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Marktreport Schweiz: Oase Outdoor

  • Andreas Mayer
  • Sonntag | 18. Juni 2017  |  10:47 Uhr
Das Thema Outdoor in der Schweiz steht auf soliden Beinen. Ob Filialist oder Einzelkämpfer – versierte und engagierte Bergsporthändler haben die Nase vorn. Und viele von ihnen wollen auch wieder auf der OutDoor vorbeischauen und neue Trends suchen.

Text: Nicolas Kellner

Für den Sporthandel insgesamt verlief das Jahr 2016 eher enttäuschend. Die Umsätze schrumpften erneut, seit vielen Jahren findet in der Branche eine Strukturbereinigung statt, bei der langsame und unflexible Händler das Nachsehen haben. Hinzu kommt eine weiterhin abnehmende Einkaufslust vieler eidgenössischer Konsumenten. Und letztlich setzte der starke Schweizer Franken und der Einkaufstourismus insbesondere Händler mit Lifestyle-Produkten unter Druck.

Transa
Bike- und Outdoorfilialist Transa setzt auf persönliche Shoppingberater.
© Transa

Laut GfK in Hergiswil reduzierte sich der Sportmarkt (ohne Fahrräder) im vergangenen Jahr um vier Prozent auf 1,7 Mrd. Schweizer Franken. Das Volumen des umsatzstarken Fashion-Segments sank gar um fünf Prozent auf 9,05 Mrd. Franken. Interessant und aufschlussreich ist dabei die Tatsache, dass diese Zahlen das Online-Geschäft bereits miteinbeziehen. Das Business über das Web habe zwar auch im letzten Jahr deutlich zugelegt, allerdings hätten diese Zuwächse nicht ausgereicht, um die schrumpfenden Umsätze im stationären Business zu kompensieren, so die GfK-Experten.

Der Outdoormarkt in der Schweiz ist aktuell knapp 400 Mio. Franken groß, womit er rund 23 Prozent am Schweizer Sportmarkt ausmacht. Große Verschiebungen gab es nicht. Laut GfK in der Schweiz hält sich der Markt stabil, wobei Outdoorschuhe mit einem Umsatzvolumen in Höhe von 160 Mio. Franken als wichtigster Umsatzträger im vergangenen Jahr auf Platz eins rangierten. Dahinter folgt Bekleidung mit knapp 150 Mio. Franken. Der Bereich Hartware steht bei rund 85 Mio. Franken.

Outdoor hat sich im Vergleich zum Gesamtsportmarkt in der Schweiz also stabilisiert. 2015 lag Outdoor noch bei minus fünf Prozent, also mehr oder weniger gleich wie der Gesamtmarkt vor zwei Jahren mit einem Minus von sieben Prozent. 2016 sind die Berg- und Trekkingsportumsätze wie beschrieben stabil geblieben, während der Gesamtmarkt weiter abrutschte. Der Schweizer Kunde sei nach wie vor bereit, für Qualität und gute Funktion trotz Frankenstärke tiefer in die Tasche zu greifen, berichten Outdoorhändler. Und auch der Einkaufsverband Intersport in der Schweiz verstärkt sein Engagement in Sachen Bergsport. So ist gerade eine neue Omnichannel-Strategie der eidgenössischen Intersportler an den Start gegangen, bei der über eine Verzahnung mit dem Handel künftig auch auf eigene Verkäufe gesetzt wird. Forciert werden die Themen Outdoor und Ganzjahressport.

Das Thema Beratungsklau beschäftigt allerdings auch den Schweizer Handel zunehmend: Stationär informieren, online kaufen, meist günstiger. Immer mehr Händler reagieren. Der Outdoor-Filialist Transa etwa will ab sofort dagegensteuern und Kunden mit mehr Service noch enger an sich zu binden. So rief Transa das Programm „Personal Shopping“ ins Leben, bei dem Kunden jeweils ein Berater kostenlos an die Seite gestellt wird. Da Transa lange schon selbst auch einen eigenen Online-Shop führt, weiß der Betreiber, worauf er sich einlässt. Das neue Angebot in den stationären Läden ist sicher riskant, soll den Endverbraucher aber davon überzeugen, warum nicht immer die tiefsten Preise angeboten werden könnten. Auch beim Züricher Kollegen Bächtold Sport, auf Trekking, Hiking und Outdoor spezialisiert, bietet man ein „breites Sortiment auf der Basis von persönlicher Erfahrung“ an, welches den Kunden im Geschäft überzeugen soll. Bereits seit der Wintersaison 2015 berechnet Intersporthändler Beat Zürcher (Frutigen) konsequent jede Minute Beratungszeit. Zum Ausgleich gewährt er beim Kauf 20 Prozent Rabatt. Für den Service müsse jeder zahlen, auch wenn nicht gekauft wird. Andere Händler wollen nachziehen und es scheint sich Verständnis und Bereitschaft beim Endverbraucher abzuzeichnen.

Mayer

Autor: Andreas Mayer

Chefredakteur sportFACHHANDEL / Wanderlust / SkiMAGAZIN

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 08 / 2017