in der freien Natur bewegt, trägt im Herbst und Winter einen wärmeren Schuh, da der Fuß sehr schnell auskühlt. Hier liegen auch für die klassischen Sportfachhändler Umsatzchancen, die den Renditen sicherlich sehr zuträglich sind“, kommentiert Martin Janda von Teva. Und weiter: „Hersteller richten den Fokus weiterhin auf Schuhe mit griffigen Sohlen und mit Membranen verschiedenster Anbieter.“ Stichwort Gore-Tex, OutDry oder Vibram. Deswegen bietet z.B. Merrell schon seit diesem Winter exklusiv die neue Technologie des Sohlen-Experten Vibram an. Die innovative Sohlenmischung Vibram Arctic Grip ist speziell für winterliche Bedingungen konzipiert und garantiert ausgezeichneten Grip, besonders bei Eis und Glätte. Die Merrell Ice+ Linie umfasst vier Modelle vom Winterschuh bis zum modischen Stiefel.

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Dicke Winterschuhe werden nur noch selten geschnürt – der Trend geht zum funktionellen Ganzjahres- oder wenigstens wasserabweisenden Übergangsschuh.
© AKU
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Übergangsmodelle sind auch das Thema bei Teva.
© Teva
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Der Constrictor II Boa GTX wurde in enger Zusammenarbeit mit dem professionellen Athletenteam von Viking Footwear entwickelt und ist ein sehr sportlicher und funktioneller Winterschuh für Herren und Damen.
© Viking

Der italienische Wander- und Trekkingschuhhersteller AKU verzeichnet mittlerweile auch im Wintergeschäft einen beinahe ebenso großen Absatz wie im Sommer. Vielleicht auch, weil man verstärkt auf Ganzjahresschuhe, wie z.B. aus der Mountain Inspired Linie setzt. Dies sind vorrangig Travel-, City-, Alltags- und Urban- Outdoorschuhe. „Im Schuhfachhandel ist dies bereits ein sehr großes Thema, im Sportfachhandel findet ein Umbruch weg vom schweren, dicken Winterstiefel hin zum leichten aber robusten Ganzjahres-/Übergangsschuh gerade erst statt. Leichte Zuwächse sind jedoch bereits auch in diesem Segment erkennbar.“ Oder eben im Segment Sport, auch Viking`s Erfahrungen sind hier durchwegs positiv. „Im Bereich der Winterschuhe wird noch vermehrt ein Augenmerk auf spezielle Leistungsmerkmale gelegt, da Schnee und Eis von Schuhen auch besondere Eigenschaften abverlangen. Zwar geht der Trend auch hier in die Richtung einen Schuh für möglichst viele Einsatzmöglichkeiten zu haben, jedoch macht ein Allroundschuh immer Abstriche in Sachen Spezifikationen für bestimmte Einsatzarten. Mit modernen Technologien wie Gore-tex oder unserem UGC bieten wir zwar auch Modelle die nahezu jeden Einsatzbereich abdecken aber der Verbraucher legt dennoch großen Wert auf spezielle Modelle die auf die jeweiligen Bedürfnisse wie beim Trekking oder Wandern abgestimmt sind,“ Helma Tobies, Geschäftsführerin Viking Footwear GmbH.

Top-Thema Übergangsschuhe. „Wann hat jemand in Deutschland zuletzt einen echten Winterstiefel getragen? In unserem Breitengrad reicht ein minimal gefütterter oder mit einer warmen Einlegesohle ausgestatteter Schuh völlig aus. Meines Erachtens geht es in Richtung Übergangsschuhe,“ so der Kommentar von Martin Janda, der nicht ganz unberechtigt ist. Geht man vom letzten Winter aus - auf Grund milder Temperaturen zur Vor-Weihnachtszeit konnte bei den Kunden keine rechte Lust auf warme Winterschuhe und gefütterte Stiefel aufkommen – richtet der Fachhandel sein Sortiment und Augenmerk immer stärker in Richtung Übergangsschuhe. Diese lassen sich schon im September gut verkaufen und sind bei Durchschnittstemperaturen um die 10 Grad auch im November kein Fehler im Regal. Selim Say, Product Line Manager Keen EMEA: „Wir stellen einen eindeutigen Trend in Richtung Übergangs- bzw. Ganzjahresmodelle fest. Diese dürfen gerne wetterfest sein. Aber idealerweise will der Verbraucher denselben Schuhtyp von Ende August bis Ende Februar oder März tragen. Keen weitet den Bereich der vielseitigen Modelle daher schon seit einigen Saisons kontinuierlich aus. Für uns spielt die Dualität der klassischen Outdoor-Aktivität und des urbanen Lebensraumes eine zunehmend wichtige Rolle. Das zeigt sich beispielsweise auch in unserer Boulevard-Kollektion für H/W 17. In der Damen-Linie „Elsa“ gibt es vier unterschiedliche Modelle mit Isolierungen von 100 bis 200 Gramm.“

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Der Creston von Meindl aus der 365-Tage-Linie – das Lederfußbett kann für die kältere Jahreszeit gegen ein Fußbett aus echtem Lammfell ausgewechselt werden.
© Meindl

Meindl bietet, auch um dem Handel in schwierigen Übergangszeiten entgegenzukommen, die „365 Tage“ Serie an. Das Lederfußbett kann für die kältere Jahreszeit gegen ein Fußbett aus echtem Lammfell ausgewechselt werden. Gerade bei den immer häufiger werdenden unbeständigen Wintern sind diese Modelle perfekt geeignet, sowohl für den Alltag als auch für kleine Winterwanderungen. Das Modell Stowe (Lady) GTX ist bereits seit einigen Jahren fester Bestandteil der Meindl Winterkollektion und überzeugt mit seiner klassischen, zeitlosen Optik. Um noch mehr Auswahl bieten zu können, gibt es für die neue Saison das Modell Creston (Lady) GTX in jeweils zwei Farbkombinationen. Die Vibram Ice Trek Pro Sohle von Meindl gibt dabei hervorragenden Halt und dank Gore-Tex sind die Schuhe garantiert wasserdicht und atmungsaktiv. „Winterschuhe sind in erster Linie ein Saisongeschäft. Deswegen versuchen wir dem Handel mit einem Ganzjahressortiment entgegen zu kommen, das Gore-Tex gefüttert und wasserabweisend ist. Auf Grund der letzten Jahre sind oft Durchläufer gefragt, die man bei Bedarf aus dem Lager holen kann – gemischt mit neuen, innovativen Modellen, gelingt es dem Händler, Kompetenz zu zeigen und schnell zu reagieren,“ so Stefan Müller von Meindl.

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Neben winterfesten Modellen für Sie und Ihn gibt es bei Hanwag zudem eine spezielle Herbst Edition, eine Zwischenkollektion, die Ganzjahresschuhe beinhaltet.
© Hanwag

Der Traditionsschuster Hanwag interpretiert das Ganzjahresthema mit der „Full Edition-Linie“, Schuhe, die man das ganze Jahr über tragen kann. „Modelle, die 365 Tage im Jahr zum Einsatz kommen, sind Top-Seller, da sie wetter- und witterungsunabhängig funktionieren. Zudem sind Wanderschuhe im Handel die ganze Saison über ein Thema. Die Trek Light Modelle liefern wir bereits im Juli aus, das Sortiment punktet jedoch das ganze Jahr über. Trotzdem sind vor allem zu Beginn der diesjährigen Wintersaison auch die warmen Modelle recht gut angelaufen“, meint Jürgen Siegwarth von Hanwag. Auch bei AKU hat man entsprechend gehandelt und die Linie Sotto Zero (ital.: unter Null) vollständig durch die Mountain Inspired Linie ersetzt. „Typische, monosaisonale Winterstiefel gibt es daher bei AKU nicht mehr. AKU setzt in allen Sparten auf das Thema Übergangsschuhe – und das bislang sehr erfolgreich. Leichte Verschiebungen des Sortimentsabverkaufs sind lediglich modellreihenintern zu beobachten. War bisher der Bellamont Plus aus chrom- und schwermetallfrei gegerbtem Leder das Zugpferd, gefolgt von der Veloursleder-Variante Bellamont Suede GTX, wird nun vermehrt auf die robuste Variante Bellamont FG GTX mit Vollnarbenleder gesetzt. Auch dies ein klares Zeichen, dass robuste Ganzjahres-/Übergangsschuhe durchaus ein sehr weiter Markt sind und dem Trend Rechnung getragen wird.“

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Cold Weather Boots sind für Lowa die passenden Schuhe für ein lukratives Winter-Business bei jeder Wetterlage.
© Lowa

Wintertauglich statt kuschelig warm mit einem starken Fokus auf Funktion. Wie wird der nächste Winter? Wie soll ich einkaufen, wie mein Risiko minimieren? Diese Fragen stellen sich jedem Sportfachhändler in der Ordersaison aufs Neue. Lowa bietet mit seinen Cold Weather Boots genau auf diese Fragen starke Antworten mit einem sehr interessanten Konzept, das viel Spielraum für Flexibilität lässt. „Der Sportfachhandel sollte bei der Gewichtung seiner Einkäufe für den Winter diese Entwicklungen berücksichtigen. In Hamburg kann man sicher mit weniger Schnee rechnen als in München – auch wenn es Winter mit umgekehrten Verhältnissen gab. Doch die Frauen suchen in jedem Jahr nach Winterschuhen, die zum Mantel oder der Jacke passen, warm und wasserdicht sind. Und Lowa hat genau dafür mit seinen Cold Weather Boots die passenden Schuhe für ein lukratives Winter-Business bei jeder Wetterlage,“ heißt es seitens des Traditionsschusters aus Jetzendorf. Salomon reagiert ähnlich und hat sich auf Grund des milden Winters eine neue Strategie ausgedacht. „Bundesweit gesehen, stehen aufgrund der letzten milden Winter 3-Season-Modelleim Fokus. Der Vorteil für den Handel liegt auf der Hand: frühe Verkäufe und breiter Einsatzbereich,“ so David Gutekunst von Salomon. Im Fokus steht zudem ein Trend zur Funktion. So kombiniert der Bereich Winter Casual city-taugliche Looks mit geforderter Wintertauglichkeit: Isolation, Wasserdichtigkeit und spezielle Außensohlen für den Einsatz bei Kälte, Schnee und Eis. Der Bereich Winter Hiking wiederum bietet vollwertige Wanderschuhe mit geforderter Wintertauglichkeit. Das Highlight von Teva ist die Arrowood-Kollektion. „Wir haben sie diese Saison sehr gut im Handel platziert. Die Abverkäufe scheinen sehr vielversprechend zu sein, wie die ersten Resonanzen zeigen. Diese Kollektion wird für die kommende Saison weiter ausgebaut, da wir es hier mit Casual- und citytauglichen Schuhen zu tun haben, die auch in der Natur getragen werden können,“ so das Unternehmen.

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Kamik setzt schon seit langem – vor allem im Winter – auf das Segment Kinder.
© Kamik

Nicht zu unterschätzen: der Bereich Kinderschuhe! „Auch hier zeigt sich eine sehr positive Entwicklung mit Umsatzsteigerungen und guten Deckungsbeiträgen, oder anders gesagt: Kinder Cold Weather Boots sind derzeit ein sicherer Umsatzgarant. Früher gab’s in der Regel zur Einschulung im Hinblick auf den Herbst und den bevorstehenden Winter ein paar sog. „Übergangsschuhe“. Heute kaufen die Eltern für ihre Sprösslinge hochwertige, modisch-funktionelle Schuhe, möglichst mit einer Gore-tex Ausstattung. Schließlich sollen die Kinder auf dem Schulweg und beim Toben keine nassen und kalten Füße bekommen. Sollte es im Winter dann Minusgrade und Schnee geben, werden zusätzlich warme und wasserdichte Kinderstiefel gekauft. Auch die hat Lowa in seiner Kids Kollektion mit einem Design, das bei den Kids ankommt“, kommentiert Lowa. Eltern schwören auf Funktion. Top-Themen sind rutschfeste Sohlen, warmes Innenfutter oder die bewährte Gore-tex-Membran gegen Nässe! Der Navigator G von Kamik ist so ein wasserdichter Wanderschuh mit Gore-Tex-Membran für Kinder, der über die Knöchel reicht und somit den Fuß vor Umknicken bewahrt. Nylon-Mesh und Synthetikleder sind im Obermaterial verarbeitet, eine gepolsterte Zunge und Schaft beugen Druckstellen vor und sorgen für angenehme Passform. Die robuste Propel-Außensohle bietet den Kindern besten Gripp im Gelände. Praktisch: leichtes EVA-Fußbett und feuchtigkeitsregulierendes Futter.

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Die Spikes beim Modell Now4 von Icebug lassen sich ganz einfach an- und abmontieren und bequem in der Jackentasche verstauen.
© Icebug
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Emu zeigt modische Details, die bei Frauen ankommen.
© Emu

Frauen kaufen anders als Männer. Die Damen sind hierbei deutlich modischer ausgerichtet als die Herren. Sie wollen top-aktuell in den Winter starten. Derzeit gefragt ist viel Farbe in Kombination mit Tweed und einem warmen Kragenabschluss in Felloptik. Der Kuschelfaktor spielt eine große Rolle. Fällt tatsächlich Schnee, verstärkt sich dieser Aspekt natürlich spürbar. Entsprechend wurde der modische Bereich auch bei Lowa weiter ausgebaut. Denn es hat sich gezeigt, dass genau diese Modelle unabhängig von der Schneelage und den tatsächlich herrschenden Temperaturen in den Städten besonders stark nachgefragt werden und für steigende Umsätze sorgen. „Auch wenn wir unsere Kollektionen für den weltweiten Markt entwerfen, ist es uns als Marke sehr wichtig, der australischen Kultur treu zu bleiben“, so Paul Neate, Geschäftsführer von Emu Australia. Um den ursprünglichen australischen Charakter wiederzugeben, hat Emu Australia mit dem Künstler Zachary Bennett-Brook zusammengearbeitet. Dieser entwarf ein originalgetreues und von traditioneller Kunst geprägtes Design für die limitierte „Indigenous“-Kollektion. Der eigens für die Kollektion entworfene Print wurde für vier mit Schaffell gefütterte Modelle verwendet. Modisch und trotzdem funktionell sind die Modelle von Icebug – in Schweden dauert die rutschige Jahreszeit fast sechs Monate. Darum haben die meisten dort Spikesschuhe im Schrank. Für ein urbanes Umfeld und Regionen, in denen der Winter nicht ganz so hart ist, hat Icebug „Spikes für die Hand- und Jackentasche“ entwickelt. Bugweb in Verbindung mit dem Freizeitschuhmodell Now4 wurde sogar schon mit dem ISPO Award 2016 ausgezeichnet und ist nur erstmals auch im Handel erhältlich.

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Dachstein sieht im Frauensegment klar den Fokus auf modischen Elementen, wie Filz, Loden oder kuschelige Fell- oder Wolleinsätze.
© Dachstein

Wo geht die Reise im Winter jetzt eigentlich hin? „Gerade in der Outdoor-Branche braucht es im Bereich Footwear innovative Lösungen, um beim Endverbraucher Begehrlichkeit zu schaffen. Ein gutes Design ist dabei die Grundlage für Erfolg, innovative Lösungen machen den entscheidenden Unterschied aus. Wir erkennen außerdem einen Trend für Winterschuhe, die den passenden Style für das Büro oder einen Abend an der Bar bieten, ohne dabei auf gewohnte Funktionen aus dem Outdoor-Segment wie eine rutschfest Sohle oder eine wasserdichte Membran zu verzichten. Mit unseren Produktlinien Urban Outdoor und Alpine Lifestyle beiten wir Schuhe mit wahlweise modernem oder alpenländischem Design, die natürliche Materialien wie beispielsweise Loden und moderne Styles mit unserem Know-how aus dem Outdoor-Bereich verknüpfen. Function meets style – das ist unser Dachstein-Motto für alle unsere Alpine Lifestyle/Urban Outdoor Schuhe. Dem Motto „Unique Steps“ folgend möchte Dachstein so besondere Geschichten erzählen und zusammen mit seinen Kunden einzigartige Schritte gehen,“ heißt es von Dachstein. Innovative Lösungen zu bieten, zu diesem Schluss kommt auch Brigitte Wischnewski, Präsidentin des Bundesverbandes des Deutschen Schuheinzelhandels, im Rahmen der GDS: „Aufgrund des zunehmenden Wettbewerbsdrucks ist der Schuhhandel gut beraten, sich noch intensiver mit seinen Sortimenten, Lieferanten und der richtigen Gewichtung von Modetrends zu beschäftigen. Die GDS bietet hierzu und zu diesem frühen Zeitpunkt die besten Bedingungen. Ich kann meinen Kolleginnen und Kollegen im Schuheinzelhandel daher nur dringend empfehlen, sich in diesen drei Tagen ausreichend Zeit für die Kollektionen und für Lieferantengespräche zu nehmen.“

Rotzoll

Autor: Marcel Rotzoll

Stellv. Chefredakteur sportFACHHANDEL

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 15 / 2016