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E-Bike-Boom: Textilien unter Strom

  • Marcel Rotzoll
  • Freitag | 27. Juli 2018  |  11:51 Uhr
In den Bergen, auf dem Land, in der Stadt: Überall feiern E-Bikes ihren Siegeszug und bringen ganz neue Zielgruppen aufs Rad. Hier kann vor allem der Sportfachhandel mit Radbekleidung und -ausrüstung punkten, jetzt auch ganz speziell fürs E-Bike.

E-Bikes sind mittlerweile überall. Längst haben die Pedelecs ihren festen Platz im Fahrradmarkt erobert. Und ein Ende des E-Bike-Booms ist längst nicht in Sicht. 2014 wurden in Deutschland 480.000 E-Bikes verkauft. Diese Zahl stieg in den folgenden Jahren rasant: Nach 535.000 im Jahr 2015, waren es 2016 bereits 605.000 Einheiten und schließlich im vergangenen Jahr 720.000 verkaufte E-Bikes, was einem Anteil von 19 Prozent am Gesamtmarkt entspricht. Der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) geht davon aus, dass E-Bikes langfristig einen Marktanteil von bis zu 35 Prozent erreichen. In Österreich ist man da sogar schon weiter. 2017 lag die Gesamtzahl der verkauften E-Bikes in der Alpenrepublik nach Zahlen des VSSÖ bei über 120.000 Stück, immerhin bereits 29,1 Prozent des Gesamtmarktes. E-Bike sind also längst Teil des Lifestyles geworden. Mehr noch: sie führen auch dazu, dass neue Zielgruppen für das Fahrrad gewonnen werden. Insbesondere in der Zielgruppe der so bezeichneten Silver Ager werden E-Bikes immer populärer. Noch liegt die Modellgruppe der Stadtfahrräder mit einem Anteil von 38,5 Prozent in Deutschland vorn. E-Trekking-Bikes jedoch kommen schon auf einen Anteil von 35,5 Prozent, E-Mountainbikes auf 21,5 Prozent.

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Mit dem E-MTB an Orte, an denen nie ein Bike zuvor gewesen ist: E-Bikes bringen nicht nur neue Zielgruppen aufs Fahrrad, sie lassen auch ganz neue Tourenplanungen zu.
© Vaude/Markus Geber

Kein Wunder also, dass Hersteller aktuell Produkte entwickeln, die speziell auf die Bedürfnisse von E-Bikern zugeschnitten sind. Vaude beispielsweise stellte zur OutDoor mit dem E-Bracket Bikerucksack, dem E-Moab Shirt und den E-Moab Shorts eine eigene E-Bike-Kollektion vor. Hintergrund ist, dass sich die Anforderungen von E-Bikern deutlich von den „stromlosen“ Radlern unterscheiden: In einem Rucksack will beispielsweise ein Ersatzakku, Ladegerät oder das E-Bike-Display und weitere Ausrüstung zusätzlich verstaut werden. Weil Geschwindigkeit und Beschleunigung beim E-Bike höher sein können, der Fahrtwind also stärker ist, sind die E-Bike-Textilien mit winddichten Materialien an der Vorderseite ausgestattet. Hinzu kommen Silikonprints im Schulter- und Hüftgurtbereich, die dem Rucksack zu einem noch besseren Halt verhelfen sollen. Bei den Shorts soll ein dreilagig verstärkter Gesäßbereich mit Silikonprints auch bei höheren Geschwindigkeiten für einen festen Halt auf dem Sattel sorgen, weil E-Biker meist auch bergauf in der bequemen Sitzposition bleiben.

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Ein dreilagig verstärkter Gesäßbereich mit Silikonprints sorgt bei den E-Moab-Shorts von Vaude auch bei höheren Geschwindigkeiten für festen Halt auf dem Sattel.
© Vaude/Markus Geber

Die Journalistin und Erfinderin der Wortschöpfung „Pedelec“, Susanne Brüsch, ging in ihrem Academy-Vortrag anlässlich der OutDoor sogar so weit, zu mutmaßen, dass E-Bikes für die Mehrheit normale Fahrräder ersetzen werden. Dabei würde es gerade im Tourenbereich noch großes Potenzial geben. Denn, so Brüsch, die E-Bike-Interessierten hätten das nötige Geld, wollen aktiv und unabhängig sein und würden mittlerweile in nahezu allen Altersklassen zu finden sein.

Und diese Zielgruppe will vor allem gut ausgerüstet sein, egal ob auf der Fahrt von zu Hause ins Büro oder bei einer längeren Tour. Fahrrad-Taschen, Rucksäcke, Helme und Textilien, genauso wie Zubehör und beispielsweise Camping-Equipment werden natürlich auch von E-Bikern nachgefragt. Umso interessanter ist diese Zielgruppe für den Sportfachhandel. Denn in der Regel gilt nach wie vor, dass sich die meisten Zweiradfachgeschäfte auf die Fahrräder selbst konzentrieren und die vielen Zubehör-Artikel vernachlässigen. Der anhaltende E-Bike-Boom und neue, speziell auf die Bedürfnisse von E-Bikern zugeschnittene Produkte stellen deshalb für den Sportfachhandel eine Chance dar.

Marcel Rotzoll

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Autor: Marcel Rotzoll

Stellv. Chefredakteur sportFACHHANDEL

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 10 / 2018