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Fussball, Handball, Volleyball: Dank Teamsport auch 2015 alles im Griff

  • Andreas Mayer
  • Donnerstag | 20. November 2014  |  11:37 Uhr
Die Rabattspirale dreht sich immer schneller, beklagen sich viele Händler. Wer am Ball bleiben will, muss den Preisverhau notgezwungen mitmachen. Die Kunden, sprich in diesem Fall die Vereine, haben sich daran gewöhnt. Doch pfiffige Teamsporthändler haben Gegenstrategien entwickelt. Denn das Business ist trotz starken Wettbewerbs weiterhin lukrativ auch nach dem Fußballsommer 2014. Gerade auch in anderen Teamsportarten punkten die Händler.
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Text: Nicolas Kellner

Rabattschlachten hin oder her, zwei Punkte sind unerlässlich im Bereich Teamsport und beflügeln das Geschäft immer wieder: Partnerschaft und Lieferfähigkeit. Gemeint ist die Partnerschaft zwischen Händler und Marke einerseits und die enge vertrauliche Verbindung zwischen Händler und Verein andererseits. Für den Berliner Teamsporthändler Andreas Küstner (Teamkontor) zum Beispiel ist natürlich bei der Auswahl der Marken und Sortimentsteile die Marge wichtig, vor allem aber auch die Zusammenarbeit mit dem Anbieter: Rufen die Außendienstler an und kommen vorbei? Kennen sie die Auslastung und Bestückung im Laden, kennen sie die Vereine und deren Wünsche? Nur so können sie schnell und unürokratisch bedient und betreut werden, wenn es um unterschiedliche oder fehlende Größen geht, um Sonderwünsche oder um spezielle Wochenendeinsätze beziehungsweise -betreuung.

Mitmachen, um Fuß in die Tür zu kriegen: Teamsport ist harte Arbeit. Wer liefern kann, ist klar im Vorteil. Die Jakos und Kempas dieser Welt sind auf diesem Feld Vorreiter, bestätigen Teamsporthändler immer wieder. Nicht der Markename alleine kann hier punkten. Vielmehr haben beiden Teamsportanbieter die Messlatte in Sachen Lieferfähigkeit hochgehängt. Auch im Bereich der „customized“ Trikots gilt der zu Uhlsport gehörende Handballausrüster Kempa als wegweisend. Die Kataloge (Schuhe/Trikots/Bälle), aber auch der berühmte Online-Creator von Kempa zur individuellen Trikotgestaltung sorgte früh im Markt für Furore. Als Ausstatter der deutschen Nationalhandballer und zahlreicher weiterer europäischer und nordafrikanischer Teams strahlt die Marke vorbildlich auch ins Vereinsgeschäft der unteren Ligen aus. Das wissen Händler zu nutzen. Dennoch herrscht auch in diesen Ligen ein gnadenloser Preiskampf, den auch Lars Vetterlein von der Sportfabrik in Leipzig mehr als zur Genüge kennt. „Wir müssen mitmachen, um überhaupt einen Fuß in die Tür der Vereine zu bekommen“, sagt der langjährige Teamsport-Spezialist. Der Händler weiß nach 18 Jahren im Geschäft, wovon er redet und hofft, dass das Problem nicht noch größer wird. Vetterlein und seine Kollegen wollen nicht nur mit-, sondern auch dagegenhalten und kümmern sich vor Ort auch um die kleinsten Vereine oder suchen die Zusammenarbeit mit Schulen. Das klappt ganz gut, wenn man Auswahl hat, Service bietet und immer liefern kann beziehungsweise ein Ohr offen hat!

„Damit haben wir uns einen Namen in ganz Sachsen gemacht“, freut sich der Händler. Handball, Fußball und Volleyball sind die Spitzenreiter. Das Markenportfolio bei der Sportfabrik beinhaltet unter anderem Erima, Adidas, Kempa, Hummel und auch Pro Touch, die Eigenmarke von Intersport. In diesem Jahr konnte die Einkaufsgenossenschaft bei ihren angeschlossenen Händlern bereits im Mai einen kräftigen Umsatzschub durch Teamsport verbuchen, was als ermutigendes Zeichen für den Rest des Jahres gewertet wurde. Selbstverständlich konnte auch das EK-Pendant Sport 2000 bei seinen Händlern von einer positiven Geschäftsentwicklung im Bereich Teamsport seit Frühjahr berichten.

Ähnlich wie mit den Outdoor Profis hat Sport 2000 mit der Gruppe Teamsport Profis einen Spezialistenverbund aufgebaut, der sich immer erfolgreicher auf das Vereinsgeschäft stürzt.

11Teamsports setzt Maßstab: Als stärkstes Pferd im Stall des Händlerverbandes gilt in dem Zusammenhang 11Teamsports. Der Filialist eröffnete im Sommer erst seinen größten Shop mit rund 1400 Quadratmetern Verkaufsfläche in Berlin. Dort steht vor allem Fußball im Mittelpunkt, mit einem 3D-Scaner von Nike, mit spektakulären Angeboten und Displays von Puma und Adidas sowie ausgewählten weiteren Marken. Das futuristische Ladenkonzept spricht den Fußball-Hardcore-Fan, aber auch Otto-Normalverbraucher an. Nichtsdestotrotz wird über die Website und über die persönliche Beratung intensiv der Kontakt zu den Vereinen in Berlin und Umland gesucht. Oliver Schwerin, Gründer von 11Teamsports (Crailsheim) bezeichnet sich selbst als größter Fußball-Onlineshop im deutschsprachigen Raum und kann auf über 500.000 Kunden zurückgreifen. Der Handel bleibt also mit tollen neuen Laden- und Präsentationskonzepten, die teilweise auch mit den Herstellern ausgetüftelt werden, am Ball. Denn Teamsport boomt weiter – auch im Bereich Fußball.

Spagat zwischen Teamsport und Lifestyle: So kann sich Torwart-Spezialist Reusch etwa über mangelnde Nachfrage nicht beklagen, erklärt Martin Hannemann, Geschäftsführer der Reusch Deutschland GmbH, im Gespräch mit sportFACHHANDEL. Als Handschuh-Spezialist genieße man in der Branche, also vor allem im Handel und bei den Aktiven, einen hervorragenden Ruf. Und auch hier wieder bestätigt Hannemann, der ständig auf Achse ist zu seinen Vertriebspartnern: Neben der guten Qualität und Innovation im Bereich Torwarthandschuhen seien die Punkte Verfügbarkeit und Lieferfähigkeit das A und O. Da haben sich bereits spezielle Versender im Markt entsprechend positioniert wie etwa Sport Burkhart in Garmisch-Partenkirchen, die insbesondere Torwartartikel von Reusch auf Lager haben und auch innerhalb von 24 Stunden versenden. Der süddeutsche Versandhändler versteht sich als größter Spezialanbieter für Reusch. Und beim dänischen Teamsport-Spezialisten Hummel baut man inzwischen auch ein NOS-Programm auf, erklärt Hummel-Deutschland-Chef Jens Binek gegenüber sportFACHHANDEL. Man habe gesehen, wie wichtig es ist, Ware immer verfügbar zu halten. Die seit einigen Jahren im Privatbesitz geführte Marke hat in den vergangenen Jahren den Spagat zwischen Lifestyle und konsequentem Teamsportbusiness geschafft, nachdem man gemerkt habe, dass man als Nischenanbieter im Handballsektor nicht mehr überleben konnte. Daher stieß man überzeugend in die Bereiche Fußball und Sneaker vor. Hummel betreibt auch eigene Trendshops (in Berlin, Hamburg, München), die allerdings dem Teamsportbusiness keine Konkurenz machen sollen und vielmehr als Markenbotschafter und reine Sneaker-Läden etabliert wurden.

An großen Playern führt kein Weg vorbei: Derweil führt an den großen Playern für das zielgerichtete Teamsportgeschäft kein Weg vorbei. Für Adidas bleibt Fußball auch 2015 ein Riesen-Trendsetter in Sachen Teamsport, sowohl im DACH-Raum als auch europaweit. Marktforschungsergebnissen zufolge hat der Schuhmarkt in Deutschland gegenüber den ersten acht Monaten im Vorjahr leicht zugelegt. Insgesamt (inklusive Bälle und Trikots) sei eine stärkere positive Entwicklung anzunehmen, freut man sich aktuell bei Adidas, in anderen europäischen Ländern zeigten sich unterschiedliche Marktentwicklungen im Fußballschuhsegement. Besonders freut sich die Drei-Streifenmarke über Mehrverkäufe „sowohl im Ball- und Lizenzbereich als auch im Schuhbereich“. Und immer wieder stellt sich die Frage, wie sich Spezialisten im Teamsport versus Sport-Allrounder schlagen? Für Adidas zeichnet sich ab: Alle Vertriebskanäle hätten von der erfolgreichen Weltmeisterschaft und dem WM-Titel der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft profitieren können – nicht zuletzt durch die schnelle Beschaffung der Sterne-Trikots durch Adidas. „Sehr positiv“ zeigt sich die Saison 2015 und laufe die Order an. Insbesondere die neuen Fußballschuhmodelle (11Pro wird im Dezember 2014 herausgebracht und der neue F50 erscheint im Februar 2015) seien ein voller Erfolg. Außerdem sehe man einen sehr positiven Trend im Abverkauf von Adidas Footwear. Die Konzepte „Battle Pack“ und „Predator“ hätten voll durchgeschlagen.

Vororder bestätigt Trend aus 2014: Erima-Sprecher Michael Magnussen bestätigt: „Die Vororder für die Saison 2015 knüpft an die Erfolge aus diesem Jahr an. Neben unserer neuen Teamsport-Kollektion, die gut am Markt ankommt, haben wir auch mit unseren Saisonkollektionen Running und Feel Green für die Saison Frühjahr/Sommer 2015 die Bedürfnisse des Marktes getroffen. Das schlägt sich in den guten Vororder-Zahlen für 2015 nieder. Aus seiner Sicht würden sich der Markt in D/ A/ CH und auch europaweit sehr gut entwickeln. „Wir konnten bis zum 3. Quartal 2014 ein Umsatzwachstum von zirka 13% im Vergleich zum Vorjahr erzielen. In Deutschland sind wir dabei sogar um knapp 18% gewachsen. In allen Märkten zahlen sich dabei unsere hohe Lieferfähigkeit von 99 Prozent, der gute Service bei der Betreuung der Sportfachhändler und die hohe Qualität unserer Produkte aus. „Unsere internen Prozesse haben wir dahingehend optimiert, dass wir den Sportfachhändlern eine hohe Lieferfähigkeit, Kollektionen, die zu vielen Teamsportarten passen, und eine Nachlieferfähigkeit von vier Jahren auf diese Kollektionen anbieten. Das kommt bei den Sportfachhändlern und Vereinen sehr gut an.“ Mit Fußball macht der Ausrüster in Deutschland zirka die Hälfte seines Umsatzes.

Wolfram Mannherz, Eigentümer und Geschäftsführer von erima
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Auffällig und prominent: Adidas bei 11Teamsports in Berlin

„Umsatzwachstum von 13 Prozent“

sportFACHHANDEL: Herr Mannherz, spüren Sie einen WM-Boom bei Erima?

Wolfram Mannherz: Wir bei Erima spüren im Jahr 2014 einen sehr großen Boom. Seit Anfang des Jahres liegen wir bei einem Umsatzwachstum von knapp 13 Prozent. Die Fußballweltmeisterschaft hat in Deutschland sicher eine große Euphorie ausgelöst und das Interesse an Fußball weiter gestärkt. Ich sehe darin aber nicht den Hauptgrund für unseren momentanen Erfolg. Viel mehr haben unsere sehr erfolgreiche Produktpalette, unsere extrem hohe Lieferfähigkeit mit über 99% und unsere starke Beziehung zum Fachhandel einen großen Einfluss auf unser positives Ergebnis in diesem Jahr.

Sie sind auch in anderen Teamsportarten als im Fußball unterwegs. Wie ist hier ungefähr das Verhältnis?

Erima ist in sehr vielen Teamsportarten beheimatet. Ob Fußball, Handball, Volleyball, Tennis, Running, Leichtathletik, Turnen oder dem Sportschießen: Wir stellen für diese und viele andere Sportarten die passende Ausstattung zur Verfügung und sind in diesen Sportarten sehr erfolgreich unterwegs. Fußball nimmt dabei im Verhältnis – sicher auch aufgrund seiner Beliebtheit – eine dominierende Stellung ein. Wir machen ca. die Hälfte unseres Umsatzes in Deutschland im Fußballbereich.

In welchem Bereich konnten Sie besondere Wachstumsraten erzielen?

Neben dem allgemeinen Wachstum haben wir auch in den einzelnen Sportarten starke Zuwächse erzielt. So konnten wir dieses Jahr beispielsweise im Running, Leichtathletik und Volleyball ein einstelliges Umsatzwachstum erzielen. Stark gewachsen sind wir auch in den Bereichen Fußball, Tennis und Handball. Unterstützt durch unser Engagement beim Deutschen Tennisbund seit Anfang des Jahres, dem Aufstieg des 1. FC Köln in die Fußball-Bundesliga und dem Triumpf unseres Partners SC Flensburg-Handewitt in der EHF Champions League konnten wir auch in diesen Sportarten große Zuwächse erzielen.

Lohnt sich das Vereins-, Schul- oder Firmengeschäft eigentlich noch?

Das Vereins-, Schul- und Firmengeschäft ist unser Kerngeschäft. Und dass sich dieses Geschäft immer lohnt, zeigt unser Erfolg in diesem Jahr.

Fakt ist aber auch, dass zu viele Rabatte gegeben werden: Von den Anbietern an den Handel und vom Handel an die Vereine. Bei diesem Geschäft wird dadurch am Ende leider nur noch wenig verdient. Geschäftstüchtige Fachhändler gehen aber auch damit vernünftig um: Gute Beratung und Service ermöglichen Geschäfte auch ohne extreme Rabatte. Das ist möglich. Solche Fachhändler werden immer ihre Existenzberechtigung haben und sind uns als Geschäftspartner am liebsten.

Wie schaffen Sie es, gegen große Marken wie Adidas, Puma oder Nike im Geschäft zu bleiben?

Wir sind der Spezialist, wenn es um Teamsport geht. Eine hohe Lieferfähigkeit, ein guter Service bei der Betreuung der Sportfachhändler, Kollektionen, die für den Teamsport geeignet sind und eine lange Laufzeit der einzelnen Kollektionen für den Teamsport sind unabdingbar für das Geschäft mit den Vereinen. Auf diese Aspekte legen wir großen Wert. Das unterscheidet uns von unseren Konkurrenten.

Welche Trends gibt es hinsichtlich der Materialien? Bei den Materialtrends müssen wir meiner Meinung nach einen Unterschied zwischen Textilien und Hartwaren ziehen. Viele Stoffe, die in der Textilproduktion und damit auch bei uns eingesetzt werden, haben heute schon eine sehr hohe Funktionalität. Wir werden versuchen, unsere Textilien auch bei kommenden Kollektionen auf dem neuesten Stand der Technik zu halten.

Bei Hartwaren sehe ich dagegen noch deutlichen Spielraum, was die Innovationsmöglichkeiten angeht. Mit unserem neuen Fußball „ERIMA Hybrid Training“ haben wir vor zwei Monaten beispielsweise eine Innovation auf den Markt gebracht, die es so weltweit noch nicht gab! Der Ball vereint die Stärken eines geklebten und eines genähten Balles in sich und kommt in der momentanen Vororderphase extrem gut auf dem Markt an. Hier sehe ich noch weiteres Steigerungspotenzial und wir werden versuchen, auch in Zukunft weiter an der Spitze dieser Entwicklung zu sein.

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Wolfram Mannherz hat gut lachen. Im Moment laufen die Geschäfte von Erima super. © Foto: Erima
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Autor: Andreas Mayer

Chefredakteur sportFACHHANDEL / Wanderlust / SkiMAGAZIN

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 19 / 2014