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Triathlon-Produkte: Dreifaches Potenzial

  • Andreas Mayer
  • Freitag | 05. September 2014  |  09:47 Uhr
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Beim Triathlon geht es auch mal querfeldein zur Sache. Höchste Anforderungen also für Läufer und Laufschuhe!
Was als Extremwettkampf auf Hawaii begann, ist längst zum Hobby für jedermann geworden: Triathlon. Im Laufsport-Business ist der spektakuläre Dreikampf aber immer noch eher eine Nische. Allerdings eine durchaus lukrative für Hersteller und Händler, die es richtig machen …

Als die beiden Amerikaner Jack Johnstone und Don Shanahan am 25. September 1974 in San Diego, Kalifornien zum „Mission Bay Triathlon“ aufriefen, war unter den insgesamt 46 Teilnehmern auch ein gewisser John Collins. Der US-Marineoffizier war fasziniert von dem Gedanken, einen Wettkampf wiederzubeleben, der in den 1920er Jahren in Frankreich unter dem Begriff „Le trois sports“ erfunden wurde: Nacheinander Schwimmen, Radfahren, Laufen in einem Wettkampf! Ausdauersport hoch drei. Nur etwas für wirklich Harte … oder für echte Eisenmänner, könnte man sagen …

John Collins wurde später auf Hawaii stationiert und gehörte dort zu den Initiatoren des ersten Hawaii-Ironmans 1978 – dem bis heute berühm-testen und spektakulärsten Triathlon der Welt. Wo sich früher noch ein kleiner Kreis von Extremsportlern maß, ist heute ein weltweites Qualifikationssystem nötig. Die Anzahl der Triathleten und die der Wettkämpfe hat sich vervielfacht. Alleine die Deutsche Triathlon Union (DTU) listet für 2014 über fast 400 Wettkämpfe auf. In Österreich sind es jährlich über hundert, in der Schweiz organisiert Swiss Triathlon Meisterschaften in den unterschiedlichen Bereichen und Distanzen.

Spätestens seit die Kurzdistanz in Sydney 2000 zur Olympischen Disziplin geworden ist, ist ein echter Breitensport daraus geworden. Egal ob in der Kurz, Mittel-, oder Langdistanz, im klassischen Ironman-Format oder den fast unmenschlichen Ultra-Thriatlons mit bis zu 20facher Ironman-Distanz – die Anforderungen an Mensch und Material sind bei jedem Wettkampf enorm. Durch den jungen und neuen Charakter der Sportart zeigte sich von Beginn an ein aufgeschlossener Umgang mit Neuerungen in der Material-entwicklung: So entwickelte sich der mittlerweile auch in anderen Sportarten übliche Neoprenanzug aus dem Triathlon heraus, wo seine funktionellen Eigenschaften insbesondere schwächeren Schwimmern helfen sollten. Carbon-Rahmen mit aerodynamischen Rohren und angepassten Geometrien, speichenreduzierte Hochprofilfelgen, Liegelenker, spezielle Trinkflaschenhalter und weitere Details wurden ebenfalls im Triathlon erprobt. Und auch im Schuhbereich wird für Triathleten gerne mal extra getüftelt.

Zu den führenden Herstellern gehören neben dem US-Laufsport-Riesen New Balance auch die erfahrenen asiatischen Sportschuster Asics und Mizuno. Ihr Vorteil: Sie können stets auf bereits erprobte Technologien aufbauen und genießen hohes Vertrauen beim Kunden. So hat New Balance beispielsweise seinen Lightweight-Trainer 890v4 für die Saison 2014 unter anderem mit völlig nahtfreiem Schaft und einer deutlich stärkeren Segmentierung der Laufsohle nochmals verfeinert. Die Basis bildet weiterhin die leichte und gut rückstellende REVlite-Zwischensohle.

Mit kleineren Spezialisten wie Scott, Zoot oder Saucony können Händler sich profilieren. Schwer im Kommen ist auch das Schweizer Label On. Ironman Weltmeister Frederik Van Lierde, Olympia Gold-Gewinnerin Nicola Spirig, fünf Weltmeister und mehr als 30 Top-Athleten gewinnen im Cloudracer Wettkämpfe in diversen Laufdisziplinen inklusive Bergmarathons. Der Cloudracer wurde außerdem von der Ispo zum besten Performance-Laufschuh erkoren und stand bereits auf mehr als 70 Sieger-Podiums.

Auch bei der Brooks Sports GmbH im westfälischen Münster setzt man auf das spezielle Marktsegment: „Triathlon wird immer mehr zu einem Breitensport, und davon profitieren wir auch als Marke“, erklärt Brooks-Mann Christian Wilbers. „Und der Bereich wird sich weiter positiv entwickeln, weil es einerseits immer mehr Möglichkeiten gibt für jedermann mitzumachen, die Kosten dafür aber sinken. Wir beobachten da eine ähnliche Entwicklung wie beim Marathon: Die breite Masse wächst im Vergleich zum Performance-Bereich überproportional.“

Wilbers weiß, was Triathleten brauchen: „Wir bieten mit unseren beiden Racer-Competition-Modellen ein hohes Maß an Atmungsaktivität, damit die Athleten schnell wieder trockene Füße bekommen, wenn sie aus dem Wasser kommen, ein geringes Gewicht, um die nötige Geschwindigkeit zu erzeugen und eine gute Dämpfung für längere Laufdistanzen.“

Spezielle Triathlon-Läden gibt es wenige. Zubehör wie elastische Schnürsenkel, Laufgürtel oder spezielle Startnummernhalter werden oft über das Internet verkauft. Der Löwenanteil des Schuhumsatzes läuft aber nach wie vor über die Schuhwand des traditionellen Laufshops. „Solange wir im stationären Fachhandel gut aufgestellt sind, sind wir beim Großteil der Triathleten auch präsent“, ist sich auch Brooks-Mann Wilbers sicher. Voraussetzung: Die Verkäufer müssen wissen, was sie tun. Wie zum Beispiel im Active Laufshop in Münster. Drei von sechs Verkäufern sind hier selbst aktive Triathleten oder Triathletinnen. Inhaber Achim Hauptmann führt so ziemlich alles, was das Herz des Triathleten höher schlagen lässt (ausgenommen Fahrräder). Mit Laufband-Analysen und Spezialsoftware und natürlich jeder Menge persönlicher Erfahrung wird hier dem Kunden geholfen. Dazu gibt es eine Laufschule und einen Runners Club sowie besondere Aktionstage, an denen der Spezialist immer wieder das neueste Equipment fachkundig vorstellt. Andreas Mayer

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Lukratives Zusatzgeschäft: Triathleten haben einen großen Bedarf an Zubehör und Accessoires.
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Autor: Andreas Mayer

Chefredakteur sportFACHHANDEL / Wanderlust / SkiMAGAZIN