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Skimarkt Österreich: Der Wettbewerb wird härter

  • Marcel Rotzoll
  • Mittwoch | 30. November 2016  |  10:56 Uhr
Vorsichtiger Optimismus im österreichischen Skimarkt: Nach drei späten Wintern endlich wieder Schneetemperatur und Schneefall im November. Jetzt hofft man auf Schnee im wichtigsten Verkaufsfenster Weihnachten. Was die anhaltende Begeisterung für das Skigeschäft trübt, ist der Preiskampf, der sich durch die Konkurrenz aus dem Internet noch verschärft hat.

Text: Hildegard Suntinger

Besonders in den bergnahen Sportgeschäften freut man sich über die rege Nachfrage nach Skiern zu Saisonstart. Auch wenn klar ist, dass es keine Wettergarantie gibt. Aber Handel und Industrie haben sich an die veränderten Rahmenbedingungen weitgehend angepasst. Die Skiindustrie hat ihre Lieferkette flexibilisiert. Nach dem Abgang von Eybl hat sich der Handel neu aufgestellt und die Premiumlücken gefüllt – allen voran Intersport. Problematisch bleiben nach wie vor die verschiedenen Verkaufsfenster in Stadt und Wintersportgebieten. Wobei das preisgesteuerte Onlinebusiness die Situation noch weiter verschärft. Im beratungs- und serviceorientierten Handel moniert man die schwindenden Margen.

Fakt ist: Der Skimarkt stagniert. „Es gibt keine neuen Ansätze, wohl aber Trends, die sich verstärkt haben“, erklärt Michael Schineis, verantwortlich für den Wintersport im finnischen Konzern Amer Sports (u.a. Atomic, Salomon). Er vermutet, dass die Kunden seit dem Ende von Sport Eybl ihre Skier in den Bergen oder online suchen. „Die Umbruchsituation im Handel ist das Problem, aber auch in Zukunft wird das Geschäft in den Bergen stattfinden - und das später als in der Stadt. Alles was in der Stadt frühzeitig preislich verrissen wird, ist natürlich problematisch. Wir fahren entsprechend die Modellpolitik, können den Händlern die Preise aber nicht vorschreiben, können sie lediglich diskutieren.“ Im Gesamtmarkt sieht Schineis eine Tendenz zum qualitativ hochwertigen Produkt. Der Kunde kaufe entweder einen guten Ski oder leihe. Die preisgünstigen Skier gehen in die großen Verleihflotten, so Schineis.

Das gleiche Problemfeld spricht Lucio Zallot, General Manager von Head (Central Europe) an, wenn er feststellt, dass der Handel abseits der Skigebiete kreativ und innovativ sein müsse. Umso mehr als die Einflüsse des Onlinebusiness nicht mehr zu ignorieren und das Konsumentenverhalten kaum definierbar sei. Trotz der Konkurrenz zwischen Verleih und Verkauf sowie Online und stationär zweifelt Zallot nicht am Fortbestand des stationären Handels, gibt jedoch zu bedenken, dass der Konsument nicht mehr loyal sei und sich anders orientiere, wenn das Sortiment nicht mehr stimme. Als wesentliche Eckpunkte nennt Zallot Technologie und die DNA im Rennsport. Zitat: „Wir investieren nach wie vor viel in den Rennsport. Das löst Emotionen aus.“

Kästle investiert primär in die Produktentwicklung. Das Vorarlberger Unternehmen hat sich konsequent in der Premiumnische positioniert und verzichtet auf die günstige Einstiegspreislage. Neben den Kategorien All Mountain und Freeride wachse derzeit der Tourenbereich. Durch die positive Bewertung in Skitests seien spezielle Modelle schon jetzt ausverkauft und es müsse zusätzliche Produktion gefahren werden, so Geschäftsführer Bernd Knüntz. Im Vertrieb hält man an einer selektiven Fachhandelsstrategie fest und legt großen Wert auf eine maximale Preisstabilität - um sicherzustellen, dass die Skier nicht frühzeitig reduziert werden. „Das schützt den Fachhandel, verleiht unseren Produkten die verdiente Wertigkeit und ergibt am Ende der Saison einen höheren Durchschnittspreis”, so Knüntz.

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Intersport Winningen hat dem Skisport im neuen Star in Stadlau 1.400 qm Fläche gewidmet.
© Intersport Winninger

Im klassischen Sportfachhandel zeichnet sich eine deutliche Abgrenzung von Onlineshops und Diskontern ab. Auffallend ist, dass die Qualitäten der physischen Präsenz in den Vordergrund gerückt werden, z.B. wird erstmals seit Jahren wieder von Dingen wie dem Präparieren von Skiern gesprochen. Auch die durch die Betreuung von lokalen Clubs aufgebaute Kompetenz im Rennsport wird betont. Intersport Winninger hat Ende Oktober eine Filiale im Gewerbepark Stadlau eröffnet und knapp die Hälfte der 3.000 qm Fläche dem Thema Ski gewidmet. Zeitgleich startet Harald Tscherne in Vösendorf bei Wien eine Filiale, in der er seine Skikompetenz ausspielt. Beide haben die Werkstatt im Verkaufsraum integriert.

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Fokus auf den Skisport: Im neuen Store von Intersport Tscherne in Vösendorf regiert bereits der Wintersport in all seinen Facetten.
© Intersport Tscherne

Mitten in Wien hat sich Sport Nora eine Position im Premiummarkt aufgebaut. Geschäftsführer Harald Sauer konnte trotz der drei zurückliegenden milden Winter die Umsätze im Skisegment steigern. Die Umsätze im Skischuhsegment seien durch die Fittingkompetenz anhaltend wachsend. Das stabile Skigeschäft, führt er darauf zurück, dass es sich um passionierte Skifahrer und nicht um Gelegenheitsfahrer handle, die auf den Schnee warten und leihen. Neu sei der Trend zum absolut sportlichen Pistenski als Zweitski. Aus der Preisschlacht hält sich das traditionelle Wiener Sporthändler raus – und setzt auf Anbieter mit selektivem Vertriebskonzept.

Ein großes Skilager will sich aber keiner mehr leisten – Hannes Hettegger in Bad Ischl hat die Skiorder für den laufenden Winter reduziert. Neben dem Wetter sei auch der lokale Wettbewerb fordernd: Bad Ischl hat 16.000 Einwohner und sechs Sportgeschäfte. „Wir schaffen es nicht, den Artikel zum empfohlenen Verkaufspreis zu verkaufen und müssen Abschläge machen“, so Hettegger. „Wie bräuchten höhere Deckungsbeiträge. Sonst holen sie sich die Beratung bei uns und kaufen dann online.“

Business as usual auch bei Sport 2000 Wallner in Deutschlandsberg. Das nächstgelegene Skigebiet ist die Weinebene, die bis auf 1.886 Meter hinaufreicht. Der Lagerstand im Skisegment ist gering. Es seien nicht viele, die gleich zu Saisonstart kaufen, das Gros kaufe erst im Januar, erklärt Mario Maier. Die Ausgabebereitschaft der Kunden konzentriere sich in einer Preisspanne zwischen 300 und 500 Euro. Onlinepreise seien ein wiederkehrendes Thema in Kundengesprächen. Wobei man sich die Produkte immer ansehen müsse, weil sie oft nicht identisch seien. Auch im Skitourensektor ist eine Stagnation absehbar. Friedl Birnbacher, Einkäufer bei Bründl (Kaprun), wünscht sich ein Ende der Diskussion‚ „Tourengeher bringen kein Geld“, weil es der Stimmung nicht zuträglich sei und dem individuellen Naturerlebnis entgegenstehe. Trotz der anhaltenden Popularität glaubt er nicht, dass Tourenskier die Zehn-Prozent-Marke in seinem Sortiment übersteigen werden.

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Sportler hat sein Bergsporthaus in Innsbruck auf 2.000 qm erweitert und das Angebot im High-End-Segment verdichtet.
© www.wisthaler.com

Andreas Gramshammer vom gleichnamigen Bergsportspezialisten in der Innsbrucker Innenstadt erklärt, dass die Nachfrage noch leicht wachsend, aber Expertenwissen gefragt sei. Viele hätten schon zwei bis drei Ausrüstungen zu Hause und nicht jeder kaufe in Dreijahresabständen neu. Einer seiner lokalen Mitbewerber, Sportler Oberrauch, hat seine Fläche soeben auf 2.000 qm erweitert. Als Grund für den Ausbau nennt Jakob Oberrauch gegenüber der Tiroler Tageszeitung Platzmangel und einen sich verschärfenden Wettbewerb. Mit der Flächenerweiterung erfolgte eine Verdichtung des Angebots im Hochpreissektor. Highlight sei der erste Patagonia Shop-in-Shop in Österreich.

Rotzoll

Autor: Marcel Rotzoll

Stellv. Chefredakteur sportFACHHANDEL

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 14 / 2016