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Stabile Umsätze, wenig Risiko: Ganzjahressport Schwimmen

  • Andreas Mayer
  • Samstag | 27. Dezember 2014  |  08:52 Uhr
Schwimmsport wird im Winter gerne vernachlässigt. Doch egal von welcher Seite man es betrachtet, das Schwimmen bahnt sich immer verlässlich seinen Weg.
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© © Camaro

Die nüchternen Zahlen belegen es. Um die sechs Prozent Wachstumsrate hat das Marktsegment Schwimmen momentan jährlich. Tendenz steigend. Das Schwimmen rangiert damit direkt hinter der Running- und Walkingfraktion. Vor allem das Fitness-Schwimmen ist ein Thema, mit dem sich im Handel Geld verdienen lässt. Die Chance bestehe vor allem darin, meint zumindest Dirk Ostertag, Commercial Manager bei Speedo, dass die Kategorie im Winter nur spärlich oder überhaupt nicht in den Regalen stattfindet. Das liege daran, dass Schwimmer im Gegensatz zu Läufern oder Radfahrern im Bewusstsein nicht sichtbar sind. Von Schwimmern, die morgens um sechs Uhr ihre Bahnen ziehen oder spät-abends in der Halle trainieren, nehme kaum jemand Notiz. Dabei bringt auch gerade diese Zielgruppe die Umsätze in den Laden. Denn wie ein Läufer sich mit mehreren Schuhen eindeckt, will auch der Schwimmer nicht immer im gleichen Outfit ins Becken springen. Nur wird das darin steckende Potenzial auch durch die Vermischung mit Bade- und Beach-Textilien nur gering ausgeschöpft.

Badeanzug kontra Schwimmanzug? Im Grunde genommen überhaupt nicht. Denn beide haben völlig verschiedene Aufgaben. Der leicht wärmende, dehnbare Badeanzug aus Elastan oder Polyamid ist fürs normale Baden und Plantschen gedacht, der wesentlich engere Schwimmanzug für schnelle Bahnen in der Halle, beim Triathlon im Meer. Den Unterschied merkt die Kundschaft auch im Preis. In Badeanzüge müssen je nach Marke und Modell zwischen 30 und 80 Euro investiert werden. Ein richtiger Schwimmanzug kostet schnell locker das Doppelte. Und es gibt Untergruppen: Anzüge für echte Schwimmsportler sind nicht da, um zu wärmen, sondern erfüllen den reinen Zweck, den Wasserwiderstand zu minimieren. Die meisten von ihnen haben deshalb keine Nähte.

Eine andere Art von Schwimmanzügen sind die Neoprentypen. Diese tragen vor allem Surfer oder Schnorchler. Beim „Neo“ dringt Wasser durch die Poren des Materials. Es erwärmt sich direkt am Körper und zwischen Haut und Anzug entsteht eine wärmende Isolationsschicht. Doch es ist wie es ist: In den meisten Sportgeschäften riecht es eher nach Rindenmulch und Tartanbahn statt nach Chlorwasser oder Algenschlamm. Ein Ambiente für Schwimmbegeisterte lässt sich wie die Nadel im Heuhaufen finden. Hier hat sich Speedo 2014 freigeschwommen. Händler, die das Retail-Konzept der Marke bei der Warenpräsentation unterstützten, erwirtschafteten mit dem hochemotionalen Aufmachungskonzept des Herstellers bis zu 30 Prozent höhere Umsätze. Textil und Equipment wie Badekappen und Brillen erwiesen sich auch auf kleiner Fläche als profitables Geschäft, nicht zuletzt dank guter Margen natürlich.

„Händler, die dem Schwimmen keine ausreichende Verkaufsfläche einräumen, erkennen das Potenzial der Sportart nicht“, sagt David Kern, Manager Swimwear bei Zoggs. „Gerade in den kalten Herbst- und Wintermonaten.“ Zoggs baut das Angebot an sportlichen Schwimmanzügen und -hosen seit drei Jahren kontinuierlich aus. Auf das chlorbeständige Material Aqualast, aus dem das Modell Eden Starback mit komplett neu entwickelter Rückenpartie mit sternförmig angeordneten Trägern hergestellt wird, gibt Zoggs sogar lebenslange Garantie. Ein absolutes Verkaufsargument – und zudem ein Beleg für die Qualität.

Schwimmen bekam auch durch Triathlon einen ordentlichen Schub. Galt der moderne Dreikampf aus Schwimmen, Laufen und Radfahren in den Anfangsjahren noch als Nische für die trainierte Elite, ist er mit der Einführung von Kurzdistanzen und Mix-Staffeln längst auch im Breitensport populär. „Triathleten kaufen marken- und qualitätsbewusst“, weiß Thomas Krüger von Arena auf Grund seiner Zahlen. „Die wichtigste Entwicklung kann man bei Kompressionsbekleidung, Neoprenanzügen und Wettkampfrädern feststellen.“ An den Utensilien fürs Wasser ist Arena genau wie die Konkurrenz ständig in Schlagdistanz. Krüger: „Neben der richtigen Passform, spielt vor allem auch die Verwendung von leistungsfähigen Materialien eine große Rolle. Bei unseren Carbon-Anzügen setzen wir auf intelligente Muskelkompression, die dem Ermüden der Muskulatur während des Wettkampfes entgegenwirkt.“ Neben dem Einkauf im Sportfachhandel sei laut Krüger aber auch die Onlinebestellung für Triathleten ein wichtiger Vertriebskanal. Mit gezielten Beiträgen und Videos bedienten im Internet einige Hersteller diverse Kanäle, um ihre Produkte bestmöglich darzustellen.

Auf eine noch junge Vergangenheit im Schwimmsport-Bereich kann Head Swimming zurückblicken. Denn erst im Jahr 2010 sprang die neueste Produktlinie aus dem Stammhaus Head mit einer kompletten Produktlinie in die Schwimmbecken der Welt. Wobei die Wassersport-Kompetenz der hauseigenen Tauchsport-Marke Mares kommt. Bereits 2011 wurde die erste Racing-Linie mit verschweißten Nähten aus einem hoch komprimierendem Material hergestellt. Was für Profis gut genug ist, kann für die Zielgruppe der ambitionierten Fitness-Schwimmer nur Recht sein.

Text: Anke Wieczorek

Mayer

Autor: Andreas Mayer

Chefredakteur sportFACHHANDEL / Wanderlust / SkiMAGAZIN

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 22 / 2014