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Indoorschuhe: Mehr Design, weniger Gewicht

  • Marcel Rotzoll
  • Freitag | 27. Juli 2018  |  15:42 Uhr
Schwarz, weiß, blau: Die klassischen Farben der Indoorschuhe werden immer häufiger abgelöst durch bunte Vielfalt. Abseits des Designs legen die Hallensportler immer mehr Wert auf leichtes Schuhwerk.
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Der Markt wächst. Hallenschuhe sind erfolgreich und bieten dem Fachhandel große Wahlmöglichkeiten.
© Mizuno

Hallenschuhe: Ein häufig unterschätzter, dafür umso vielfältigeres Sortiment. Während der Schulzeit benötigt jedes Kind mindestens jährlich neue Hallenschuhe. Später dann sind es die Freizeit- und Vereinshallensportler, die nach dem richtigen Schuhwerk suchen. Steht der Schulsport in der Regel für die Preiseinstiegslage, die von nahezu allen Händler mit abgedeckt werden muss, suchen die Vereinssportler immer häufiger nach Spezialistenmodellen, die den Anforderungen des Sports gewachsen sind oder diese unterstützen. So bieten Indoorschuhe interessante Möglichkeiten der Sortimentsgestaltung. In den verschiedenen Preislagen können aussagekräftige Sortimente mit Multifunktionsschuhen gestaltet werden, während Spezialisten in der Regel eher eine sportartenspezifische Sortimentsgestaltung bevorzugen. Neben dem Schulsport und der Einstiegspreislage, wo multifunktionale Modelle gefragt sind, bleiben Handball und Volleyball die wichtigsten Kategorien für Spezialisten. Auffällig in den vergangenen Saisons: die helle Sohle allein reicht längst nicht mehr. Auf die funktionalen Features folgten die Spezialistenmodelle. Hinzu kommen seit Kurzem die Trends Lightweight und auffällige Designs. Schwarz, weiß und blau bleiben zwar die klassischen Indoorschuh-Farben. Sie werden aber gerade in höheren Preislagen immer häufiger mit frischen Farbstellungen ergänzt.

Es lasse sich feststellen, konstatiert Ralf Schön von Asics, dass Indoor zweistellig wachse und der Durchschnittspreis steige. Generell, fügt Bernd Reishofer von Mizuno hinzu, bestehe eine hohe Nachfrage nach technisch hochwertigen Indoorschuhen. Im Fokus des Marktes steht klar Handball, der Markt wächst. Mehr Nische als Massenmarkt bleiben Volleyball und

die vielen anderen Hallensportarten. „Professionelle Athleten legen zunehmend mehr Wert auf ein besonderes Design und einen eigenen Look, um nicht nur aufgrund ihres Spielstils Akzente zu setzen,“ weiß beispielsweise Oliver Brüggen von Adidas. Bei günstigeren Modellen seien die klassisch kommerziellen Farben wie schwarz, weiß oder blau nach wie vor sehr gefragt. Annette Walz fügt für Puma hinzu: „Auf dem Indoorschuh-Markt sind ähnliche Trends zu beobachten wie z.B. bei Fußballschuhen: Die Konsumenten erwarten nicht nur funktionelle, bequeme Schuhe, sondern auch innovative Technologien und ausgefallene und modische Designs.“ Die Spezialisten stellen neben dem Design stärker auf die sportartenspezifischen Besonderheiten ihrer Schuhe ab. „Ähnlich wie im Running, wird mehr und mehr nach leichten, flexiblen Modellen gesucht.“ erklärt Jan Kratochvil von Salming. „Sie verschaffen zusätzliche Dynamik und ermöglichen ein direkteres Bodengefühl. Man muss aber auch den individuellen Bedarf jeder Sportart berücksichtigen. Diesen Wunsch mit geringem Gewicht und einer optimalen Langlebigkeit zu kombinieren, ist die große Herausforderung für jede Marke.“

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Stabil X, das Adidas-Topmodell für den Handball, kommt mit der Boost-Sohlen-Konstruktion.
© Adidas

Diese Entwicklung kommt den aus dem Laufsport bekannten Marken zu Gute, die ihre bereits erprobten Konzepte auch auf den Hallensport übertragen können. Leichtigkeit und Komfort dominierten die Nachfrage, berichtet Bernd Reishofer: „Im Volleyball und Handball sieht man vermehrt Basketball- und Laufschuhe im Einsatz. Bei Laufschuhen wird vor allem der Komfort als wichtigstes Entscheidungsmerkmal genannt. Bei Basketballschuhen steht man deutlich flacher im Schuh und hat dadurch einen besseren, direkteren Bodenkontakt.“ Auch Ralf Schön bestätigt: „Die Sortimente werden immer mehr eher unter funktionalen Aspekten erstellt als nach Sportart. Stabilität, Cushioning, Lightweight“, wie sie Asics im Tennis eingeführt habe. Lightweight spiele wie im Laufschuhbereich eine immer größere Rolle. Es bleibe aber trotzdem umso wichtiger, „dass die sportartspezifische Funktion inklusive Stabilität und Dämpfung komplett erhalten bleibt.“

Auf diese Trends reagieren die Hersteller. „Leicht, flexibel und strapazierfähig“ sollen die Adidas-Schuhe sein und mit atmungsaktivem Material für hohen Tragekomfort und ein angenehmes Fußklima sorgen. Die eigene Boost-Sohle, ebenfalls aus dem Running-Schuh-Bereich bekannt, soll den Athleten bei Tempogegenstößen, Sprungwürfen oder abrupten Drehungen ein „gelenkschonendes Schuhwerk mit Fersenschutz, festem Sitz und Dämpfung“ bieten, „das mit jedem Schritt Energie an den Fuß zurückgibt“. Auch Puma nutzt die erprobten Schuhtechnologien und überträgt Neuentwicklungen auf die Hallenschuhe: „Insbesondere unser gerade gelaunchter Handball-Schuh Rise XT Fuse“, konkretisiert Annette Walz, „kombiniert eine Slip-on Konstruktion mit Pumas neuer FuseFit-Technologie. Diese ermöglicht eine individuelle Passform mit verschiedenen Schnürmöglichkeiten und hat zudem einen coolen, unverwechselbaren Look. Wir setzen auf starke Farben und junge, moderne Designelemente, die dem Spieler innovative und funktionelle Materialien und zusätzliche Features bieten.“

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Louisa Lippmann ist das neue Volleyball-Testimonial von Asics. Bei den Schuhen steht die aus dem Running bekannte Flytefoam-Technologie im Fokus.
© Asics

Asics reagiert auf die steigende Nachfrage ebenfalls mit Laufschuh-Technologie, genauer der Flytefoam-Sohle, die „die Tendenz zu mehr Laufschuh-Feeling mit satter Dämpfung im Indoorbereich“ abbilden kann. Flytefoam kommt beispielsweise im Netburner FF oder im Blast FF zum Einsatz. Die Entwicklung hin zu mehr Running-Komfort, spiele auch Salming in die Karten, berichtet Jan Kratochvil. Beim aktuellen Modell Hawk handele es sich „um die perfekte Kombination aus einem leichten, flexiblen und einem weichen, sehr bequemen und vor allem stabilen Schuh.“ Mit „neuartigen Materialien“ wie Matryx oder den Michelin-Sohlen will Spezialist Kempa beim Trend zu noch mehr Leichtigkeit punkten. „Stand heute haben wir den leichtesten Handballschuh am Markt“, ist man überzeugt. Und Uhlsport-Vertriebsgeschäftsführer Dominik Solleder kommentiert: „Durch die Öffnung der Marke Kempa für Sportarten außerhalb des Handballs, bekommen wir mehr und mehr Nachfrage aus anderen Sportarten wie Volleyball, Indoor-Hockey, Fechten etc.“

Für Mizuno, setzt Bernd Reishofer einen anderen Akzent, sei es der Anspruch, „für jeden Spielertyp den richtigen Schuh im Portfolio zu haben“. Mit dem im vergangenen Jahr überarbeiteten Mirage setze man im Handball und im Volleyball weiterhin den Fokus auf Komfort, cleanen Look und „lifestyligere“ Farben. Für Volleyballer orientiere sich der Wave Luminous „an der klassischen Mittelsohle eines Laufschuhs. Er stehe vor allem für Komfort.“ Im kommenden Sommer werden zudem die neue Kategorie „Hybrid Power“ eingeführt. Darunter fallen Schuhe mit Bootie-Konstruktion, Wave Technologie sowie einer U4icX Zwischensohle. Sie sollen eine Kombination aus „optimaler Stabilität sowie Komfort und Dämpfung“ bieten.

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Auch der Volleyball-Schuh Luminous von Mizuno orientiert sich an der klassischen Mittelsohle eines Laufschuhs.
© Mizuno

Um den Teamsportfachhandel zu unterstützen, lassen sich die Lieferanten einiges einfallen. Mizuno wird von Juli bis Oktober eine Test & Feel Tour mit über 130 Stationen veranstalten. Bei der Promotion-Aktion „Speed Challenge“ kann im Geschäft beispielsweise die Wurfgeschwindigkeit von Handballern gemessen werden. Neben klassischer Verkaufsunterstützung steht bei Salming jedem Händler ein Online-Baukasten zur Verfügung, um Kunden digital „umfassend und mit geringem Mehraufwand anzusprechen“. „Wing vs. Attack“ heißt es bei Kempa. Mit der Gegenüberstellung der beiden Schuhmodelle wolle man die unterschiedlichen Spielertypen „differenziert ansprechen“. PoS-Materialien, Produktschulungen, Teamsportabende, die Kempa-Roadshow mit Test-Eventmodul in Vereinen sollen dem Fachhandel die Möglichkeit geben, „die Kempa Indoorschuhe möglichst nah am Endverbraucher zu präsentieren und zu demonstrieren“.

Puma bietet Kampagnen-Motive mit Top-Handballern wie z.B. Tobias Reichmann oder Julius Kühn an, die vor allem digital umgesetzt werden. Im Rahmen der Handball-WM 2019 im Januar wolle man zudem „unsere Sichtbarkeit im Indoorbereich erhöhen“. Zudem wollen die Herzogenauracher zukünftig auch wieder verstärkt im Basketball angreifen. Jüngst wurde zum Wiedereinstieg in diese Kategorie die amerikanische Basketball-Legende Walt „Clyde“ Frazier mit einem lebenslangen Vertrag ausgestattet. Adidas schließlich will exklusive Produkte bereitstellen und „Partner in die Produktkreation“ einbinden. Zugang zu Adidas-Athleten oder „die Unterstützung bei einem Produkt-Launch mit individuellem Aktivierungsmaterial“ gehören ebenso zur Handelsunterstützung.

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Der Rise XT Fuse von Puma kombiniert eine Slip-on-Konstruktion mit der neuen FuseFit-Technologie.
© Puma

Was für die Hersteller hohen Wettbewerbsdruck bedeutet, heißt für den Handel, dass der Markt noch halbwegs in Ordnung ist. Auf diese verkürzte und einfache Formel lässt sich der Indoorschuh-Markt bringen. Nicht zwei große Global Player dominieren mit Marktanteilen über 45 Prozent den Markt, sondern die Vielfalt der Schuh-Lieferanten lässt dem Handel große Entscheidungsfreiheit und vor allem die freie Qual der Wahl. Das bedeutet natürlich nicht, dass der Markt nicht wettbewerbsintensiv sei. Ganz im Gegenteil. Aber statt der Abhängigkeit von wenigen vorverkauften Marken kann der Fachhandel bei den Schuhherstellern aus dem Vollen schöpfen.

Marcel Rotzoll

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Autor: Marcel Rotzoll

Stellv. Chefredakteur sportFACHHANDEL

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 10 / 2018