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Trendreport Winter: Splitboards - zweigeteilt erfolgreich

  • Astrid Schlüchter
  • Freitag | 28. Dezember 2018  |  10:09 Uhr
Erste Splitboards gab es bereits Ende der 80er Jahre. Die teilbaren Snowboards setzten sich jedoch nicht durch, denn damals galten die Bretter zum Zusammenklappen auf dem Markt noch als Exoten. Mit der wachsenden Nachfrage nach Produkten für das Tourenskisegment ist jedoch auch das Interesse nach passendem Equipment für Snowboarder gestiegen.
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Das Splitboarden gewinnt immer mehr Anhänger – demenstprechend rüstet die Snowboardbranche mit passenden Produkten auf.
© Splitboards Europe

Sind Splitboards weiter auf dem Vormarsch? In jedem Fall sind sie heute technisch ausgereifter und vor allem leichter. Das führt auch dazu, dass sie nicht mehr nur von Spezialisten genutzt werden. Dass immer mehr Wintersportler zu den teilbaren Brettern greifen, liegt wohl auch am wachsenden Trend abseits voller Pisten und teurer Liftpässe, im Backcountry beim Tourengehen das Gefühl von Freiheit zu genießen. Dies war lange nur den Skifahrern möglich, außer man nimmt den anstrengenden Aufstieg mit Schneeschuhen und Snowboard auf dem Rücken in Kauf.

Simon Graf, Gründer von Splitboards Europe, hat den Splitboard-Markt seit den Anfängen mitverfolgt. Auf seinem Online-Versandhandelsportal verkauft er nicht nur Produkt-Highlights namhafter Hersteller, er sorgt auch mit seinem kompetenten Team für die passende Beratung und bietet regelmäßig Schulungen und Testaktionen in Form von Camps an. Wie sieht er die Entwicklung? „Nach der Pionierphase um die Jahrtausendwende, in der wir bereits mit europaweitem Shop und Camps stark am Aufbau der Szene mitgewirkt haben, entstand ein Trend mit stetig steigender Nachfrage bis in die 10er Jahre. Die Themen Freeride und Backcountry wurden seitdem immer stärker aufgegriffen. Auf dem Peak meinte jeder Snowboardhersteller, sein Freeride-Modell splitten zu müssen, um auch bei der zahlungskräftigen Zielgruppe mitzumischen. Hier hat sich der Markt wieder bereinigt. Zum einen da deutlich wurde, dass mehr Technologie dahintersteckt als einfach ein Board zu teilen. Und zum anderen, weil das passende Zubehör auch unter Extrembedingungen funktionieren muss. Inzwischen ist die Kurve abgeflacht und hat sich auf einem gesunden Niveau der leicht steigenden Nachfrage eingependelt.“

Graf führt jedes Jahr bei Camps über 200 Snowboarder ans Splitboarden heran – u.a. auch für den Deutschen Alpenverein, und veranstaltet eines der größten Testevents mit über 100 Splitboard-Modellen, das Climb the Mountain. Für Gregor Common, Head of Sales der Amplid GmbH, wächst das Segment nach wie vor, es bleibt jedoch die Frage wie lange noch. „Momentan generieren wir unseren Umsatz zu ca. 40 Prozent mit Splitboards. Ich sehe jedoch ein großes Problem auf uns zukommen, ähnlich wie bei allen anderen gefragten Boardsportarten, man denke nur an den Longboard-Boom, scheint der Handel mehr Produkte anzubieten, als vom Konsumenten am Ende gefordert werden. Zudem kommt es kurz über lang zu einer „Zwei-Klassen-Mentalität“, heißt, es würden entweder extrem hochpreisige Produkte auf den Markt geworfen, oder Billigware angeboten. Gute Qualität kostet jedoch ihren Preis.“ Viele Marken ohne tatsächliche Touren-DNA würden beim Splitboard-Thema mitmischen wollen, ohne jedoch entsprechendes Know-how mitzubringen. „Das birgt auch Gefahren. Unfälle vermehren sich, weil es oft an der entsprechenden Aufklärung fehlt. Jeder, der eigenverantwortlich auf einen Berg wandert, muss sich der Gefahren, die das Tourengehen im freien Gelände mit sich bringt, bewusst sein.“

Hier kommen die großen Verbände mit ins Spiel. Snowboardbergsteigen ist inzwischen sowohl beim DAV als auch beim ÖAV ein wichtiges und vor allem generell akzeptiertes Thema. Graf hat mit dem DAV sogar Module für die Ausbildung „Winterbergsteigen mit dem Splitboard“ entwickelt. In Grund- und Aufbaukursen werden Alpenvereinsmitglieder zu eigenverantwortlichen Tourengehern ausgebildet. Dazu gehört auch Lawinenkunde, samt LVS-Geräteschulung. „Nachdem es einen eindeutigen Trend in Richtung Tourengehen und Freeriden gibt, gewinnt das Thema deutlich an Relevanz. Allgemein suchen die Menschen immer individuellere Erlebnisse in den Bergen, dies bringt oft auch ein höheres Risiko mit sich, damit steigt auch der Bedarf an passenden Lösungen“, so Michael Vogt von ABS.

Ganz klar, Fachhändler stehen hier in ihrer Beratungs- und Aufklärungspflicht. Ganz nebenbei können sie sich mit Kompetenz und entsprechendem Know-how von der Konkurrenz abheben. UND: Immer mehr Frauen haben das Segment für sich entdeckt. Seit ein paar Jahren sind Splitboards endlich so weit entwickelt, dass man kaum noch einen Unterschied zu einem normalen Snowboard feststellen kann. Seitdem haben Hersteller sich auch der wachsenden weiblichen Zielgruppe angenommen und Boards entwickelt, die speziell für Frauen gebaut sind. „Das stetige Wachstum hat auch dazu geführt, dass Kunden immer mehr Auswahl in diesem Bereich finden. Inzwischen gibt es von vielen Herstellern extrem gute Bindungssysteme in verschiedenen Preiskategorien, samt einer Bindung für Hartboots. Zudem bieten fast alle großen Splitboardmarken wenigstens ein spezifisches Frauenmodell an, wir werden in der kommenden Saison sogar drei davon im Programm haben“, erklärt Seth Lightcap, Global Marketing Director bei Jones Snowboards.

Auch Graf findet, dass heute jeder sein ganz individuelles „Lieblings-Splitboard“ finden kann: „Die Entwicklung ist einerseits weit fortgeschritten und bietet diversifizierte Produkte und verschiedene Systeme, so dass jeder fündig wird – egal ob Mann oder Frau. Es ist auch keine Neuheit mehr, dass gute Splitboards das gleiche Fahrfeeling bieten wie Snowboards. Da wir jede Saison viele praktische Erfahrungen mit Produkten machen, kann sich der Kunde auf die qualitative Auswahl in unserem Shop verlassen und findet mit unserer Kaufberatung garantiert ein Set für seine Ansprüche.“ Das bestätigen auch die Experten bei Burton: „Neben den Fahreigenschaften  und dem Gewicht der Boards spielt die Benutzerfreundlichkeit des Systems die größte Rolle. Alles muss als Einheit funktionieren. Durch gezielte Kooperationen und stetige Produktentwicklung konnten wir den Komfort in den letzten Jahren entscheidend erhöhen.“ <<<

Astrid Schlüchter

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Autor: Astrid Schlüchter

Redaktion Süd sportFACHHANDEL