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Marktbericht Österreich: Ruhe vor dem Sturm

  • Andreas Mayer
  • Sonntag | 18. Juni 2017  |  10:35 Uhr
Auf einen starken Winter folgte ein verhaltener Start in die Outdoor-Saison. Schuld waren die Wetter­kapri­olen – der Schneefall Ende April und der kühle Mai. Trotzdem ist der österreichische Einzelhandel optimistisch und geht von einem anhaltend stabilen Markt aus. Für Spannung sorgt der Wettbewerb: Der Preiskampf im Internet nimmt groteske Formen an und der Markteintritt des kompetitiven Norwegers XXL steht bevor.

Text: Hildegard Suntinger, Wien

Für Ärger sorgte der Online-Wettbewerb, der im abgelaufenen Winter bei Tourenskiern einen neuen Höhepunkt erreichte. Markenspezifisch lag der Preis in Höhe des Einkaufspreises im stationären Handel. Der Markteintritt von XXL wird zunächst nur die Händler im Osten treffen, wo im Herbst 2017 gleich drei Standorte eröffnet werden: in der Shopping City Süd, im Donauzentrum Wien und in der Plus City Linz/Pasching. Mit der Ankunft von XXL müssen sich die Händler auf eine neue Situation einstellen. Unklar bleibt, wie es mit dem auf 36 Shops geschrumpften Sports Direct weitergeht – und ob Decathlon wirklich kommt.

Wien ist unterbesetzt, sagt Gregor Schwenk, Geschäftsführer des Bergsport-Spezialisten Bergfuchs. Er profitiere nach wie vor vom ’Eybl-Effekt’ und konnte auch das Geschäftsjahr 2015/16 wieder mit deutlich zweistelligem Plus abschließen. Wichtigste Produktkategorie sind Schuhe; ein Segment, das mit Reparaturservice entsprechend gepflegt wird. Das Gros der Kunden gebe zwischen 200 und 250 Euro für einen Wanderschuh aus. Wobei sich 70 Prozent für Klimamembrane entscheiden und der Rest für Lederfütterung. Weitere wichtige Kategorien sind Kletterhartware und Rucksäcke. Trendsetter im Kleidungsbereich sei Ortovox, der zuletzt von der Merino-Kompetenz profitiert habe.

Nora Pure Sports am Wiener Gürtel bietet Outdoor-Produkte vorwiegend im Lifestyle-Bereich an. Die Kunden von Marion Dockal-Kurz gehen im nahegelegenen Wienerwald wandern und wünschen sich Produkte, die beispielsweise auch für Städtereisen oder Radfahren genutzt werden können. „Wenn das Produkt einen Mehrwert hat“, so ihre Erfahrung, „dann ist der Preis sekundär.“ Zu den gefragtesten Artikeln zählten leichte, bequeme und wasserdichte Trekkingschuhe im Preisbereich von 140 bis 250 Euro. Speziell bei Damen kommen auch die neuen bis über die Oberschenkel reichenden Regenjacken gut an – zum Beispiel von Peak Performance. Die wichtigsten Artikel im Rad- und Wanderbereich sind Merino-Oberteile sowie leichte Gore-Jacken mit geringem Packmaß. Hosen verkaufen sich nur noch in elastischen Stoffen und vorwiegend mit abzippbarem Bein, so Dockal-Kurz.

Die Bergsportspezialisten im Osten leiden unter den zuletzt schneearmen Wintern. Für Hans-Peter Starkl von Bergsport Starkl in Mürzzuschlag, rentiert sich das Skitouren-Segment in schwachen Wintern kaum noch. In den ersten vier Monaten 2016 lief ein Minus von 50 Prozent auf. Das Sommer­ge­schäft sei einigermaßen stabil, ist mit der Hervis-Ansiedelung aber schwieriger geworden. Starkl hatte nicht damit gerechnet, dass so viele Einheimische zu Hervis wechseln würden. Hingegen nehmen Auswärtige oft eine lange Anfahrt auf sich, um bei ihm einzukaufen. Sein Sommersortiment ist auf Bergschuhe, Klettern und Wandern konzentriert. Auch hier beginnen die Preise für Schuhe bei 180 Euro. Wobei die Klimamembrane unverzichtbar seien. Die Vielfalt an Funktionen bei Jacken finde er problematisch, weil sie die Kunden verunsichere. Am beliebtesten seien zudem nach wie vor kräftige Farbtöne.

Verschärfter Wettbewerb in Linz (Oberösterreich). Mit der Erweiterung der Plus City im Herbst 2016 hat sich das Angebot im Sportartikelsektor erhöht – und wird sich mit XXL noch mal steigern. Der stationäre Zweig des von Andreas Lindpointner online gegründeten Sport Gigant befindet sich im Anfahrtsbereich des Shopping Centers. Lindpointner profitiert von dessen Frequenz, ist aber froh, nicht darauf angewiesen zu sein. Etwa 60 Prozent der Online-Umsätze entfallen auf Outdoor. Um die Retourenquote niedrig zu halten und saisonunabhängiger zu sein, konzentriere er sich auf Hartware. Wobei sich alle Produktkategorien gleichermaßen gut verkaufen, wie er betont – auch wenn es manche Kunden vorziehen, bestellte Ware stationär abzuholen. Im Geschäftsjahr 2016/17 lag das Plus bei ca. 15 Prozent. Seine Kunden sind vorwiegend ambitionierte Sportler. Trotzdem sei der Preis das Wichtigste: „Loyalität gibt es nicht. Einzig die Bekanntheit relativiert den Preis. Davon beginnen wir zunehmend zu profitieren.“

In Salzburg gab es seit dem Abgang von Eybl keine Neugründung, die sich gehalten hätte. Der einzige Bergsportspezialist ist die von Montura betriebene Alpstation in Salzburg Anif. Geschäftsleiter Florian Brümmer verzeichnet seit etwa vier Jahren kontinuierliches Wachstum, das er unter anderem auf den Eybl-Effekt zurückführt. Er bedient eine ambitionierte Zielgruppe in den Bereichen Berg-, Rad- und Skitourensport. Das Alpinski-Segment hat er allerdings wegen des ruinösen Preiswettbewerbs aufgegeben. Dass lokale Neuzugänge nicht durchhalten, führt er auf den Mitbewerber Hervis im Europark zurück. Mit Intersport Bründl findet sich aber auch im Designer Outlet Wals-Himmelreich ein ernstzunehmender Mitbewerber. Dass es für Bründl gut läuft, zeigt nicht zuletzt die aktuelle Erweiterung auf eine Fläche von 2500 qm. Der Schwerpunkt im Sommer liegt auf Outdoor und Ganzjahressport. Wie der Verantwortliche Tom Vorreiter erklärt, lege man wie in jeder anderen Filiale Wert auf Inspiration und Aufenthaltsqualität.

In Innsbruck waren bis Ende April Skitouren ein großes Thema. Das Sommergeschäft habe erst im Mai richtig angezogen, erklärt Hjalmar Comploy, Geschäftsleiter des lokalen Sportler Flagship Stores. Er freut sich über den überraschend guten Saisonstart, der auf ein zweistelliges Plus in der Campingabteilung sowie auf Trailrunning-Schuhe zurückzuführen war. Comploy: „Man merkt, dass die Leute auf dem Berg und in der Natur laufen.“ Das Geschäft mit Kletterware sei konstant und durch die Kletterhallen sommers wie winters aktuell. Sportler setz auf Nachhaltigkeit – sowohl im Umgang mit den Kunden als auch im Umgang mit Ressourcen. Dass die Kunden dafür bereit sind, zeigt sich an der regen Nachfrage nach umweltbewussten Marken wie Patagonia und Vaude.

Im nahegelegenen Vorarlberg setzt die Bergsaison erst Ende Mai ein. Wie Andreas Fink, Geschäftsführer von Ski- & Bergsport Fink in Schwarzenberg bestätigt, hat die Spezialisierung auch im äußersten Westen des Landes noch seine Berechtigung. Und das obwohl nicht der Tourismus, sondern die Einheimischen die tragende Säule sind. Andreas Fink, der das Geschäft in dritter Generation führt, setzt auf höchste Qualität und begegnet der Konkurrenz aus Dornbirn und dem Internet mit der Kompetenz der eigenen Erfahrung.

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Autor: Andreas Mayer

Chefredakteur sportFACHHANDEL / Wanderlust / SkiMAGAZIN

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 08 / 2017