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Outdoor Österreich: Mut zu Premium

  • Andreas Mayer
  • Mittwoch | 26. August 2015  |  15:47 Uhr
Das rasante Wachstum ist vorbei. Der Outdoor-Markt hat sich auch in Österreich auf hohem Niveau konsolidiert. Die Wetter- und Marktsituation der vergangenen Jahre war zwar nicht einfach, aber trendbedingt geht man von einer stabilen weiteren Entwicklung aus.

Drei schwache Winter und die daraus resultierenden Warenüberhänge auf dem Markt sowie die Ungewissheit durch den neuen Wettbewerber Sports Direct, der die Ketten Sport Eybl & Sports Experts übernommen hat – die Branche in Österreich hatte es zuletzt nicht einfach. Doch so langsam aber sicher hat sich die Aufregung gelegt und der Markt formiert sich neu. Mancher Lieferant moniert, dass der Einzelhandel es nicht geschafft habe, die Premium-Volumina von Sport Eybl aufzufangen. Die zehn Eybl Megastores hatten urbane Lagen und große Outdoor-Abteilungen. Trotz Rückkehr zum Eybl-Branding konnte die britische Sports Direct die Premium-Kunden mit seinem Sortiment nicht überzeugen. Besonders groß ist die Angebotslücke in Wien, Oberösterreich und Salzburg, weil kaum noch relevante Sporthändler in den Innenstädten anzutreffen sind. Besonders dramatisch ist die Situation in Salzburg Stadt, wo Eybl zwei Standorte hatte und jetzt nur noch Hervis, Iko und Asmus sowie eine Reihe von Outlets übriggeblieben sind. Innsbruck und Graz bilden eine Ausnahme. Die Innenstädte zeigen eine relativ hohe Angebotsdichte.

In Wien gab es drei Eybl-Standorte mit insgesamt geschätzt 4.000 qm Outdoor-Fläche. Bei den kleinen Bergsporthändlern vor Ort – Schwanda, Hof & Turecek, Steppenwolf und Bergfuchs – hat die Frequenz deutlich angezogen, seitdem Eybl im April 2014 zu hundert Prozent von Sports Direct übernommen wurde. „Wir haben viele ehemalige Eybl-Kunden, die moderater in den Bergen unterwegs sind. Das Umsatzplus zieht sich durch alle Warengruppen. Aber bei den leichten Wanderschuhen geht die Post ab“, freut sich Gregor Schwenk, Geschäftsführer von Bergfuchs. Auch Klettersteig ist nach wie vor ein großes Thema, was sich besonders im Interesse an der Hartware zeigt. Das Geschäft mit der Kletterware hat in der Hauptstadt durch die Kletterhallen besonders im Winter stark zugenommen. Hat Schwenk zuvor eine Handvoll Kletterschuhe pro Winter verkauft, so sind es jetzt monatlich hunderte.

Auch bei Michael Lanmüller von Steppenwolf hat sich der Eybl-Abgang besonders im Schuhsegment ausgewirkt. Aktuell konzentriert sich die Nachfrage auf technischere Schuhe und insbesondere Zustiegsschuhe in halb- bis mittelhoher Variante, die zum Klettern am Fels funktionieren und gleichzeitig gute Abrolleigenschaften haben. Nach einer Flaute seit den Nuller-Jahren hat seit fünf Jahren auch der Schlafsack wieder angezogen. Der Zeltmarkt unterliegt erfahrungsgemäß einem Wellental, ist allerdings schwieriger geworden, weil viel Billiges am Markt sei, so Lanmüller.

Wie Bergfuchs liegt auch Steppenwolf im 7. Bezirk und kann aufgrund der begrenzten Fläche nicht alles für alle führen. Lanmüller setzt auf Image, Individualität und Nachhaltigkeit. Zitat: „Wir haben immer noch Marken, die sonst keiner hat.“ Patagonia ist traditionell eine seiner Hauptmarken.

Beim Multisporthändler Nora Pure Sports im 17. Bezirk suchen ehemalige Eybl-Kunden ein tieferes Sortiment und gute Qualität. Das Bergsport- und Outdoor-Segment erstreckt sich über 60 qm und soll im Herbst im Rahmen einer Flächenerweiterung ausgebaut werden, wie Marion Dockal-Kurz erklärt. Weitere Expansionsschritte sollen mit zwei neuen Standorten vollzogen werden. Der erste soll 2016 in der Peripherie gegründet werden, der zweite 2017 in der Innenstadt.

Dietmar Klammer, Geschäftsführer des auf hochalpinen Bergsport und Expeditionen spezialisierten Mountain Store Bergwerk in Linz erlebt die ehemaligen Eybl-Kunden als beratungssuchend und breitensportorientiert. Die neue Klientel hat zu einer Vertiefung des Wanderschuhsegmentes geführt. Wobei trotz des Trends zu leichten niederen Wanderschuhen auch traditionelle hohe Trekkingschuhe nach wie vor sehr gefragt seien. Generell sei das breite Sortiment an Schuhen und Hartware ein wichtiger Wettbewerbsvorteil, so Klammer. Im Spätherbst 2015 will er einen zweiten Store in Steyr auf 320 qm Fläche eröffnen, was eine Verdoppelung bedeutet.

Hjalmar Comploy, Storemanager von Sportler in Innsbruck hat die Filiale vor vier Jahren auf Bergsport und Outdoor umgestellt und im Winter auch noch Bike gestrichen, um die Segmente Wandern und Klettern zu vertiefen und das Geschäft in der Innsbrucker Innenstadt noch klarer alpin zu positionieren. Innsbruck ist ein hart umkämpfter Markt, aber die freigewordene Eybl-Klientel sei seit dem vergangenen Winter dennoch deutlich spürbar, so Comploy. Trotz mäßiger Schneesituation schrieb Sportler schon im Winter ein Umsatzplus. Im laufenden Frühjahr lag das Plus schon im zweistelligen Bereich. Unter den Neukunden sind auch Salzburger, die zuvor bei Eybl in Innsbruck eingekauft haben.

Während die Saison in den urbanen Regionen schon im April angelaufen ist, ist der letzte Schnee in Ramsau (Region Dachstein) erst Anfang Juni geschmolzen, wie Walter Wieser von Sport Ski Willy berichtet. Die Sommersaison beginnt erst Ende Juni. Große Veränderungen erwartet er nicht, außer dass alles technischer und spezieller wird. Großes Thema sei die Sportlernahrung am Berg. Zitat: „Energieriegel statt Wurstsemmel.“ Im Hinblick auf die jugendliche Zielgruppe habe er Selfie-Sticks eingekauft. Insgesamt rechnet Wieser mit einer weiteren Zunahme an alpinen Wanderern. Klettersteig sei ein anhaltend wichtiges Thema. Zentrale Produkte sind Helm und Gurt – gefolgt von Hosen mit carbonverstärkten Knien und technischen Wanderschuhen.

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Starkes Thema im Westen: Freizeittaugliche Kletterkleidung

Im Top-Bereich sind die Grenzen zwischen Shirt, Fleece, Soft- und Hardshell fließend. Neben Passform und Funktion zählt auch die Verwendbarkeit für mehr als eine Sportart. Softshell findet in dünneren Stoffen und technischeren Varianten nach wie vor einen Markt. Manche greifen aber auch wieder auf dünnes Fleece und wasserdichte Jacken mit textilem Griff zurück. Eine Entwicklung, die Christoph Mannel, Geschäftsführer von Salewa Austria bestätigen kann: „Der Bergsportler denkt nicht mehr in Saisonen, sondern in Sportarten.“ Aktuell zählen – neben Schuhen – Hybridjacken zu den gefragtesten Themen im Portfolio von Salewa und Dynafit. Waren es ursprünglich Bergsteiger, Wanderer und Kletterer, die sich im Bergsporthandel ausgerüstet haben, so sind es mittlerweile auch Hallenkletterer, Boulderer und Bergläufer. Trailrunning ist, landschaftlich bedingt, ein westliches Thema. Weiter ist der Handel mit einer zunehmend jugendlichen Zielgruppe konfrontiert, die sich zum einen in der Nachfrage nach Festival-Zelten und zum anderen in der Nachfrage nach Produkten mit Style und Funktion zeigt. Unisono wird ein steigendes Nachhaltigkeitsdenken beobachtet. Die Kunden seien nicht besonders informiert, aber der Produktionsstandort Europa sei erwünscht. Wenn es um Materialien mit Hautkontakt und Imprägnierungen gehe, sei sehr wohl ein steigendes Problembewusstsein zu verzeichnen, so Dietmar Klammer.

Die Zukunft des Outdoormarktes wird insgesamt positiv gesehen. „Weil immer noch viel Individualität drin steckt“, so Lanmüller. „Es wird weiterhin Innovation und Bedarf geben. Gleichzeitig wird Bergsport aber auch Nische bleiben.“

Text: Hildegard Suntinger, Wien

Mayer

Autor: Andreas Mayer

Chefredakteur sportFACHHANDEL / Wanderlust / SkiMAGAZIN

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 09 / 2015