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Generation Y: Viel besser als ihr Ruf!

  • Andreas Mayer
  • Donnerstag | 13. Dezember 2018  |  17:28 Uhr
„Die denken doch nur an Party und Freizeit, sind eingebildet und wissen gar nicht mehr, was arbeiten heißt“, heißt es unter nicht vielen Arbeitgebern in der Industrie und im Handel. Die Rede ist vom Nachwuchs, und hier insbesondere von der Generation Y und den so genannten Millennials. Das Problem: Ohne sie kommen die Unternehmen auch nicht aus! Höchste Zeit also, den eigenartigen Nachwuchs zu verstehen, auf ihn zuzugehen und dessen Potenziale vorurteilsfrei zu nutzen!

{c||0}Wir sind die Generation X. Damit wird die geburtenschwache Generation der Jahrgänge 1965 bis 1980 bezeichnet, die nach den so genannten Baby-Boomern kam. Wir können noch arbeiten! Wir haben noch Pflichtgefühl und Biss, haben für den Job unsere Ehe geopfert und unsere Kinder vernachlässigt! Und jetzt? Jetzt kommen die, die alles besser wissen und ständig fragen: „Warum?“

Kein Wunder also, dass die junge Generation am Arbeitsplatz „Generation Why“ bzw. „Y“ heißt! Diese so genannten „Millennials“ ist die erste Generation der „Digital Natives“ und kann noch in „Generation Y“ und „Generation Z“ differenziert werden, je nachdem, ob eher Twens und junge Eltern oder Teenager gemeint sind. Das Hauptkriterium aber bleibt: Ihr Medienkonsum ist vom Smartphone geprägt. Und sie stellt die Arbeitswelt auf den Kopf!

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Die so genannten „Millennials“ der „Generation Y“ und „Generation Z“ sind die ersten „Digital Natives“. Ihr Medienkonsum ist vom Smartphone geprägt. Und sie stellen die Arbeitswelt auf den Kopf!
© SFH

Woher das Selbstbewusstsein dazu kommt, ist klar: Die „jungen Wilden“ haben größtenteils einen akademischen Hintergrund und können von ihren Arbeitgebern mehr fordern, da sie durch den demografischen Wandel weniger Mitbewerber haben.

Die Jahrgänge 1980 - 1995 haben bereits diverse Umbrüche und Krisen mitbekommen. Dadurch sind sie es gewohnt, mit Ungewissheiten in der Lebensplanung zu leben, sich neuen Umgebungen anzupassen und möglichst viele Optionen offen zu halten – privat sowie beruflich. Generation Y ist dadurch die internationalste, örtlich flexibelste und vielsprachigste Generation, die jemals die Arbeitswelt betreten hat – sie hat aber auch bestimmte Vorstellungen von ihren Arbeitsbedingungen. Die junge Generation will selbst denken und handeln und zudem eigenverantwortlich, mobil und flexibel arbeiten. Sie legt Wert auf Sinnhaftigkeit, Transparenz und Nachhaltigkeit bei der Arbeit. Die persönliche Entfaltung ist ihr wichtiger als die Karriere im klassischen Sinne. Sie arbeitet intensiv, geht aber in vielen Felder einfach weniger Kompromisse ein als vorherige Generationen.

Eine aktuelle und repräsentative Studie des Marktforschungsinstituts SPLENDID RESEARCH untersucht genau diese Unterschiede zwischen den Generationen und liefert dazu exakte Detailergebnisse. Dafür haben die Forscher von Mai bis Juni 2018 insgesamt 1.005 Arbeitnehmer mit akademischem Hintergrund im Alter von 18 bis 58 Jahren online befragt. Wichtige Ergebnisse zum Beispiel sind: Die Generation Y ist deutlich stärker als ältere Arbeitnehmer dazu bereit, auf Gehalt zu verzichten, um dafür bestimmte Zusatzleistungen zu erhalten: 43 Prozent von ihnen geben an, weniger Geld für bestimmte Leistungen in Kauf zu nehmen; bei der Generation X ist es hingegen nur ein Viertel. Insgesamt 19 unterschiedliche Zusatzleistungen untersucht die Studie: Die Spannweite erstreckt sich dabei von klassischen Leistungen wie Urlaubsgeld, Boni und betrieblicher Altersvorsorge bis hin zu eher wenig verbreiteten Angeboten wie Konzert- bzw. Eventkarten, Kochkursen oder Reise- und Urlaubsofferten.

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Gute Hilfe für Unternehmer: Das Forschungsinstitut Splendid Research hat herausgefunden, was Mitarbeiter verschiedener Generationen aktuell am meisten bewegt.
© Splendid Research

Der Generation Y hat es dabei vor allem der Dienstwagen angetan. So wäre sie bereit, auf elf Prozent ihres monatlichen Brutto-Lohns dafür zu verzichten. An zweiter Stelle mit acht Prozent Verzicht steht der Kita-Kostenzuschuss. Bei der Generation X liegt dieser auf Platz eins: Auf gut neun Prozent des Monatsgehalts würden ältere Arbeitnehmer dafür verzichten. Keine andere Leistung ist hier so begehrt. Doch auch durch einfacher bereit zu stellende Zusatzleistungen können Arbeitgeber ein attraktives Umfeld für ihre Angestellten schaffen. So stehen beispielsweise freie Getränke und Obst hoch in der Gunst der Akademiker beider Generationen.

Überraschenderweise ähnelt sich die Einstellung zum Arbeitsplatz: So tendieren beide Altersgruppen im Durchschnitt dazu, lieber lange in einem einzigen Unternehmen zu arbeiten als dieses regelmäßig zu wechseln. Und trotz Digitalisierung und der damit einhergehenden Flexibilität, was beispielsweise den Arbeitsort betrifft, steht ein Wert nach wie vor ganz oben auf der Liste der Ansprüche an den eigenen Arbeitsplatz: Sicherheit im Job. Sie ist eines der wichtigsten Attribute und steht sogar über flexiblen Arrangements. Gleichwohl ist die Transformation der Arbeitswelt unaufhaltsam und neue Modelle finden immer stärker Einzug. Jüngere Arbeitnehmer kennen und schätzen New-Work-Konzepte dabei häufiger als die Generation X.

Überraschend auch die Ergebnisse zum Thema Überstunden: Im Generationenvergleich sind jüngere Arbeitnehmer sogar deutlich mehr dazu bereit, länger zu arbeiten: So machen gut 29 Prozent der Berufstätigen der Generation Y wöchentlich ein bis zwei Überstunden; bei den älteren Angestellten liegt diese Zahl bei 22 Prozent. Für 39 Prozent der Generation Y sind drei bis vier Überstunden pro Woche durchaus akzeptabel. Damit liegt diese Zahl deutlich über dem Ergebnis der Generation X, bei der nur ein Viertel bereit ist, wöchentlich Überstunden in dieser Höhe zu leisten.

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Eine flexible Arbeitsplatzgestaltung liegt der Generation Y besonders am Herzen. Dies beinhaltet auf jeden Fall die Möglichkeit für Home Office.
© Splendid Research

„Studien widerlegen die pauschalen Zuschreibungen an die Generation Y“, heißt es auch in einer Untersuchung des Instituts für angewandte Arbeitswissenschaft in Düsseldorf. Diese Generation sei eine vielfältige, heterogene Gruppe, die gar nicht auf einen Nenner gebracht werden könne. Auch die jüngeren Arbeitnehmer unterschieden sich in ihrer Persönlichkeit, ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten. „Das gilt für die Generation Y ebenso wie für die Vorgängergenerationen“, erklärt Studien-Autorin Sibylle Adenauer, die insgesamt sieben Studien, die sich mit den Eigenheiten der Generation Y befassen, ausgewertet und verglichen hat. „Ich konnte auf dieser wissenschaftlichen Basis nicht nachvollziehen, woher die pauschalen Zuschreibungen kommen.“ Die Wissenschaftlerin vermutet, dass diese eher von Medien und Personalfachleuten weitergetragen werden, ohne genauer hinterfragt zu werden – von den Jüngeren selbst jedenfalls stammten die Zuschreibungen nicht.

Für Unternehmen sind diese Erkenntnisse sehr wichtig. „Es hieß bislang immer, die Personalarbeit müsste in den Unternehmen völlig umgestellt werden“, erklärt Sybille Adenauer. „Das ist aber nicht der Fall.“ Und da man die Jüngeren nicht einfach in einen Topf werfen könne, müsse in den Personalabteilungen „genau und differenziert hingeschaut werden, wer da vor einem steht. Das war aber schon immer so,“ so die Düsseldorfer Wissenschaftlerin weiter.

„Bei der Generation Y gilt für Arbeitgeber wie bisher: hinhören, hinschauen“, weiß auch Gerd Bittl-Fröhlich, Inhaber der Internet basierten Schulungsplattform sportsella für Verkäufer im Sportartikelhandel. „Jede jüngere Generation stellt die Älteren vor neue Herausforderungen, bietet aber auch jede Menge neue Chancen.“

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Neueste wissenschaftliche Ergebnisse zeigen: So groß sind die Unterschiede zwischen den vor und nach 1980 geborenen Arbeitnehmern gar nicht. Der Mythos, dass durch die Generation Y die Arbeitswelt komplett auf den Kopf gestellt wird, ist in Umfragen nicht zu erkennen.
© Splendid Research

Arbeitgeber, die um qualifizierten Nachwuchs konkurrieren, müssen sich diesen Herausforderungen aber stellen. „Bei unserer Partnerplattform sport-job.com stellen wir fest, dass sich immer mehr Betriebe mit professionellem Employer Branding entsprechend darstellen. Der gute Mitarbeiter entscheidet sich für das Unternehmen und nicht mehr umgekehrt,“ beobachtet Bittl-Fröhlich.

„Was den Sportfachhandel betrifft, denke ich, sollten wir versuchen aus der Welt der Hotelerie und Gastronomie zu lernen, was Arbeitszeitmodelle betrifft. Junge Mitarbeiter mit ihrer Kreativität und Sicht auf die Welt können hoch motiviert zur Erneuerung des Unternehmens von Innen heraus beitragen. Dann kommt das regelmäßige Selfie vom coolen Job von allein,“ so Gerd Bittl-Fröhlich weiter. „Durch unserer Lehrlingsprojekte in Deutschland und Österreich können wir zudem feststellen, dass die Jugendlichen – auch wenn sie auf Fun am Arbeitsplatz besonderen Wert legen – von erfahrenen Menschen gefördert werden müssen. Mit einer Perspektive und einem guten Guide an der Seite wird es eine sehr erfolgreiche Tour werden ...

Andreas Mayer

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Autor: Andreas Mayer

Chefredakteur sportFACHHANDEL / Wanderlust / SkiMAGAZIN

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 13 / 2018