Donnerstag | 07. Januar 2016  |  11:23 Uhr

Triathlon: Erfolgreicher Power Mix!

So viel ist sicher: Man muss nicht unbedingt ein Ironman sein, um Gefallen an einem Triathlon zu finden. Der Power-Mix aus Laufen, Schwimmen und Radfahren ist mittlerweile zu einem angesagten Lifestyle geworden – das Image des Triathleten hat sich gewandelt ... und das ist inzwischen auch im Sportfachhandel angekommen.

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Schwimmen, Radfahren & Laufen – der Mix kommt an, das wissen inzwischen auch Hersteller und Sportfachhandel.
© Arena

Text: Astrid Schlüchter

Mehrkampf ist eine der gesündesten Sportarten überhaupt: Neben der Tatsache, dass er das Herz-Kreislauf-System und somit die Ausdauer äußerst effektiv trainiert, sorgt der Wechsel zwischen den drei verschiedenen Disziplinen Schwimmen, Radfahren und Laufen für eine ausgewogene Beanspruchung des gesamten Muskelapparates – und das bei geringer Belastung der Gelenke. Das perfekte Training also, um Figur und Kondition in Topform zu bringen. Eine Einstiegshürde gibt es praktisch nicht, denn Laufen, Radfahren und Schwimmen kann fast jeder und überall. Für Sportmediziner und Sportwissenschaftler gilt gemäßigtes Triathlontraining sogar als optimale Gesundheitsvorsorge.

Durch das abwechslungsreiche Training wird der gesamte Körper beansprucht. Wer sich auf längere Distanzen vorbereiten will, sollte aber zunächst einen Rundum-Check beim Hausarzt machen. Marcus Voss, Sales-Director K2 Sports Europe, dazu: „Jedermann-Triathlons werden immer beliebter, vor allem über die Sprint und Olympische Distanz wachsen die Finisher-Zahlen. Bei den Messen auf großen Veranstaltungen ist die Nachfrage nach Triathlon-Einteilern und Zweiteilern groß – größer als nach Laufschuhen, denn die haben die Jedermänner meist eh schon im Schrank. Momentan führen hauptsächlich Tri-Spezialisten sowie einige Rad- und Laufsporthändler ein Triathlon-Segment. Der klassische Sportfachhandel sieht die Nachfrage aktuell meist nicht. Nur wenige Händler bieten Triathlon-spezifische Kleidung an. Dabei könnte er sehr unkompliziert mit wenigen Zusatzteilen wie Triathlon-Anzug, Short, Tank, Neoprenanzüge im Einstiegsbereich auf die steigende Nachfrage reagieren.“

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Markus Voss

Auch die Sportartikelindustrie erkennt den neuen Spaß am Dreifach-Sport. Noch nie war die Auswahl an Schuhen, Bekleidung und entsprechendem Equipment derart groß. „Mit wachsender Beliebtheit steigen natürlich die Nachfrage und damit auch die Relevanz für den Sportfachhandel. Insbesondere für Händler, die bereits einen starken Fokus auf Laufsport und das Schwimmen legen“, so Sören Geetz von Arena „Triathlon ist eine der vielseitigsten Sportarten überhaupt. Durch unsere Partnerschaft mit der Deutschen Triathlon Union (DTU) unterstützen wir die Nationalkaderathleten Deutschlands mit Trainings- und Wettkampfschuhen auf ihrem Weg zu den Olympischen Spielen in Rio 2016. Unser Ziel ist es, gemeinsam mit der DTU den Ausdauersport noch mehr in das Interesse der Öffentlichkeit zu rücken. Der Sportfachhandel gibt ein ähnliches Bild wieder: Unsere Wettkampfschuhe wie etwa der „Type A“ oder der „Fastwitch“ sind sehr gefragt. Vor allem kompetente Fachhändler schätzen unsere langjährige Erfahrung und unser technisches Know-how auf diesem Gebiet, da wir so immer wieder neue Impulse im Running-Markt setzen“, so Mika Froesch, Saucony Country Manager für Deutschland, Österreich, Schweiz und Polen. Das sieht Hansjörg Hörmann, Brand Manager 2XU (Two times you), ähnlich: „Für uns ist klar: Triathlon bleibt einer der interessantesten und vielseitigsten Trends im Sport. Triathlon-Veranstaltungen sind nach wie vor immens beliebt. Die breite Masse findet bei Volkstriathlons, Staffeln und den Olympischen Distanzen die passende Herausforderung und es kommt zum Jedermann-Effekt. Auch bei den Langdistanzen hält der Boom an. Es gehört mittlerweile für viele Menschen zu den angestrebten Lebenserfahrungen, bis an die persönlichen Grenzen zu gehen und sogar darüber hinaus.“

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Hansjörg Hörmann

Kompetente Beratung wird gesucht – der Fachhandel profitiert: „Neueinsteiger in der Szene wollen fachkundige Beratung haben“, weiß Patrik Behrens vom Spezialisten Rad und Tria (Karlsruhe). Immer mehr Sportler würden sich diesem abwechslungsreichen Ausdauersport widmen. Darunter sind Schön-Wettersportler und nach wie vor Leistungssportler. Das Alter kennt nach oben kaum Grenzen. Viele hätten bereits vorher die eine oder andere Sportart intensiv betrieben. Rad und Tria ist seit über 20 Jahren in der Szene bekannt und hat sich einen festen Platz auch über die Stadtgrenze hinaus erkämpft. Die Wachstums-Chanchen seien weiterhin da, meint Behrens, auch im Bereich Bike gehe es alljährlich nach oben. Bei Sport Ruscher (München) ist der Kundenstamm sehr gemischt. Klassischerweise kommen über 30-Jährige am häufigsten neu zum Triathlon. Manche wollen erst einen Marathon schaffen, andere steigen gleich um. Zur Stammklientel gehören jedoch die langjährigen Triathleten. Diese Kunden würde man auch pflegen, meint Klaus Ruscher. Die stärksten Zuwächse ergeben sich dabei im Schuhsektor. Daraus nähren sich die Sportler. Einiges an Spezialausrüstung müsse man ebenfalls führen. Der Bereich Textil ist witterungsabhängig und verzeichnet unterschiedliche Zuwachsraten. Eine Abwanderung der Kunden zu anderen Ausstattern oder gar Billigheimern, die zwischendurch auch mal Lauftextilien und Bikeausrüstung anböten, fürchtet der Münchner Spezialist allerdings nicht. Man sei als Fachhändler groß geworden und werde auch so gesehen, freut sich der Händler. Auch im Lauf-Laden von Frank Lehmann (Erfurt und Jena) gewinnt Running immer mehr an Bedeutung. Die Szene wächst, die Zahl der Veranstaltungen nimmt zu. Die Anbindung an Vereine zahlt sich jedenfalls aus. „Man könnte noch mehr im Bereich Schulsport machen“, meint ein Mitarbeiter. Man arbeite auch mit Herstellern zusammen und biete immer wieder Schnupperkurse. Laufen und Biken ist Trend und den einen oder anderen zieht es bereits zum Triathlon. Immer mehr Kunden wollen keine Beratung oder Produkte von der Stange, sondern suchen dafür die Unterstützung des Experten. „Das ist eindeutig spürbar, die Leute wollen sich beim Fahrradfahren und Laufen etwas Gutes tun“, wissen versierte Händler.

Doch, wo geht der Trend hin? Was punktet, wenn es ums Laufen, Schwimmen und Radfahren geht? „Im Trend liegen leichte, aerodynamische Produkte. Die Fahrradindustrie gilt hier als Vorreiter: Im Profibereich setzen bereits viele Fahrer auf Aero-Helme, -Räder und -Bekleidung. Die Ergebnisse im Windkanal sind überzeugend. Im Freizeitbereich erwarten wir eine stärkere Nachfrage nach den Aero Skinsuits – auch wegen der Optik. Stark im Kommen sind Trisuits mit Ärmeln. Immer mehr Profiathleten nutzen diese und auch Jan Frodeno trägt einen solchen Ein-teiler aus unserem Haus“, so Marcus Voss. Der „2XU Elite Compression Trisuit“ mit Kompression und kühlendem Ice-X-Material wird jedoch auch satte 230 Euro kosten. Das Top-Model „2XU Project X Trisuit“, das Jan Frodeno nutzt, verwendet zudem die Muscle Containment Stamping Technologie, bei der kraftvolle Aufdrucke auf dem Material genau definierte Muskelzonen umschließen. Ein Highlight von Zoggs für 2016 ist die erste rahmenlose Schwimmbrille „AquaFlex“. Zoot präsentiert den „Makai“, einen Wettkampfschuh oder Light Trainer für Läufer und Triathleten, der sich dank seines Sohlenaufbaus für ein breites Spektrum an Läufen eignet. Der Neutralschuh wiegt nur 265 Gramm und mag trotzdem auch längere Strecken. „Bei Arena entwickeln, optimieren und testen wir alle Wettkampfprodukte gemeinsam mit unseren Athleten – das gilt natürlich auch für unsere Triathlon-Range. Bedingt durch unser Know how im Schwimmen setzen wir neben einer optimalen Passform auf innovative Materialen wie z.B. Powerskin Carbon,“ so Sören Geetz, Vertriebsleiter Arena Deutschland GmbH. Auch Damen-Triathlons gewinnen an Bedeutung und Hersteller erkennen das bereits. Odlo beispielsweise ist aktueller Mitausrüster und Veranstalter des »Ladies Tri« im öster-reichischen Podersdorf und kann sich entsprechend in Szene setzen. Ebeno der Handel, der sich über die hohe Nachfrage freut. Auch für den Stubenberg-Triathlon ist das Starter-Potential noch nicht ausgereizt, bald sollen es sogar 1000 Teilnehmer werden. Die Kapazitäten seien vorhanden, meldet der Veranstalter Johann Lidner, der auch mit örtlichen Sporthändlern zusammenarbeitet.

Schlüchter

Autor: Astrid Schlüchter

Redaktion Süd sportFACHHANDEL

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Freie Journalistin +++ zuvor u.a. Redakteurin Schuhkurier, Skipresse, ispo_news, MOC Magazin u.a., PR-Beraterin im Mode- und Sportbereich (div. Agenturen), Modeschule ESMOD (München) +++ Persönliche Interessen: Klettern, Biken, Snowboarden +++ Mein liebster Sportplatz: die Region rund um den Kronplatz in Südtirol +++ Da geht mir das Herz auf: momentan beim E-Mountainbiken :):)

Autor: Nicolas Kellner

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 11 / 2015