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Schweiz: Handel baut Kletterszene auf

  • Nicolas Kellner
  • Dienstag | 31. Mai 2016  |  12:03 Uhr
Die Schweiz ist ein Kletter-Eldorado indoor und outdoor. Die Grenzen verschwimmen. Davon profitieren zunehmend Hersteller und Händler. Neue Hallen und Bouldergebiete draußen explodieren.
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Salewa engagiert sich sowohl beim Indoor- als auch Outdoor-Klettern.
© Salewa

Text: Nicolas Kellner

Klettern in der Schweiz kommt vom Berg. Draußen-Klettern hat in der Eidgenossenschaft Tradition und verfügt damit über eine enge Verknüpfung. Ob im Tessin, in der West- oder Innerschweiz, das Klettern am Boulder in freier Natur war neben dem klassischen Seilklettern immer schon beliebt. Damit hatten Schweizer Kletterfans sowie auch der Handel die Nase vorn (ähnlich wie einst beim Winter-Thema Carving). Und auch Hersteller und Ausrüster von Adidas bis Lowa, Mammut oder Salewa sind neben zahlreichen Newcomern und Spezialisten noch stärker in den Hallen vertreten. So blüht das Boulderthema in der Halle derzeit mächtig auf. Im Gegensatz zum Seil ist das Hallentraining am künstlichen Fels das ganze Jahr über möglich. Und auch die Größe der Hallen wächst mit einem immer größeren Anteil von über 2000 Quadratmetern Kletterfläche. Immer öfter treten bekannte Anbieter wie Mammut und Salewa als Sponsoren auf. Aber auch Insidermarlen wie Mad Rock werden in die Hallen geholt. Für die Marken ist die Nähe zum Endverbraucher wichtig. Der Run auf die Hallen hält unvermindert an, auch in der Schweiz bedeutet Hallenklettern inzwischen mehr als schweißtreiben-des Hangeln. Bouldern bedeutet Fitness, sozialer Treffpunt und Teamsport zugleich. Das gilt winters wie sommers. Und das nutzt der Handel sehr gut aus. Das führt dazu, dass in der Schweiz nicht nur die Nähe der Anbieter, sondern auch des Handels zu den Hallenbetreibern ausgeprägter ist als beispielsweise in der Bundesrepublik. Alteingesessene Händler wie Transa und Bächli haben das vorgemacht. „Indoor-Klettern boomt auch bei uns“, bestätigt ein Verkäufer, die Zielgruppe ist breitgefächert. Der Vorteil ist: Nahezu alle körperbetonten Sportarten sind auch Boulder-affin. Trainiert werden sollen Körperbeherrschung, Muskelaufbau und Konzentration. In immer mehr Hallen werden außerdem Yoga-Kurse mit eigens engagierten Trainern angeboten (ein Trend, der sich allerdings auch schon in der deutschen Hallenszene abzeichnet).

In Sachen Climbing Stores sind die Schweizer Hallen jedoch stärker. Oft liegt bei den Betreibern eine langjährige Outdoor-Tradition zugrunde. Wie zum Beispiel auch im Laden des deutschschweizer Kletterzentrums, zwei neuen hochmodernen Anlagen in Schlieren mit der Halle Gaswerk nahe Zürich und in Greifensee mit der Halle Milandia. Engagierte Hallenpartner sind dort übrigens Petzl und Bergans. Im Kletterzentrum Milandia sind Routen mit einer Gesamtlänge von 3000 Metern verschraubt, in der Schwesterhalle Gaswerk 4000 Meter. 80.000 Griffe und Tritte sind verbaut. Pro Jahr zieht dieses imposante Angebot mittlerweile immerhin über 140.000 Besucher an. Storeleiterin Stéphanie Moulin kann sich jedenfalls über mangelnden Ansturm nicht beklagen. Der Shop besteht nicht nur aus einer Vitrine, sondern ist professionell auf- und ausgebaut. Neben der klassischen Kletterausrüstung ist er darüberhinaus mit reinen Regen- und Softshell-Jacken bestückt. Außerdem laufen Seile sehr gut. Damit etabliert sich der Laden gleichermaßen als Treffpunkt für Hallen-, aber auch Outdoor-Kletterer. Bei Schuhen haben momentan die Italiener, La Sportiva und Scarpa, die Nase vorn. Viele Boulder-Leckerbissen in der freien Natur locken auch an den Kandersteg, an den Engelberg (mit Salomon-Station) oder auf die hohen Schweizer Pässe. Der Klettterhandel kann sich mit entsprechenden Tips und umfassender Literatur einen Wettbewerbsvorteil erarbeiten, da inzwischen auch viele ausländische Kletterfans die tollen Möglichkeiten in der Schweiz (die es außerhalb der Halle gibt) entdeckt haben.

Autor: Nicolas Kellner

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 06 / 2016