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Schweiz: Eidgenossen zeigen Nerven

  • Andreas Mayer
  • Montag | 21. März 2016  |  11:42 Uhr
Auch in dieser Saison zeichnet sich in der Schweiz ein harziger Start ab. Doch der Handel hat offenbar gelernt: Die Preise für Ski- und Snowboardausrüstung wurden bislang nur moderat gesenkt. Das gibt Hoffnung, dass das sich abzeichnende Minus fürs Gesamtjahr 2015 nicht so drastisch ausfallen wird.

Text: Nicolas Kellner

Das Wetter ist zu mild, im Flachland kommt eher Frühlingsstimmung auf. Vor allem bei den Eidgenossen entscheidet der rechtzeitige Winterbeginn über das Gelingen der Saison. Nur: „Der Winter hat noch nicht angefangen“, sagt Branchen-Kenner und Schweizer GfK-Experte Kurt Meister. Es habe mal kurz geschneit, jetzt sei es wieder warm. Es ist Mitte Dezember 2015. Zwar ist auf den Gletschern Wintersport möglich, doch das reicht als Animationsgrund noch nicht und lockt nur die Hardcore-Enthusiasten. Eine Vorhersage für den Verlauf des Wintergeschäfts sei daher noch zu früh, meint Meister, klar sei lediglich, dass der Sporthandel über den Verlauf des Gesamtjahres ein Minus einfahren wird. Je nach Winter entscheide sich allerdings noch, wie stark der Umsatzrückgang ausfallen werde. Noch sei alles möglich, macht sich der langjährige Profi der Schweizer GfK in Hergiswil Mut.

Immerhin läuft die Wintersaison in der Schweiz, anders als in Deutschland, bis lange in den März hinein. Traditionell sind die Pisten meist sogar bis April offen. Wenn im Tal dann jedoch schon die Sonne scheint, dann habe der Konsument eher Lust auf Sommer, entgegnet Meister. Bereits die letzten beiden Saisons waren weniger erfreulich und vor allem unsicher verlaufen. Um so erfreulicher: Der Handel zeigt Nerven. Es gibt kein Dumping, keine Harakiri-Aktionen der Großflächenanbieter. Ochsner Sport, an 85 Standorten in der Schweiz vertreten, beispielsweise reduziert zwar Hartware und Textilien, das jedoch nur gemässigt. Im jüngst gestarteten „Pre-Sale“ werden lediglich einige ausgewählte Ski und Wintersportjacken mit Rotstift beworben. Von Deichmann-Tochter Ochsner war der Mitbewerb schon weitaus aggressivere Aktionen zum früheren Zeitpunkt gewohnt. Auch Mitbewerber SportXX hält sich offenbar noch zurück und zeichnet in Sachen Ski nur vereinzelt (bis zu 40 Prozent) runter. Bei Athleticum sieht es ähnlich aus, nur vorsichtig werden bei der Tochter des Schweizer Kaufhaus-Konzerns Manor Wintersportartikel mit dem Rotstift behandelt, was Beobachter erstaunt, angesichts der dramatischen Verschiebungen in der Saisonentwicklung seit zwei Jahren jedoch kaufmännisch rational erscheint. Auch Stadthändler wie Och Sport in Zürich etwa hoffen noch auf ein versöhnliches Wintergeschäft und halten sich mit Preisreduktionen noch zurück. Och, ein Gründungsmitglied der Schweizer Intersport, setzt auf Stammkunden und kaufkräftige Touristen an der Einkaufsmeile Bahnhofstraße zum Weihnachtsgeschäft.

„Wir gehen für 2015 von einem Minus von zirka 5 Prozent aus“, präzisiet GfK-Experte Kurt Meister gegenüber sportFACHHANDEL, „also dürfte der Markt klar unter 1,9 Mrd. Franken fallen“. Die Gründe liegen für den Marktbeobachter auf der Hand: „Preisreduktionen, vermehrte Auslandeinkäufe (wegen des teureren Franken), wenig Treiber sowie eventuell auch steigende Auslands-Online-Einkäufe“. Aber man bleibt optimistisch: „Es ist entscheidend, wie das Wintergeschäft anläuft – wenn es bis Ende Dezember gut ist, kann sich das Minus noch leicht verringern, wenn es schlecht wird, wird das Minus wohl noch schlechter werden“.

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© GFK

Sehr verhalten agiert da auch der Schweizer Länder-Ableger Intersport PSC, der im ersten Halbjahr einen Umsatzeinbruch von knapp 17 Prozent zu verzeichnen hatte. Offenbar konnte bislang nichts wettgemacht werden, auf das Gesamtjahr gerechnet jedenfalls sank der Umsatz um 18,8 Prozent auf nur noch 161,8 Mio. Franken (149 Mio. Euro), wie die Händler-Einkaufsorganisation aus Bern bekannt gab. Der Konzerngewinn betrug 1,9 Mio. Franken. Dieser Gewinn soll aber vorerst im Unternehmen bleiben und nicht an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Der Verwaltungsrat schlage vor, auf eine Dividendenzahlung zu verzichten. Als Grund nennt das Unternehmen die «schwierigen Wettbewerbsbedingungen im Sportfachhandel».

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Autor: Andreas Mayer

Chefredakteur

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 15 / 2015