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Verbände-Appell: Keine Rabattschlachten mit neuer Ware!

  • Dienstag | 09. März 2021  |  13:06 Uhr
Um Schlangen vor Geschäften zu vermeiden appellieren mehrere Verbände an die Einzelhändler auf Rabattaktionen zu verzichten. Die Lage im Einzelhandel zeigt sich verschärft. Der Handelsverband HDE fordert bundesweit einheitliche Lösung zur Kontaktnachverfolgung und ruft Kunden zur Nutzung entsprechender Corona-Apps auf.
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Verbände bitten Händler auf Rabattschlachten zu verzichten.
© unsplash, Tamannna Rumee

Wenn die Textil-, Schuh- und Lederwarengeschäfte zumindest für Termin-Shopping wieder öffnen, sollten die Unternehmen unbedingt auf aggressive Rabattwerbung für neue Frühjahrsware verzichten. Denn sollten sich daraufhin Schlangen vor den Geschäften bilden, wäre das Wasser auf die Mühlen von Kritikern der beschlossenen Lockerungen, was weitere Öffnungsschritte schwieriger machen dürfte. Nicht zuletzt kann es sich der stationäre Mode-, Schuh- und Lederwarenhandel betriebswirtschaftlich gar nicht leisten, nach zwei katastrophalen Saisons erneut auf wichtige Renditepunkte zu verzichten!

BTE, BDSE und BLE appellieren daher an den Modehandel, jetzt keine größeren Rabattaktionen mit neuer Frühjahrs-Ware zu starten. Die drei Handelsverbände begrüßen deshalb ausdrücklich eine entsprechende Selbstverpflichtung der Initiative „Das Leben gehört ins Zentrum“. Darin bekennen sich über 50 große Unternehmen aus dem gesamten Handel zu ihrer Verantwortung im Hinblick auf die Pandemie-Bekämpfung und wollen sich daher bei der Wiedereröffnung mit Rabatten bis Ostern zurückhalten. Nach BTE-Recherchen gilt dies auch für die Phase der ersten leichten Lockerungen ab 8. März.

Lockdown-Verlängerung sorgt für Frust und Sorge

Die Bekanntgabe einer Verlängerung des Lockdowns bis zum 28. März bei gleichzeitigen ersten Öffnungsschritten bei niedrigen Inzidenzen hat die Erwartungen des Modeeinzelhandel enttäuscht. Trotz eindeutiger Belege, dass ein Einkaufen in Textil-, Schuh- und Lederwarengeschäften unter Einhaltung von Hygiene- und Abstandsregeln kein erhöhtes Infektionsrisiko darstellt, wurde die von der Mehrheit der Bundesbürger geforderte generelle Öffnung aller Geschäfte erneut verschoben. BTE-Präsident Steffen Jost: „Was uns die Politik vorgelegt hat, erfüllt unsere Forderungen bei weitem nicht. Weitere Modehändler werden so in den Ruin getrieben, weil die Politik immer nur auf die Inzidenzwerte schaut.“ Jost kritisiert dieses Vorgehen scharf, da die Zahlen aus dem Frühjahr 2020 gar nicht mehr mit den aktuellen Daten vergleichbar sind, weil mittlerweile viel mehr getestet wird. Sein Fazit: „Die Politik verhält sich gegenüber unserer Branche nach wie vor verantwortungslos.“

Tatsächlich profitieren viele Händler nicht oder kaum von den beschlossenen Lockerungen. Unternehmen in den wenigen Kreisen und Städten mit Inzidenzen unter 50 können zwar zufrieden sein, alle Händler in Gebieten mit einer Inzidenz von über 100 sind aber weiterhin Opfer einer verfehlten und mutlosen Corona-Politik. Und das bei einer Inzidenz zwischen 50 und 100 beschlossene Termin-Shopping ist längst nicht für alle Geschäfte hilfreich. Jost: „Für kleinere Geschäfte mit hoher Beratungsorientierung mag das ein sinnvoller Zwischenschritt sein, bei frequenzstarken Häusern liegen die Kosten des Termin-Shoppings vielfach aber über den zu erwartenden Umsätzen.“

Wie katastrophal die generelle Lage im Modehandel ist, belegen aktuelle Zahlen des statistischen Bundesamtes. Der Umsatz mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren brach im Januar um fast 80 Prozent gegenüber Januar 2020 ein. Für den Februar gehen BTE, BDSE und BLE von ähnlich hohen Einbußen aus. Jost: „Die Modebranche hat also nicht nur eine katastrophale Winter-Saison mit immer noch hohen Beständen unverkaufter Ware hinter sich, jetzt wird auch das enorm wichtige Vor-Oster-Geschäft massiv behindert oder sogar komplett sabotiert!“

Digitale Apps zur Nachverfolgung nutzen

Der Handelsverband Deutschland (HDE) spricht sich für eine bundesweit einheitliche Lösung zur Kontaktnachverfolgung, wie beispielsweise mit der Nutzung der Luca-App, aus und appelliert an die Kunden, die digitalen Möglichkeiten zu nutzen. Eine sichere Nachverfolgung von Kontakten per Smartphone mache das Einkaufen in der Pandemie noch sicherer.

„Um so schnell wie möglich wieder bundesweit das gewohnte Einkaufserlebnis bieten zu können, benötigen wir eine einheitliche Lösung für die Kontaktnachverfolgung. Mit einer ordentlichen Datengrundlage wird eine verbindliche Basis erreicht und ein Flickenteppich verhindert“, so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Wenn die Gesundheitsämter durch Unterstützung einer App noch besser in der Lage seien, entsprechende Kontaktnachverfolgungen schnell und zuverlässig umzusetzen, stellten die starren Inzidenzwerte keine absoluten Grenzen für eine Geschäftsöffnung mehr dar. Der HDE appelliert deshalb an die Kundinnen und Kunden, die digitalen Möglichkeiten zu nutzen, damit der Einkauf künftig so unkompliziert und angenehm wie möglich ist.

Für eine solch einfache und datenschutzkonforme Kontaktnachverfolgung sind bereits verschiedene Angebote vorhanden. Ein Beispiel ist das Luca-Prinzip: Jeder Laden hinterlegt digital seinen Standort und hängt einen QR-Code in sein Schaufenster. Der Kunde lädt sich die App auf sein Smartphone, hinterlegt seine Kontaktdaten, scannt den QR-Code und checkt so im Laden ein. Werden nun Infektionen mit dem Corona-Virus gemeldet, kann das örtliche Gesundheitsamt die Kontakte im Laden über das verschlüsselte System innerhalb kürzester Zeit nachverfolgen und Infektionsketten schnell unterbrechen.

Mit seinem Engagement für eine bessere Kontaktnachverfolgung bringt sich der HDE weiterhin aktiv für eine zeitnahe und komplette Öffnung aller Geschäfte unter Einhaltung von Hygiene- und Abstandsregeln ein. Genth: „Die Corona-Maßnahmen sollten sich nicht blind an symbolträchtigen Branchen wie dem Handel abarbeiten, sondern sich an der jeweiligen Infektionsgefahr orientieren.“ Der HDE verweist in diesem Zusammenhang auch auf die Einschätzung des Robert-Koch-Instituts, wonach die Infektionsgefahr beim Einkauf unter Beachtung von Hygienemaßnahmen niedrig ist. Zuvor hatte bereits eine Studie der Berufsgenossenschaft für Handel und Warenlogistik (BGHW) sowie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) deutlich gemacht, dass für die Beschäftigten im Handel kein erhöhtes Infektionsrisiko besteht.

Quelle: BTE, HDE

Ralf Kerkeling