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Corona-Wirtschaftshilfen können Umsatzeinbußen nicht kompensieren

  • Ralf Kerkeling
  • Mittwoch | 02. Juni 2021  |  09:06 Uhr
Die Ergebnisse der jüngsten Befragungswelle des Mittelstandstrackers zeigen: Die Unternehmen im kooperierenden Mittelstand sind weiterhin stark von der Coronakrise betroffen. Die bestehenden Wirtschaftshilfen können erlittene Umsatzeinbußen nicht umfassend ausgleichen.
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Laut einer HDE-Umfrage fehlt Geld für notwendige Investitionen.
© Pixabay

Seit Oktober 2020 befragt "Der Mittelstandsverbund" in Zusammenarbeit mit dem IFH Köln regelmäßig die Mitgliedsunternehmen der gewerblichen Verbundgruppen zu ihrer wirtschaftlichen Lage und erstellt daraus den „Mittelstandstracker“. In der jüngsten Befragungswelle im Mai 2021 waren die teilnehmenden kleinen und mittleren Unternehmen unterschiedlicher Branchen erstmals aufgerufen, detailliertere Angaben zur Nutzung der Corona-Wirtschaftshilfen und ihrer aktuellen finanziellen Situation zu machen.

Auszahlungsproblematik besteht weiterhin

Dabei zeigen sich die teilnehmenden Unternehmen mit den vorhandenen Wirtschaftshilfen von Bund und Ländern insgesamt nicht zufrieden: Ganze 74 Prozent der Befragten halten die Corona-Wirtschaftshilfen bezogen auf ihr Unternehmen für nicht ausreichend. Immerhin 21 Prozent – und damit etwa jedes fünfte Unternehmen – befürchten sogar, ohne Nachbesserungen bei den Wirtschaftshilfen die kommenden drei Monate wirtschaftlich nicht überstehen zu können. Bezogen auf die Überbrückungshilfe als gegenwärtig wichtigster öffentlicher Unterstützungsleistung zeigen sich ebenfalls Schwächen, z.B. bei der Auszahlung an die Unternehmen: Selbst von den Unternehmen, die bereits vor mehr als 3 Monaten Überbrückungshilfe beantragt hatten, haben bisher nur etwa zwei Drittel die ihnen zustehende Hilfszahlung vollständig ausgezahlt bekommen. Abgesehen von diesen Verzögerungen nennen die Unternehmen als größte Herausforderungen bei der Überbrückungshilfe die Komplexität der Antrags- und Förderbedingungen, den aufwendigen Prozess der Antragstellung, die Erfüllung der Anforderungen sowie den Aufwand nachträglicher Änderungen.

Bezogen auf die aktuelle finanzielle Situation der Unternehmen zeigen sich besorgniserregende Tendenzen: So geben 37 Prozent der Befragten an, dass die Nutzung von privatem Kapital zur Stützung des eigenen Unternehmens in den vergangenen Wochen zugenommen habe. Lediglich bei 9 Prozent hatte die Nutzung von privatem Kapital an Bedeutung verloren. Eine ähnliche Verteilung zeigt sich auch bei der Auflösung einer privaten Altersvorsorge zur Stützung des Unternehmens – wobei hier die meisten Unternehmen keine Veränderung sahen.

Coronakrise verhindert Investitionen

Der HDE sieht durch die starken Umsatzeinbußen die Zukunftsfähigkeit vieler Unternehmen in Gefahr. "Oft sind keine Mittel mehr da, um in die Digitalisierung zu investieren“, so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Die HDE-Umfrage zeigt, dass gerade mittelständische Handelsunternehmen mit einem Jahresumsatz von weniger als 500.000 Euro auch für den Rest des Jahres pessimistisch sind. Demnach haben 40 Prozent dieser Betriebe für 2021 keine Investitionen geplant. Gleichzeitig halten aber mehr als 70 Prozent der Händler weitere Investitionen in die Zukunftsfähigkeit für wichtig.

Der HDE fordert deshalb für diese durch die Coronakrise unverschuldet in Not geratenen Handelsunternehmen einen Digitalisierungsfonds in Höhe von 100 Millionen Euro. „Die Politik darf die Händler mit den Folgen der Pandemie nicht alleine lassen. Wir brauchen eine staatliche Modernisierungshilfe für Unternehmen, die krisenbedingt ohne Geld für dringend nötige Investitionen dastehen“, so Genth weiter. Vorbildwirkung könnten dabei unter anderem die in Nordrhein-Westfalen aktiven Digitalisierungscoaches übernehmen. Und auch das vom Bundeswirtschaftsministerium ins Leben gerufene Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Handel könnte eine aktive Rolle spielen.

Gleichzeitig betont der HDE erneut die Dringlichkeit für Änderungen bei den Corona-Hilfen für den Einzelhandel: „Wenn die akuten staatlichen Hilfen nicht rasch passgenauer werden, haben viele Handelsunternehmen schlechte Chancen, die Krise zu überstehen“, so Genth.

Quelle: Mittelstandsverbund, HDE

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Autor: Ralf Kerkeling

Chefredakteur