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Sportnahrung im Teamsport: Flaschenweise Umsatz

  • Marcel Rotzoll
  • Freitag | 27. Juli 2018  |  12:05 Uhr
Auf der Suche nach zusätzlichen Ertragsmöglichkeiten könnte sich für den Teamsportfachhandel eine neue Quelle auftun: Sportgetränke und Sportnahrung sind auf dem Sprung vom Profi- in den Amateurbereich.

Zur Fußball-WM haben es Millionen Zuschauer wieder und wieder gesehen: Während der Pausen griffen die Spieler schnell zu Getränken oder kleinen Quetschies. Auch sieht man in der Bundesliga seit einigen Saisons immer häufiger Mannschaftsbetreuer, die den Profis Sportgetränke reichen. Kein Wunder: Die in Sportgetränken enthaltenen Mineralstoffe und Kohlenhydrate sollen den Sportlern verlorene Energie zurückzugeben oder Trainingspläne unterstützen. Im Amateurbereich jedoch steht zumeist ein Kasten Wasser oder Apfelschorle am Spielfeldrand. Das könnte sich in Zukunft ändern. Denn einige Lieferanten entdecken den Teamsport für sich. Für den Sportfachhandel könnte das Geschäft mit Sportgetränken und -nahrung daher zu einem ernstzunehmenden Zusatzgeschäft werden.

Aus wissenschaftlicher Sicht ist die Sache klar: So erklärt die Ernährungswissenschaftlerin Dr. Stephanie Mosler im Gespräch mit sportFACHHANDEL: „Ob Wasser zur Flüssigkeitsaufnahme ausreicht, hängt von der Belastungsdauer ab. Bei Belastungen bis 60 Minuten reicht Wasser aus. Bei längeren Ausdauereinheiten (z.B. Halbmarathon, Marathon, Triathlon, längere Radtouren) ist es sinnvoll, dass mit dem Getränk auch Kohlenhydrate aufgenommen werden. Ebenso sollte bei längeren Ausdauerbelastungen, insbesondere bei großer Hitze und hoher Schweißrate, das Getränk Natrium enthalten (ca. 500 – 700 mg/Liter).“ Das gilt nicht nur für Ausdauersportler, sondern natürlich auch für den Fußballer oder den Handballer.

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Von wegen Getränkehändler: Mit Sportgetränken kann der Fachhandel Kompetenz beweisen und gewinnt einen zuverlässigen Umsatzbringer.
© istockphotos.com/imagesource

Generell, rät die Wissenschaftlerin, werde eine ausgeglichene Flüssigkeitsbilanz vor der Belastung im Allgemeinen erreicht, „wenn Athleten eine Flüssigkeitsmenge von fünf bis zehn Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht in den letzten zwei bis vier Stunden vor der Belastung zu sich nehmen. Während der Belastung sind geringe Flüssigkeitsverluste tolerierbar, eine Dehydratation über zwei Prozent des Körpergewichts sollte jedoch vermieden werden.“

Viele der aus dem Ausdauersport bekannten Lieferanten stehen derzeit Gewehr bei Fuß, um auch den Teamsportfachhandel zu versorgen. Einige von ihnen sind bereits im Profifußball tätig, wie beispielsweise AMsport (Borussia Dortmund, Hertha BSC Berlin, SV Darmstadt), Powerbar (Bayer Leverkusen, VfL Wolfsburg, FC Augsburg) oder auch Xenofit (1860 München). Wichtigstes Argument: Mit Sportgetränken lässt sich auch während der Saison ein überaus regelmäßiger Umsatz generieren.

Soeben startet Powerbar, eine Marke von Active Nutrition International, mit der Ansprache an den Teamsportfachhandel. Angeboten wird als Starterpaket das isotonische Sportgetränk Isoactive in verschiedenen Geschmacksrichtung sowie Ergänzungspakete mit Powergels, Riegeln und einem „Recovery“-Paket. „Vor und während des Spiels, in der Halbzeitpause und nach dem Spiel: Fußballer trinken“, kommentiert Ulrich Kain, Country Manager bei Active Nutrition International. „Wir bieten Getränke an, die dem Sportler aktiv helfen, sein Leistungsniveau zu halten und zu steigern und der Verein spart dabei auch noch Geld.“

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Dürfte man bald häufiger sehen: Sportgetränke haben im Teamsport noch hohes Potenzial.
© Powerbar

Ein Außendienstler betreut für Powerbar den Teamsportfachhandel. Es gebe keinen Mindestumsatz. Händler können die Produktpakete erst dann ordern, wenn Vereine tatsächlich bestellen. Mit dem Erwerb von Ergänzungspaketen erhält man entweder zwei Flaschenträger mit 24 Trinkflaschen oder einen Getränkecooler mit 300 Trinkbechern als Merchandiseartikel. Ab einem bestimmten Umsatz kann kann man Vereinen werbliche Unterstützung zusagen, beispielsweise bei Banden-, Trikot- oder auch Werbung im Stadionheft. Zusätzlich könne jeder Verein über seinen Händler gebrandete Flaschen (bspw. Vereinslogo oder Händlerlogo und Powerbarlogo) kaufen. Um die Vorteile der Sportgetränke und Sportnahrung zu veranschaulichen, sind Ernährungsschulungen und Fortbildungsmaßnahmen für Händler und Vereine möglich. „Wir wollen zusammen mit dem Team­sportfachhandel arbeiten“, erklärt Ulrich Kain. „Natürlich wissen wir, dass ein Teamsportler seine Vereinsausstattung verkaufen will und kein Verein sich nur wegen zusätzlich angebotener Sportgetränke für einen Händler entscheidet. Aber aus anderen Sportarten wie Running, Triathlon, Bike oder Fitness wissen wir, dass Sportnahrung ein sehr lukratives Zusatzgeschäft für den Fachhandel sein kann, mit dem der Händler sein Sortiment abrundet. Zudem rückt Ernährung gerade auch während des Sports immer mehr in den Fokus der Athleten.“

Im Mountainbike-Sport groß geworden ist einer der anderen bekannten Sportlernahrung-Spezialisten. Xenofit, im Jahr 1988 in Tutzing am Starnberger See gegründet. Die ersten Sportgetränke wurden bereits zwei Jahre später, damals noch unter dem Namen Mineral As Blutorange und Mineral As Limone produziert. Nach und nach kamen neue Produkte hinzu. Neben dem Mountainbike-Sport ist Xenofit heute in den Segmenten Running, Trail, Triathlon, Wintersport und auch im Teamsport aktiv. So hat man beispielsweise gemeinsam mit einem Händler Vereine angesprochen und eine Trikot-Aktion zusammen mit Sportgetränken und Trinkflaschen gestartet. Mit dem Sportgetränk Xenofit refresh habe man das passende Produkt für den Teamsport, das mit Xenofit-Flaschen und einem Flaschenkorb ideal für Vereine sei. Jeder Teamsporthändler könne zudem auf Displays und Aufsteller in verschiedenen Größen zur Produktpräsentation im Shop zurückgreifen.

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Allemal besser als der Kasten Wasser: Sportgetränke geben auch Teamsportlern die Nährstoffe zurück, die sie im Wettkampf verlieren.
© Xenofit

„Jeder Sporthändler kann von Sporternährung profitieren“, erklärt Sandra Damith von Xenofit, „da damit auf wenig Platz gute Umsätze erzielt werden können. Entscheidend ist die Präsentation im Shop und inwieweit der Händler dahinter steht. Gerade im Vereinsbereich werden Getränke ja immer gebraucht. Hier kann ein Teamsporthändler Xenofit refresh empfehlen und so einen garantierten Nachkauf erzielen.“

Der Teamsportfachhandel ist in einem äußerst wettbewerbsintensiven Umfeld angewiesen auf vielversprechende Zusatzgeschäfte. Sportnahrung benötigt dabei wenig Platz, hat einen hohen Lagerumschlag und wird vor allem sehr regelmäßig nachgefragt. Da durch die großen Sportveranstaltungen wie WM oder auch Bundesliga Sportgetränke ohnehin bereits im Fokus stehen, dürften auch Amateurvereine immer häufiger positiv auf entsprechende Angebote reagieren.

Marcel Rotzoll

Rotzoll

Autor: Marcel Rotzoll

Stellv. Chefredakteur sportFACHHANDEL

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 10 / 2018