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Umsatzgarant Wassersport

  • Astrid Schlüchter
  • Mittwoch | 22. März 2017  |  10:00 Uhr
Bereits auf der letzten OutDoor in Friedrichshafen wollte eine aktuelle Studie des BSI Klarheit in das wichtige Segment Wassersport bringen. Demnach kann sich der Sportfachhandel mit wenig Aufwand das ganze Jahr über Kunden in den Laden holen. Jetzt steht der Sommer an, wie sieht es aus mit dem Bereich Schwimmen & Co?

Text: Astrid Schlüchter

Das Thema Wassersport bietet dem Sportfachhandel das ganze Jahr hinweg ein starkes Potenzial. Das hatte nicht zuletzt bereits die im Sommer 2016 veröffentlichte BSI-Studie rund um den Wassersport ergeben. Nicht nur, dass sich Wassersportartikel saisonunabhängig konstant gut verkaufen lassen, das Thema sorgt für enorme Vielfalt und ist altersunabhängig optimaler Fitness- und Ausdauersport. Zumindest den Statistiken zufolge müsste jeder Sportfachhändler auch im Winter auf der sicheren Seite sein, der dem Segment nur genug Präsentationsfläche einräumt. Doch ist Wassersport im Handel nach wie vor oft eine klassische Sommersportart. Woran scheitern also Schwimmen, Aqua-Fitness, Bade-, Beach & Co in der Realität? „Sicher gibt es Händler, die das Potenzial der Kategorie Fitness-Schwimmen noch nicht ausschöpfen. Die Chance besteht unter anderem darin, dass die Kategorie als Ganzes noch nicht ausreichend präsentiert wird. Mit geringem Aufwand ist es möglich, sich als kompetenter Händler für den Ganzjahres-Sport Schwimmen zu platzieren. Wir können auf langjährige Erfahrung zurückgreifen, wie sich mit den richtigen Produkten und der richtigen Ansprache der Kunden gute Umsätze erzielen lassen. Unsere Konzepte, um einen höheren Bon zu erzielen, werden individuell angepasst und orientieren sich an den Gegebenheiten des Ladens“, erläutert Johannes Graff, Commercial Manager bei Speedo das Problem.

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Schwimmen steht hoch im Kurs: Als Ganzjahressportart sollte auch der Sportfachhandel dem Thema mehr Bedeutung schenken
© Thomas Pierre Schwab Photography

Doch, zäumen wir das Pferd von vorne auf. Dass Hersteller den Sportfachhandel Winter wie Sommer mit zugeschnittenen Aktionen, Präsentationshilfen, Schulungen und dem passenden Sortiment unterstützen, ist das eine. Doch, ist im Laden vor Ort die Nachfrage tatsächlich so hoch nach Schnorchel, Badeanzug & Co? Laut der BSI Studie von 2016 üben von den 500 befragten Konsumenten die meisten regelmäßig oder gelegentlich deutlich mehr als 20 Wassersportarten aus. Darunter auch sehr spezielle Disziplinen, die eher etwas für Spezialisten als für den klassischen Sportfachhandel sind. In der Studie kristallisieren sich deutlich vier Haupt-Wassersportarten heraus: Schwimmen, Baden/Strand, Schnorcheln und Aqua-Fitness, das weiter an Bedeutung gewinnt. Bewegung im Wasser ist in vieler Hinsicht dem Sport auf dem Trockenen überlegen. Da Wasser eine höhere Dichte als Luft hat, trägt es nicht nur einen Großteil des Körpergewichts und entlastet dadurch die Gelenke. Es fordert auch die Muskulatur zu einem höheren Einsatz heraus. Neben der Kraft in Beinen, Armen und Rumpf kann auch deren Beweglichkeit verbessert werden. Positiver Nebeneffekt: Die Elastizität der Gefäße nimmt zu. Das schützt vor hohem Blutdruck und vor Krampfadern. Daneben schrumpfen Ödeme, dicke Beine werden wieder schlanker.

„Schwimmen ist ein Ganzjahressport und gerade mit Hartware lässt sich vor allem in den vermeintlich schwachen Wintermonaten ein guter Umsatz generieren. Oftmals wird Schwimmen mit Bademode/Beachwear gleichgesetzt, die natürlich in der Gewichtung ganz klar ein Sommerthema bilden. Aber alle, die Schwimmen als Fitness- oder Gesundheitssport betreiben, tun dies in der Regel über die gesamten zwölf Monate im Jahr. Desweiteren gibt es auch keine Altersgrenzen, sondern Schwimmen ist in der Tat ein Sport für Jung und Alt, den Jedermann ganz nach den eigenen Fertigkeiten betreiben kann“, so Hendrik Ermer, Head of European Key Accounts bei Zoggs. So sieht zum Beispiel Alena Diduch, Brand Managerin von Prana in Deutschland, vor allem ein enormes Potenzial in der Vielfalt der Wassersportarten. „Prana kommt von der kalifornischen Küste, Wassersport in allen Facetten gehört zur Marke. Großes Potenzial sehen wir auch beim Thema Nachhaltigkeit bei Bademode, ein wachsender Anteil der Prana Swimwear wird beispielsweise aus recyceltem Polyester gefertigt.“

Wassersport ist für den Sportfachhandel ein sehr lukratives Segment. Dank seiner Vielseitigkeit und der Beliebtheit quer durch alle Altersklassen spricht das Sortiment eine sehr breite Zielgruppe an. Zusätzlich bietet es den Vorteil, dass das Segment weitgehend unabhängig vom Wetter das ganze Jahr über funktioniert. UND: Der Sportfachhandel ist immer noch die wichtigste Anlaufstelle für den Kunden, vorausgesetzt, Beratung und Sortiment sind auf die Nachfrage abgestimmt. „Wir legen mit unserem 3P-Konzept (3P = Präsentation, Profilierung, Profit) einen starken Fokus auf das Thema POS/POE in Verbindung mit einer optimierten und am Konsumenten orientierten Produktauswahl. Im Rahmen dieses Projekts haben wir unser Flächenkonzept Saison für Saison konsequent weiterentwickelt und den Bedürfnissen der Händler und Konsumenten angepasst. Das POS-Konzept, das dem Handel ab Frühjahr/Sommer 2017 zur Verfügung steht, besteht aus starken Visuals, die die Emotionalität auf der Verkaufsfläche erhöhen, sowie wichtigen Produktinformationen. Dadurch wird die Sichtbarkeit von Arena verbessert, für neue Impulse gesorgt sowie die Kundenfrequenz auf diesen Flächen erhöht. Um ausgewählten Händlern optimalen Support bei der Planung und Umsetzung der individuell anpassbaren Konzepte zu gewährleisten, arbeiten wir mit einer renommierten Agentur für POS-Marketing zusammen. Wir denken, das die Kombination aus Flächenkonzept und optimaler Produktauswahl unter Berücksichtigung strategischer Eckpreislagen der Schlüssel zu einer besseren LUG und höherer Profitabilität ist“, so Sören Geetz, Vertriebsleiter Arena Deutschland GmbH. Geetz ist zudem der Meinung, dass das Segment Schwimmen im deutschen Fachhandel immer noch stark unterrepräsentiert ist. Ein großer Fokus liege trotz starker Wetterabhängigkeit immer noch auf dem saisonalen Bereich Mode (Leisure & Beach). Studien wie beispielweise jene des BSI würden jedoch den Wert des Segments Schwimmen für den Handel deutlich unterstreichen. „Schwimmen ist ein Ganzjahressport und damit auch ein wichtiger Frequenzbringer. Händler, die ganzjährig auf das Segment Schwimmen setzen, können mit einer entsprechenden Auswahl und adäquater Präsentation eine starke Drehung mit hoher Profitabilität erreichen.“

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Speedo setzt auf emotionale Schwimmwelten, was sich auch inder Bildsprache am POS niederschlägt
© Speedo

Neben den klassischen Schwimmdisziplinen und dem Thema Bademode/Beach, gerät der Bereich Aqua Fitness immer stärker in den Fokus. Das Thema erlebt noch immer weltweit einen großen Zuwachs im Breitensport. Immer mehr Personen beiderlei Geschlechts aus allen Berufs- und Altersgruppen entdecken die nachhaltige Wirkung des Aqua-Fitness-Trainings. Es wird deshalb nicht ohne Grund als eine der gesündesten Sportarten bezeichnet. Aqua Fitness eignet sich hervorragend für alle Altersgruppen, sowohl für Breiten- als auch für Spitzensportler als Zusatztraining. Dank seiner umfassenden Therapiewirkung gewinnt Aqua Fitness auch hier immer mehr an Popularität. Kein Wunder also, dass Kurse in Schwimmbädern oft ausgebucht sind und die Zahl der Aqua-Fitness-Fans stetig steigt.

„Bewegung im Wasser – egal ob Schwimmen oder auch Aqua Fitness – gilt nicht nur als die gesündeste Sportart überhaupt, sondern ist zudem auch ein sehr gutes Rezept gegen Energiemangel, Müdigkeit, Lustlosigkeit und depressive Stimmungsschwankungen. Obwohl sich im Wasser alles relativ schwerelos und gar nicht so anstrengend anfühlt, sind beide Sportformen dennoch sehr intensiv wie effektiv und zudem gelenkschonend. Der Körper wird ganzheitlich trainiert, weil alle großen Muskelgruppen, der gesamte Bewegungsapparat, Herz und Kreislauf, Kondition, Beweglichkeit und Koordination im Wasser gefordert werden. Zudem werden viele Kalorien verbrannt, was sich wiederum positiv auf die Figur auswirkt. Noch dazu ist Schwimmequipment nicht teuer und fast jede größere Stadt bietet genug Wasserflächen an, um diesen Sport auch in den Wintermonaten betreiben zu können. Es ist ein Ganzjahressport mit geringem Wareneinsatz, einer sehr positiven Handelsspanne und geringem Risiko. Immer mehr Kurse werden im Winter in diesem Bereich angeboten und teilweise auch von den Krankenkassen gefördert, so dass die Nachfrage nach Swimwear in den Wintermonaten im Fachhandel auch gestiegen ist“, so Dominik Holzer, Sales Manager Aqua Lung. So gewinne laut Holzer auch das Thema Accessoires immer mehr an Bedeutung. Die Aufgabe des Sportfachhandels sei es aber, diese entsprechend zu vermarkten. „Vor allem die modebewusste Dame kleidet sich zunehmend nach dem „Head to toe“ Konzept – d.h. Frau kauft auch die passende Schwimmbrille zum neuen Schwimmanzug, auch wenn nicht unbedingt Bedarf dafür besteht. Die Trainings-Tools wie Flossen, Handpaddels und Polobretter haben wir aus dem Competition Bereich für den Fitness-Schwimmer umfunktioniert, da diese auch immer mehr von dieser Zielgruppe angefragt werden. z.B. ZipVX Flossen für ein effektives Beine/Po Training oder Handpaddels für ein gezieltes Oberarm-Training.“

Weil immer weniger Kinder richtig schwimmen lernen, richtet Zoggs mit dem Kinderkonzept „Stages of Development“ sein Augenmerk insbesondere auf den wichtigen Nachwuchs. „Diese „Stadien der Entwicklung“ basieren auf einem 3-Stufen-Programm von der Wassergewöhnung über das Schwimmenlernen bis hin zu sicherem Schwimmen, in dem die unterschiedlichen Produkte kategorisiert sind. Dies soll vor allem Eltern erleichtern, sich innerhalb des Angebots in diesem Bereich zurechtzufinden und das passende Produkt für das eigene Kind anhand der Fertigkeiten so wie Alter und/oder Gewicht zu finden. Desweiteren bieten wir dem Handel eigens angefertigte Display-Lösungen, um bestimmte Themen besonders hervorzuheben. Hier war Disneys „Findet Dorie“ der erste Ansatz für uns in Deutschland und wird sicherlich nicht der Letzte gewesen sein. Eben diese Lizenzprodukte machen es interessant für den Handel, auch im Kinderbereich hochwertige Produkte zu verkaufen und nicht auf den Billigartikel im 1-Euro-Bereich zurückgreifen zu müssen. Eltern sind sicherlich bereit, etwas mehr für Qualität auszugeben und Kinder lieben einfach die bekannten Charaktere auf unseren Produkten“, erklärt Hendrik Ermer. Deswegen möchte man gerade mit solchen Lizenzprodukten den Fachhandel davon überzeugen, sich intensiver mit Kindern als wichtige Zielgruppe zu beschäftigen und hier ein Sortiment aufzubauen.

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Neben Bekleidung sorgen auch Accessoires wie Schwimmbrillen oder Badekappen für Umsätze
© Arena

Speedo setzt beim Thema Schwimmen auf Emotionen, Visual Merchandising und lokale Marketing-Aktivitäten. „Über unser Testimonial Felix Neureuther, der Schwimmen in seinen Trainingsplan integriert, sprechen wir eine große Zielgruppe an und sorgen für zusätzliche Aufmerksamkeit“, so Graff.

Der Prana-Importeur Flashline verkauft die Swimwear-Linie seit Sommer 2013, sieht den Bereich als reizvolle Ergänzung für Prana-Händler, die ihren Kunden das „Rundum-Sorglos-Paket“ für Sommer- und Urlaubs-Aktivitäten wie Deep Water Soloing (DWS), SUP und natürlich Schwimmen und Surfen anbieten wollen. „Besonders gut kommt an, dass die Passform von Hosen und Oberteilen zu den Anforderungen im Wassersport passt und wir Oberteile und Hosen mit Lichtschutzfaktor anbieten. Wichtig sind auch, besonders für Frauen, feminine Schnitte und lifestylige Farben und Muster, damit der Bikini nicht nur beim paddeln gut sitzt, sondern auch am Strand toll aussieht,“ erklärt Alena Diduch. Dass die Repräsentanten auch für individuelle Absprachen sowie Wünsche zur Verfügung stehen, bei effektiver Shop-Gestaltung beraten und das Verkaufspersonal vor Ort schulen, sind zudem Maßnahmen, die den Fachhandel von der Wichtigkeit des Segments überzeugen und vor Ort bei der entsprechenden Präsentation helfen sollen. „So wird gewährleistet, dass unsere Partner im Handel auch über Ihre Ware Bescheid wissen. Dies wirkt sich ebenfalls abverkaufsfördernd aus.“

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Autor: Astrid Schlüchter

Redaktion Süd sportFACHHANDEL

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 05 / 2017