• sportFACHHANDEL – Das Insider-Magazin mit News · Fakten · Hintergründen

Outdoor-Schuhe: Vom Berg in die Stadt

  • Astrid Schlüchter
  • Montag | 18. Juni 2018  |  11:27 Uhr
Vom Berg in die Stadt sollen die neuen Outdoorschuhe tragen – so zumindest der Wunsch zahlreicher Hersteller aus dem Segment. Heißt: Neben dem klassischen Outdoor-Bereich werden sich deswegen auch weiterhin Modelle durchsetzen, die vielseitig einsetzbar sind – sprich, auch noch nach der Bergtour im Alltag Verwendung finden.
neuer_name
Outdoorschuhe bleiben ein Umsatzgarant. Egal, ob in Richtung Wandern, Bergsport, Hiking, Trail Running, Multifunktion oder Urban Outdoor – die Segmente sind im Handel und vor allem beim Endverbraucher extrem gefragt.
© Hanwag

Dass die Schuhkategorie in der Outdoorbranche generell für stabile Zuwächse sorgt, ist kein Zufall. Schließlich haben es sich die Hersteller in den letzten Jahren zur Aufgabe gemacht, beim Verbraucher für einen guten Ruf zu sorgen. Das ist den Big Playern wohl auch gelungen, denn auch 2017 glänzen Schuhfabrikanten mit überwältigenden Umsatzzahlen. Unlängst z.B. der Jetzendorfer Schuhspezialist Lowa, der im Mai seine aktuellen Umsatzzahlen bekannt gab: Mit 2,7 Millionen verkauften Paar Schuhen könnte man sogar im aktuellen Geschäftsjahr noch die drei Millionen Barriere knacken. Das Geschäft läuft so gut, dass Lowa und auch andere mittelständische Spezialisten sogar Nachschubprobleme haben. Aufgrund der großen Nachfrage sind vielerorts die Regale kurzzeitig leer geblieben.

neuer_name
Lowa sorgt passend zum Trend „Urban Outdoor“ für eine Menge an Lifestyle-Modellen, die multifunktionell einsetzbar sind.
© Lowa

Dennoch, seit Jahren macht die Kategorie Outdoorschuhe etwa 25 Prozent des Outdoor-Branchenumsatzes aus, kein Wunder also, dass Handel und Industrie gleichermaßen Grund zur Freude haben. Sowohl der Komfort als auch die Qualität der Produkte werden hoch eingeschätzt. So blickt auch Traditionsschuster Hanwag positiv in die Zukunft: „Aktuell sind wir sehr zufrieden mit der Entwicklung des Marktes im Segment Outdoorschuhe. Wir freuen uns über ein gesundes und ganzheitliches Wachstum. Entsprechend setzen wir auch in der Saison F/S 2019 auf Qualität, Funktion, Passform, Langlebigkeit und Nachhaltigkeit. Darüber hinaus bietet unsere Kollektion für den Sommer spannende Innovationen.“

neuer_name
AKU hat beim Modell Selvatica GTX einige neuen Features hinzugefügt, um das funktionelle Design des Obermaterials zu verbessern.
© Aku

Auch wenn man meinen könnte, dass der klassische Wanderschuh vom Kunden gar nicht mehr angefragt wird, werden von den Herstellern die Segmente Bergsteigen, Trekking und Wandern immer wieder erweitert. Denn auch hier sind zunehmend frische, modische Optiken gefragt. „Bei einigen ikonischen Modellen von Bergschuhen der Nepal Serie und bei den Kletterschuhen hat La Sportiva ein „Facelifting“ vorgenommen und das Design an die modernen Linien der heutigen Zeit angepasst, ohne die Funktion und Passform geändert zu haben“, so Hannes Öhler von La Sportiva. „Die neuen Designs, haben kantigere und eckigere Linien, welche die Formen deutlicher zur Geltung bringen. Sie entsprechen somit dem heutigen Design, wie man es in verschiedenen anderen Bereichen wie der Auto-mobilindustrie auch findet. Für die Mountain Hiking Linie verwenden wir als Obermaterial Nubuck-Leder mit Nano-Cell Technologie. Mit diesem neuen perforierten Obermaterial erreichen wir eine wesentlich höhere Atmungsaktivität und in Kombination mit der Gore-Tex Surround Technologie, haben wir wohl einen der atmungsaktivsten Wanderschuhe am Markt.“ Dennoch bleibt Hiking als Bereich mit seinem breiten Angebot der Hauptbereich, „hier werden von klassisch bis jung oder von stabil bis leicht alle Endkonsumenten angesprochen und abgeholt“, erklärt Columbia.

Und auch bei Meindl sei die Nachfrage nach Bergschuhen – ganz gleich, ob nun für den Trekking-, Wander- oder Fast Hiking-Einsatz unangefochten stabil. „Wir sind sehr zufrieden und werden uns deswegen auch in der kommenden Saison stark auf den Bereich konzentrieren. Daneben gibt es eine zunehmende Nachfrage im Bereich Urban, Travel und Multifunktion – Schuhe, die mehrere Einsatzzwecke erfüllen, werden immer beliebter“, kommentiert Stefan Müller, Vertriebsleiter bei Meindl.

neuer_name
Die wachsende Beliebtheit von luftig-leichten, sportlichen Schuhen für Alltag und Freizeit nahm Gore zum Anlass, die Gore-Tex 3D fit Schuhtechnologie zu entwickeln.
© Gore

Wem das alles zu warm für die Sommermonate ist, steigt auf Sandalen um, denn die Trekkingsandale erlebt ein Revival, so zeigen sich die Modelle viel modischer, ohne dabei auf Funktion zu verzichten. Teva bringt erstmals ein Modell mit Vibram-Laufsohle auf den Markt. „2019 erwartet uns eine ausgewogene, aus unserer Sicht sehr abverkaufsstarke Kollektion, die in allen Preislagen auf den Punkt gebracht wurde. Die Strata Universal-Linie steht für absolute Bequemlichkeit und natürlich für perfekte Haftung auf allen Untergründen“, so Martin Janda, Verkaufsleiter Teva Schuhe. Und weiter: „Im Design wird der hundertste Geburtstag des Grand Canyon Nationalparks aufgegriffen. Das spiegelt sich speziell in den farblichen Aspekten wieder, die sehr gut zur Natur und den Bildern aus den USA, die wir alle kennen, passen. Dieses Farbspiel zieht sich durch alle Gruppen der Kollektion GC100.“ Händler würden bei Teva in jedem Fall fündig werden, denn die Kollektion sei für den klassischen Outdoorhändler ebenso konzipiert wie für den Sport- und Schuhhändler sowie den angesagten Fashion-Store.

neuer_name
Laut La Sportiva müssen Sportschuhe dem heutigen Design entsprechen.
© La Sportiva

W. L. Gore & Associates setzt auf Innovation und baut die Produktkategorie wasserdichter und atmungsaktiver Gore-Tex-Schuhe weiter aus. Die wachsende Beliebtheit von luftig-leichten, sportlichen Schuhen für Alltag und Freizeit nahm man zum Anlass, die Gore-Tex 3D fit Schuhtechnologie zu entwickeln, die eine geschmeidige, sockenähnliche Passform bei gleichzeitigem Nässeschutz und Atmungsaktivität gewährleisten soll. „Mit Gore-Tex 3D fit Footwear erhalten die Kunden Schuhe, die sich mit einem angenehm weichen Schaft hervorragend ihrem Fuß anpassen. Und den Herstellern bieten wir eine Technologie, die sie auch in etablierte Schuhdesigns sehr einfach integrieren können”, sagt Silke Kemmerling, Produktspezialist bei Gore. Ab Februar 2019 werden Schuhe mit der neuen Technologie von den Gore Markenpartnern Adidas Terrex und Salomon mit ihrem spezialangefertigten ME:sh Schuh im Handel erhältlich sein.

neuer_name
Hanwag ist sehr zufrieden mit dem kontinuierlichen Wachstum in den Kernsegmenten Alpine und Trekking.
© Hanwag

„Urban Outdoor“ ist nicht nur ein Trend im Bekleidungssegment, auch Schuhhersteller bieten zunehmend Kollektionen, die als Fusion von Mode und Sport zu sehen sind. So heißt es von Thomas Lange, Sales Director EMEA Keen: „Wir setzen in unserer umfassenden Kollektion drei Schwerpunkte. Zum einen verbinden wir im Fast Hike-Bereich Performance und cooles Design mit neuen Technologien. Zum anderen ist Urban Outdoor natürlich nach wie vor ein starkes Thema, das einfach ideal zur Markenphilosophie von Keen passt und in dem wir mit lässigen Crossover-Styles vertreten sind (Modelle Innate und Citizen EVO). Und natürlich liegt ein weiterer Schwerpunkt auf dem klassischen Outdoor-Bereich, für den wir beispielsweise aus europäischer Fertigung einen leistungsstarken Trekkingstiefel (Modell Karraig) bieten.“ Keen kombiniert dabei seine Eigenentwicklung Evofit mit unterschiedlichen Style-Elementen, etwa beim urbanen Hybriden Citizen Evo WP oder bei der Schnürenkonstruktion Uneek mit dem Uneek Evo. Bei Evofit handelt es sich um ein synthetisches Strickgewebe aus Vier-Wege-Stretch, das sich durch seine hohe Geschmeidigkeit auszeichnet und sich sockengleich um den Fuß schließt. Es lässt sich in vier Richtungen dehnen und ermöglicht – je nachdem, ob Stabilität oder Bewegungsfreiheit gefordert ist – eine reibungsfreie Anpassung an die natürlichen Bewegungsmechanismen des Fußes.

Wie nachhaltig müssen die neuen Modelle dabei sein? Schließlich setzt man im Bekleidungssegment inzwischen gewisse Standards voraus. „Das ist eine sehr breitgefächerte Frage. Von uns aus können wir sagen, dass AKU die erste und bisher einzige Schuhmarke ist, die die Auswirkungen des gesamten Schuhlebenszyklus‘ auf der Grundlage des internationalen EPD Systems berechnet hat. Wir haben es für das Premiummodell Bellamont Plus gemacht, einen unserer Bestseller in Deutschland. Ein sehr anspruchsvolles Projekt, das das Unternehmen seit mehr als einem Jahr beschäftigt. Es ist sicherlich nicht einfach für Schuhmarken diesen Weg zu gehen, aufgrund der hohen Komplexität der Stiefelkonstruktion und des Produktionsprozesses im Vergleich zu Bekleidung oder anderen Outdoor-Produkten“ erläutert Vittorio Forato, Marketingmanager bei AKU.

neuer_name
Auch Keen setzt einen Schwerpunkt auf den klassischen Outdoor-Bereich.
© Keen

Und auch bei Hanwag beobachtet man, dass der Kunde immer mehr Wert auf Langlebigkeit und Nachhaltigkeit lege. „Wir verfolgen unsere Nachhaltigkeitsziele schon seit vielen Jahren. Bis heute fertigen wir ausschließlich nach zwei Techniken: Der gezwickten und der zwiegenähten Machart. Das verlängert die Lebensdauer, macht die Schuhe wieder besohlbar, spart damit Ressourcen und schont die Umwelt. All unsere Modelle werden ausschließlich in der EU produziert. Zusätzlich entwickeln wir immer neue, umweltschonende Materialien, wie unsere fluorchemiefreie Eco-Shell Footwear Membran und nutzen neue Technologien, zum Beispiel in unserer neuen TubeTec Eco Sohle, um die Nachhaltigkeit unserer Produkte kontinuierlich zu verbessern“, so Albrecht Volz, Vertriebsleitung Deutschland.

Astrid Schlüchter

Schlüchter

Autor: Astrid Schlüchter

Redaktion Süd sportFACHHANDEL

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 09 / 2018