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Multifunktion: Eines für Alles

  • Astrid Schlüchter
  • Dienstag | 14. Mai 2019  |  15:54 Uhr
Das Thema Multifunktion ist und bleibt ein wichtiger Trend auch im Outdoor-Bereich. Warum? Weil Konsumenten es schätzen, vielseitig einsetzbare Schuhe, Rucksäcke und Bekleidung zu besitzen, die nicht nur bei den verschiedensten Aktivitäten ihren Nutzen beweisen, sondern zudem auch noch im Alltag funktionieren.

Multifunktion, was heißt das eigentlich? Generell spricht man von Schuhen, Bekleidung und sogar Equipment, das seine Einsatzfähigkeit sportübergreifend beweist. Ein Schuh also, der für leichte Wanderungen eingesetzt werden kann, aber auch in der Stadt funktioniert. Eine Jacke, die mich beim Laufen oder Radfahren vor Wind und Regen schützt, aber zudem im Büro zum Business-Outfit kombiniert werden kann. Ein Rucksack, der beim Sport alle wichtigen Sachen verstaut, aber generell seinen Träger auch beim Shoppen in der Stadt begleitet.

Multifunktion macht es nicht nur dem Konsumenten einfacher, sich für ein Produkt zu entscheiden, auch Hersteller wollen Kunden davon überzeugen, dass man nicht für jede Sportart oder Aktivität ein spezielles Produkt kaufen muss. Mit dem positiven Nebeneffekt, dass man am Ende sogar etwas für die Umwelt tut, getreu dem Motto: „Weniger ist mehr“ oder „Eins für Alles“. Dazu Vittorio Forato, Marketing Manager bei AKU: „Multifunktionalität ist einer der größten Trends auf dem Markt und unserer Einschätzung nach wird sich die Entwicklung noch weiter in Richtung Sportlichkeit und Funktionalität zuspitzen. Neue Technologien und fortschrittliche Materialien, insbesondere das Gewicht betreffend, sind die Schlüsselfaktoren.“

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Vaude sorgt mit der Kategorie „Urban Life“ für vielsietig einsetzbare Produkte.
© Vaude

Multifunktion funktioniert saisonübergreifend

Noch ein Punkt, der den Trend schon bald zum Standard für die Sortimentsgestaltung des Fachhandels werden lassen könnte. Denn viele Winter-Modelle unterscheiden sich lediglich auf Grund der Verwendung spezieller Membrane von den leichten Sommervarianten. Wenn es draußen kälter wird, wäschst die Nachfrage nach Gore-Tex, Primaloft, Polartec & Co. Doch generell können Ganzjahresmodelle saisonübergreifend getragen werden, insbesondere in Städten, da hier das Wetter auch im Winter meist recht stabil bleibt. „Wir sehen schon, vor allem bei der männlichen Zielgruppe, einen Trend hin zum Ganzjahresmodell. Denn vor allem in den Städten kommt man auch gut mit ungefütterten Varianten zurecht. Was uns auch auffällt, Kunden legen heute verstärkt Wert auf die Robustheit eines Schuhs. Ins Gewicht fallen dabei ein höherer Lederanteil, ebenso wie ein ausgeprägtes Profil“, erklärt Stefan Müller, Verkaufsleiter Meindl.

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Das Rucksack-Modell Atrack von Ortlieb besticht durch Understatement im Alltag, aber auch bei sportlichen Aktivitäten.
© Ortlieb

Den Trend greifen auch Bekleider auf, so setzt Outdoorexperte Berghaus mit Teilen der Kollektion auf „Urban Outdoor & Multifunktion“. Dabei sei das Stichwort laut Marcus Stahr, Sales-Manager bei Berghaus Deutschland, intelligentes Layering. Die eine Jacke für den einen bestimmten Einsatz habe ausgedient, weil das schlichtweg nicht mehr dem Lifestyle der Kunden entsprechen würde. Multisportler würden Ausrüstung, die sie je nach Bedarf kombinierenkönnen, suchen. Vielseitigkeit sei ausschlaggebend, so setze man Technologien aus dem Alpinen verstärkt urban um und die Konsumenten profitieren von (vermeintlichen) Mode-Produkten, die aber technisch durchdacht und funktional sind.

Multifunktion ist ein Trend unserer Zeit, und bei näherer Betrachtung sogar umweltfreundlich. Warum? Weil Endverbraucher nicht mehr verschiedene Modelle für unterschiedliche Aktivitäten benötigen und diese im Fachhandel auch gar nicht mehr verlangen. Viele Marken und Hersteller wollen das jetzt vielleicht nicht hören, aber, wer sich für ein Modell entscheidet, das für mehrere Aktivitäten geeignet ist, verfolgt am Ende das „weniger ist mehr“-Prinzip! Vorbei die Zeiten, in denen man ein Paar Schuhe zum Laufen, ein Modell zum Wandern, eins am besten noch fürs Leicht-Wandern oder einen Schuh fürs Walken gekauft hat.

„Noch vor zehn Jahren ging man mit der knalligen Outdoor-Jacke und den berginspirierten Schuhen ins Café. Mittlerweile hat sich ein gewisser Chic und eine Zurückhaltung in den Farbkontrasten in der Bandbreite multifunktionaler Wanderprodukte durchgesetzt. Bei den Schuhen stehen weiterhin Komfort und Passform im Vordergrund. Auch die Nachfrage nach nachhaltigen Schuhen nimmt weiter zu“, erklärt Oliver Korden, Abteilungsleiter Schuhe bei Vaude. Der Trend sei eine Konsequenz aus dem heutigen Lebensstil, so sieht man bei Ortlieb nicht mehr den Biker oder den Wanderer, „heute betreiben die meisten Menschen mehrere Outdoor-Sportarten, für die sie dann auch Produkte mit Allround-Eigenschaften wollen. Zum anderen möchten gerade jüngere Menschen ihren Lebensstil reduzieren, sprich weniger Material anhäufen. Was den Look betrifft, hat Understatement klar die Expeditionsoptik abgelöst. Unser neues Rucksack-Modell Atrack ist genau für diesen Multi-Use mit Alltagstauglichkeit konzipiert – und darüber hinaus noch komplett wasserdicht“, so Jürgen Siegwarth, Geschäftsführer Ortlieb.

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Leichtigkeit, Passform und Funktionalität, untermalt mit trendigen Farben und modischem Design, ist die Devise bei Lowa.
© Lowa

Doch wie bleibt man trotz Multifunktion spannend für die Bergsportzielgruppe? Viele Marken wollen dennoch ihre Glaubwürdigkeit innerhalb der Bergsportzielgruppe behalten, doch das „Eines für alles“-Multifunktionsprinzip stößt hier natürlich an seine Grenzen, darf es aber auch und für Forato von AKU generell auch nicht unmöglich: „Beide Zielgruppen zu bedienen ist ohne Frage schwierig aber nicht unmöglich. Als Bergschuh- und Schuh-Experten mit direkter Kontrolle über jeden Produktionsprozess sind wir in der Lage unseren Wurzeln als traditioneller Bergschuhhersteller treu zu bleiben und gleichzeitig offen für neue Trends und Entwicklungen zu sein. Dieser Balanceakt aus Verbundenheit zur Tradition und den nächsten Schritt mit neuen Trends zu gehen, kann der richtige Weg für die Zukunft sein.“ Berghaus möchte die „Experten“-Zielgruppe mit Qualität und Relevanz überzeugen, „oberstes Ziel muss es weiterhin sein, dass die Produkte einen Zweck erfüllen und allein aus der Historie heraus entwerfen wir grundsätzlich für den Berg. Umso mehr schätzen wir es, dass unsere Kunden die Produkte vielseitig verwenden und setzen vermehrt auf eine sympathische Designsprache, die auch in den urbanen Raum passt ohne dabei bei den Materialien Abstriche zu machen.“

Generell sehen sich die meisten Marken auch heute und in Zukunft noch als Funktionsspezialisten und wollen so auch die Kunden mit neuen, tollen Entwicklungen überraschen. „Es gibt Produkte, die sich verschiedenartig tragen lassen, der Einsatzbereich muss aber immer eng definiert sein. Eine Klettergurt-optimierte Jacke funktioniert auch unterhalb des Klettersteigs, andersrum funktioniert das aber nicht. Der Kunde kennt seine Bedürfnisse am besten und entscheidet selbst, welcher Aktivität er den Lead gibt und wo er Kompromisse macht. Im ganz aktiven Bereich ist die Kompromissbereitschaft aber aus gutem Grund am wenigsten gefragt“ fasst Peter Sontheimer, Leitung Produktentwicklung Schöffel zusammen.

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Reisen ist mittlerweile ein großer Markt auch für Outdoor.
© Keen

Was bringt die Zukunft? Werden die Kategorien – sprich Funktionsware, modischer Lifestyle und sportlicher Chic – immer mehr verschwimmen? Ganz im Gegenteil, der Kunde habe sich nach Jahren des Outdoor-Booms an die tolle Funktion gewöhnt und wolle diese auch weiterhin in den Produkten, die sie an der frischen Luft – egal, ob am Berg, auf dem Rad oder in der City – nutzen, auch haben. Dennoch sollte man heute, so die Meinung bei Ortlieb, die Funktion in ein Understatement-Design integrieren, das wäre in Zukunft der Wunsch vieler Kunden. Jan Lorch, Leitung Vertrieb & CSR bei Vaude, sieht dies ähnlich: „Der Trend multifunktionaler Bergsportausrüstung mit alltagstauglichem Look wird auch in Zukunft weiter bestehen. Da multifunktionale Produkte eine nicht so spitze, große Zielgruppe ansprechen, steckt viel Potenzial darin. Es muss jedoch weiterhin der Bedarf beider Zielgruppen abgedeckt werden. Für Sporthändler ist es hingegen wichtig, dass sie sich positionieren. Je nachdem, welche Zielgruppe sie bedienen wollen, kaufen sie auch bei den Marken ein.“ Lorch fügt noch hinzu: „Für die breite, multifunktionale Zielgruppe soll Bergsportausrüstung einen alltagstauglichen Look widerspiegeln, der in seiner Farbgebung kombinierbar und dezent ist. Eine Regenjacke oder ein sportliches Langarm-Shirt soll beispielsweise auch zur Jeans kombinierbar sein. Die Funktionalität der Produkte spielt dennoch eine entscheidende Rolle.“

Markus Strefling, Verkaufsleiter Deutschland bei Lowa, sieht noch weitere wichtige Trends im Bereich Multifunktion, die sich in Zukunft noch weiter bestätigen werden: „Es stehen nach wie vor die Leichtigkeit, Passform und Funktionalität der Produkte im Vordergrund. Untermalt wird dies mit trendigen Farben – speziell mehrfarbig abgestimmte Schuhe werden immer beliebter. Auf diesen Trend zahlt unsere aktuelle Designsprache ganz gezielt ein. Doch auch der Einsatz von neuen sowie bewährten Technologien trägt zum Erfolg unserer Multifunktionsschuhe bei. So erreichen wir zum Beispiel durch den Einsatz von Lowa DynaPU eine perfekte Dämpfung und damit optimalen Komfort. Unsere Topseller sind im Moment sportliche Multifunktionsmodelle wie die Halbschuhe Maddox GTX LO oder Innox EVO GTX LO.“

Astrid Schlüchter

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Autor: Astrid Schlüchter

Redaktion Süd sportFACHHANDEL