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Handschuhe & Accessoires: Geschätzte Aufmerksamkeiten

  • Andreas Mayer
  • Montag | 24. November 2014  |  11:45 Uhr
Handschuhe und Accessoires markieren seit eh und je für den Sportfachhandel ein gutes Zusatzgeschäft.
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Insbesondere, wenn das Thermometer kurz vor Weihnachten Minusgrade anzeigt, wächst der Bedarf nach funktionellen Modellen und kuschelig-warmen Schals. Doch wonach sucht der Kunde eigentlich? Neben dem wichtigen Kriterium Wärme, spielen immer häufiger Qualität, innovatives Design und neue, technische Gadgets eine tragende Rolle.

Text: Astrid Schlüchter

Schon längst zählt der Accessoiresbereich im Sportfachhandel nicht mehr nur zum schmückenden Beiwerk. Ganz im Gegenteil, geht es um Mütze, Handschuh, Brille & Co, lohnt es sich im Shop-Regal Platz zu schaffen. Denn nicht nur der Kunde sucht gezielt nach dem passenden Modell für die nächste Ski-, Outdoor- oder Snowboardtour– er möchte zudem auch noch gut beraten sein! „Accessoires bringen Frequenz in den Laden, das merken wir immer öfter. Und zwar nicht nur im Lifestylebereich. Coole Mützen, Handschuhe und Schals wandern oft beim Einkauf zusätzlich in den Warenkorb – geht es jedoch um die nächste Skitour, den Einsatz am Berg oder im Sommer um die anstehende Mountainbikerunde, verlangt der Kunde nach intensiver Beratung“, erläutert Andrea Steinberger, Fachverkäuferin bei Bergzeit am Tegernsee. Die einen ordnen Accessoires den einzelnen Abteilungen zu, andere räumen dafür eigens Flächen leer, wie Sport Schuster aus München, der regelmäßig zu Beginn des Wintergeschäfts das Erdgeschoss für das Segment zur Verfügung stellt. Ganz egal, wie man sie letztendlich präsentiert, Accessoires sind und bleiben geschätzte Aufmerksamkeiten.

Thema „Funktion“. Technisch soll er sein, der neue Handschuh fürs Skifahren, Snowboarden oder die anstehende Winterbergtour. Kalte Hände sind ebenso ein Tabu wie Feuchtigkeit oder Wärmestau. Die Hersteller bieten deswegen je nach Einsatz und Aktivität gleich mehrere Alternativen an, haben jedoch alle das gleiche Ziel vor Augen: besonders wärmende Eigenschaften mit bester Atmungsaktivität und geringem Gewicht zu vereinen. „Für uns steht das Thema Wärme nach wie vor im Vordergrund. Dabei geht es in erster Linie um eine perfekte Materialkombination, wie z.B. Leder und Daune. Mit diesem Konzept konnten wir sogar letzten Winter überdurchschnittlich gute Abverkäufe erzielen“, so Martin Hannemann von Reusch. Auch Ziener setzt im Winter 2015/16 auf Wärme, so sorgen weiche Fütterungen wie Primaloft-Insulationen, die zusammen mit hochwertigen Funktions-Oberstoffen und der wasserdichten, atmungsaktiven Aquashield Membrane für großen Wohlfühlkomfort im Handschuh. Auch eine speziell wärmende, reflektierende Folienbeschichtung kommt in Kombination mit Isolationsstoffen zum Einsatz. Dabei garantiert eine Aluschicht auf der Oberhand, dass Wärme gespeichert wird und nicht nach außen dringen kann. Eider schwört auf das innovative Polartec Alpha – so ist der „Blow Alpha Glove“ besonders warm und atmungsaktiv, die antibakterielle Polygiene Behandlung macht den sportlichen Handschuh zudem geruchsneutral. Das Zauberwort bei Hestra heißt Ergo Grip – die überlappend genähten Ebenen und vorgeformten Finger haben eine ideale Passform und bieten maximalen Griff. Und auch Membranspezialist Gore-Tex hat es auf Wärme abgesehen, im kommenden Winter zählt man auf die Technologie „+ Gore warm“. „Hände werden aufgrund von einer reduzierten Blutzirkulation kalt“, erklärt Kip Sturgill, Produktspezialist bei Gore. „Außerdem sorgen feuchte Hände für einen noch schnelleren Wämeabtransport. Unsere Studien haben gezeigt, dass ein Skifahrer durchschnittlich 5 Gramm Schweiß pro Hand pro Stunde produziert. Die Nässe wird vom Material des Handschuhs aufgenommen und der größte Teil nach außen transportiert. Ein Rest sammelt sich jedoch im Handschuh – mit dem Effekt, dass das Isolationsvermögen reduziert wird. Nach Studien und Analysen dieses Prozesses haben wir + Gore warm entwickelt, wodurch die Hände länger warm bleiben.“

Thema „Qualität & Design“. „Die Top-Themen sind und bleiben Qualität, innovatives Design und Wärme. Danach geht es dann um den jeweiligen Einsatzbereich und den Look. Das Modell „Alaska Mitt Gore-Tex“ kombiniert zum Beispiel verschiedene Materialien, wie Primaloft, ein spezielles Seidenfutter und Suisse Wool mit Gore-Tex + warm“, so Jörg Ruedl von Level. Ein weiterer wichtiger Punkt sind die Langlebigkeit und Strapazierfähigkeit der Handschuhe. „Im Laufe der vergangenen 80 Jahre haben wir uns ein solides Handwerks- und Materialwissen angeeignet, so dass wir genau wissen, wie man Außenmaterial, Isolation und Futter kombinieren, um einen optimalen Mix aus Wasserbeständigkeit und Isolation zu erreichen. Beginnend mit der sorgfältigen Auswahl des Leders über die Kombination mit herausnehmbaren Futtern, bis hin zu Tipps und Tricks zur Handschuhpflege, leiten wir viele Schritte ein, langlebige Produkte zu erschaffen“, erläutert Bengt Ole Tallborn, Geschäftsführer Hestra Handschuhe GmbH.

Thema „Wearable Technologies“. Der Frost stellt Smartphonefans auf eine hohe Probe, denn oft lassen sich Touchscreens mit Handschuhen nicht bedienen. Noch unangenehmer wird die Situation auf der Skipiste – Handschuh aus, Handschuh an – das Winterwetter macht Smartphone-Usern in fast allen Lagen zu schaffen. Sobald man einen wärmenden Handschuh über seine Finger streift, reagieren die berührungsempfindlichen Bildschirme von iPhone und Co. nicht mehr auf gewünschte Eingaben. Dank eines leitfähigen Spezialgewebes an Daumen und Zeigefinger können Touch-Screen-Geräte ab sofort optimal bedient werden. Und: Ziener sorgt mit dem angepriesenen Heating System bei allen weiblichen Frostbeulen auch noch für warme Hände. „Vor allem Frauen fragen immer häufiger nach Lösungen, wie man die Hände bei frostigen Temperaturen schön warm halten kann,“ bestätigt Andrea von Bergzeit den neuen Trend. Kleine, flache und wieder aufladbare Lithium-Ionen-Akkus, die mit Hilfe eines Klettverschluss-Systems in die Handschuhstulpe eingesetzt werden, sorgen dafür, dass die Hände wohlig warm bleiben. Über eine Funktionstaste auf der Oberhand können drei Heizstufen reguliert und mittels Leuchtdioden angezeigt werden.

Thema „Mütze, Sportbrille, Schal & Co.“. Wie sieht es mit Trend-Accessoires, wie Mützen, Banderas, funktionellen Schaltüchern und Sportbrillen aus? Lückenfüller oder eigener Geschäftszweig? „Accessoires sind echte Margenbringer und deshalb sehr wichtig für das Geschäft. Wenn es zum Beispiel um den Verkauf von Outdoor- oder Laufschuhen geht, sollte der Händler auch immer die geeignete Socke anbieten. Ist der Winter z.B. sehr kalt, werden auch mehr Mützen und Handschuhe verkauft. Je nach Einsatzbereich stehen modische oder funktionale Aspekte im Vordergrund. Letztendlich sollen Accessoires ein Outfit immer komplettieren“, erklärt Marco Zitzelsberger, stellvertretender Leiter Einkauf Textil bei Intersport. So auch im Fall des spanischen Schlauchtuch-Spezialisten Buff, der bereits vor 20 Jahren begonnen hat, mit den funktionellen Schals den Markt zu erobern. Kurze Zeit später sah man die bedruckten Schalvarianten nicht mehr nur im Skigebiet, sondern auch auf den Straßen großer Metropolen. Jetzt schließt Buff die Lücke und bringt eine eigene modische Mützenkollektion in den Handel.

Mützen sind als Trend-Accessoire so oder so nicht mehr wegzudenken, ebenso wie die passende Brille und entsprechende Socke zum Lauf- oder Outdoorschuh. „Accessoires sind mehr als nur ein Zusatzgeschäft. Aufgrund der vielfältigen Einsatzmöglichkeiten beim Sport oder in der Freizeit entwickeln sich die Accessoires mehr und mehr zu einem eigenständigen Standbein, das mit einer hohen Breite im Sortiment ausgestattet ist und entsprechende Umsätze und Erträge generiert“, erklärt Oliver Birkenfeld, Multichannel Einkäufer bei Sport Scheck München Accessoires, Brillen, Helme, Handschuh, Kopfbedeckungen, Reisegepäck, Daypacks.

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Mayer

Autor: Andreas Mayer

Chefredakteur

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 21 / 2014