Sonntag | 18. Juni 2017  |  10:53 Uhr

Trend Trailrunning: Querbergein

Das Thema Running ist im Sportfachhandel ein Dauerbrenner. Inzwischen wagen sich Läufer jedoch immer häufiger weg vom Asphalt rein ins Gelände. Warum? Weil das Training abseits der Straße schnell zum spannenden Outdoor-Abenteuer wird.

Text: Astrid Schlüchter

Neben dem Wandern zählt Trailrunning heute zu einer der beliebtesten Outdoor-Aktivitäten. Vielleicht auch deswegen, weil das Laufen über Stock und Stein viel Abwechslung in das tägliche Training bringt. Neben dem vielfältigen Untergrund spielen Steigungen, Gefälle, Höhenmeter und Hindernisse eine wichtige Rolle bzw. machen den Traillauf erst richtig spannend. Ganz klar, dass sich auch der Sportfachhandel verstärkt auf das wichtige Thema konzentriert und teilweise sein Sortiment entsprechend umgestellt hat. Trotz allem steht der Sport immer noch in den Startlöchern, vielleicht auch deswegen, weil vorzugsweise gut trainierte Läufer beim Trailrunning eine spannende Herausforderung finden. Ungeübte sollten mit Vorsicht an die neue Disziplin herantreten, denn Rumpf- als auch Beinmuskeln werden extrem beansprucht und es kann dadurch schnell zu Verletzungen kommen. „Trailrunning ist immer noch ein Thema, dass in der Lauerposition steht, jedoch nie wirklich den kompletten Durchbruch schafft. Viele Marken decken dieses Segment zwar ab. So richtig prominent wird das Thema von Salomon gespielt. Demzufolge ist Salomon mit dem Speedcross der absolut dominante Player am Markt. Trailrunning ist eine coole Abwechslung zum „normalen“ Laufen, ob es eine Massenbewegung werden wird, sei dahin gestellt“, so Paul Schmitt, Category Marketing Manager bei Sport Scheck. Dazu passt auch der Kommentar von Ralf Schön, Asics: „In der Spitze wird sich das Thema sicher mit sehr speziellen Anforderungen und sehr überschaubarem Zielpublikum entwickeln. In der Breite jedoch mit viel Potential. Immerhin sagen eine Vielzahl der Läufer, dass sie auch abseits befestigter Wege unterwegs sind. Da ist noch Luft nach oben, weil sich der Anteil von Trailschuhen im Gesamtmarkt stabil im Bereich von 17 Prozent bewegt. Ein geländegängiger Zweitschuh anlog zur „Winterbereifung“ wäre dabei der Grundgedanke. Asics wird das Thema Trailrunning im Winter 18 mit einem innovativen BOA Schnellverschlusssystem aufgreifen und beleben.“

Scott

© Scott

Scott
Das 2-in-1-Shirt aus der Kinabalu-Kollektion von Scott wurde durch die verscheidenen Klimazonen, die auf dem legendären Mount Kinabalu herrschen, inspiriert.
© Scott

Viel Potenzial also beim Trailrunning, dem die OutDoor nun erstmals eine eigene Halle widmet. Man ist sich sogar sicher, dass es in Zukunft eine Verschmelzung der beiden Kategorien Running und Trailrunning geben wird. „Deshalb haben wir auf der diesjährigen OutDoor erstmals ein ‚Running Center‘ eingerichtet“, erklärt OutDoor-Bereichsleiter Stefan Reisinger. Damit liegt die Messe im Trend. „Running ist ein Dauerbrenner und für uns spielt dabei Trailrunning eine besonders wichtige Rolle mit tollem Entwicklungspotenzial im Handel. In 2018 steht für uns das Erlebnis für den Konsumenten im Vordergrund. Das bedeutet, dass wir Maßnahmen umsetzen werden, die dem Endkunden über ein hochwertiges Produkt hinaus einen Mehrwert für seine Freizeitaktivitäten vermitteln“, so Niklaus Roschek, Running Marketing Coordinator bei Scott. Und weiter: „Der größte Teil des Marktes ist im klassischen Straßenlauf verortet, daher braucht der Handel eine entsprechende Produktvielfalt in diesem Bereich. Für uns ist allerdings die Sparte Trailrunning wichtiger – das spiegelt sich auch in unserer Schuh-Kollektion mit rund 75 Prozent Trail- und einem Viertel Straßenlaufschuhe wider. Für Trailrunning braucht man nicht zwingend hohe Berge, darum möchten wir daran arbeiten, auch in anderen Regionen Trailrunning voran zu treiben. Unsere Kinabalu-Kollektion ist genau darauf abgestimmt.“

Eine wichtige Grundvoraussetzung sind spezielle Schuhe mit gutem Grip, um festen Halt auf den verschiedenen Unterlagen zu gewährleisten. Die Schuhe sollten dabei auch vor Nässe schützen und sicherstellen, dass bei steinigem Untergrund dieser nicht durch den Schuh zu spüren ist. „Beim Thema Trailrunning spielt das Thema Grip eine große Rolle, aber auch ein gewisses Maß an Stabilität. Zudem sollten die Schuhe im Bereich Dämpfung und Komfortempfinden dem entsprechen, was der Straßenläufer vom klassischen Laufschuh gewohnt ist. Aus diesem Grund verwenden wir bei einigen unserer Trailrunning-Modelle („Sense Ride“) auch die Technologien, die wir im Straßenlaufschuh verwenden (z.B. Anti Vibration). Im Roadrunning-Bereich haben wir mit unserer Anti Vibration-Technologie und dem Thema „Geometric Decoupling“ eine eigene Aussage zum Thema Roadrunning. Wir setzen den Schwerpunkt darauf, mit unseren Produkten eine natürliche Bewegung des Fußes zu ermöglichen. Mit unserer speziellen Bauweise der Zwischensohle (Anti Vibration-Technologie) gelingt es, Vibrationen, die bei jedem Schritt auf den Körper einwirken, zu reduzieren und somit Ermüdungserscheinungen vorzubeugen“, so Michael Krell, Commercial Manager Salomon Footwear. Bergausdauer-Spezialist Dynafit präsentiert mit dem Speed MTN Transalper einen robusten, extrem leichten und gleichzeitig komfortablen Schuh für alpines Terrain. Erstaunlich leichte 390 Gramm bringt der stabile Allrounder für schnelle Berganstiege oder Gipfelüberschreitungen auf die Waage. Die Sohle überzeugt durch ein ausgewogenes Verhältnis von Grip und Traktion, wodurch sowohl auf Fels als auch auf weichem Untergrund perfekter Halt und Bodenhaftung sowie ein dynamischer Bewegungsablauf gewährleistet sind. Scott bietet einerseits sehr technische Produkte: vom Shirt, das zwei unterschiedliche Materialfunktionen hat, je nachdem welche Seite man nach innen trägt, bis zum Kinabalu Power, einem Trailrunning-Schuh mit einem neuen Stabilisierungskonzept. Laut Scott spielt jedoch auch auf dem Trail der modische Aspekt eine wichtige Rolle. Denn letztendlich geht es darum, mit diesen Produkten möglichst viel Spaß zu haben und dabei gut auszusehen. Mit Montrail als Submarke möchte Columbia sein Know-how im Trailrunning weiter ausbauen – das Ergebnis ist eine Kollektion aus Laufbekleidung und technischen Schuhen. Der erhöhte Fokus auf die Trailrunning-Kategorie folgt einer mehrjährigen Partnerschaft mit dem Ultra Trail du Mont Blanc, einem der größten und anspruchsvollsten Ultra-Läufe der Welt.

Trend hin oder her, ist das Thema, ähnlich wie beim Thema Skitouring, am Ende nicht immer noch ein Nischensegment und deswegen auch zu speziell für den Sportfachhandel? „Es freut uns natürlich zu sehen, dass die breite Masse den Sport entdeckt hat, jedoch gilt unser Hauptfokus in der Produktentwicklung immer noch den Mitgliedern unseres Teams. Ihre Inputs gepaart mit unserem technischem Know-how bringen uns dazu, neue Maßstäbe zu setzen und dadurch gleichzeitig hoffentlich den Trend andauern zu lassen“, so Hannes Oehler, Area Sales Manager D/AUT/Eastern Europe, La Sportiva. Für Mathias Schulz, Leiter der Sportmarke CEP der Medi GmbH aus Bayreuth, ist Trailrunning schon immer eine Fortentwicklung des Läuferanspruches nach neuen Grenzen gewesen: „Viele Trailläufer kommen aus dem klassischen Running und haben mit dem neuen Bereich nur ihr Terrain erweitert. Wer hier noch nicht an seinem persönlichen Limit angekommen ist, versucht sich gerne an anspruchsvolleren Zielen, wie bei Ultraläufen oder anderen Extremen."

Schlüchter

Autor: Astrid Schlüchter

Redaktion Süd sportFACHHANDEL

(+) Mehr
(–) Weniger

Freie Journalistin +++ zuvor u.a. Redakteurin Schuhkurier, Skipresse, ispo_news, MOC Magazin u.a., PR-Beraterin im Mode- und Sportbereich (div. Agenturen), Modeschule ESMOD (München) +++ Persönliche Interessen: Klettern, Biken, Snowboarden +++ Mein liebster Sportplatz: die Region rund um den Kronplatz in Südtirol +++ Da geht mir das Herz auf: momentan beim E-Mountainbiken :):)

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 08 / 2017