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Campingartikel als Umsatzgarant: Das Geschäft mit dem naturnahen Erlebnis

  • Astrid Schlüchter
  • Mittwoch | 10. Mai 2017  |  14:34 Uhr
Camping liegt im Trend - das beweisen nicht nur aktuelle Studien zum Thema, sondern auch die Produktpalette vieler Hersteller aus dem Bereich. Dabei setzen sich heute immer stärker Qualität, hochwertiges Design und Funktion durch.

Text: Astrid Schlüchter

Der Camper von heute ist anspruchsvoll. "Das perfekte Camping-Utensil muss qualitativ hochwertig und funktionell sein. Bei GSI Outdoors gilt das seit jeher als oberstes Gebot. Bei Endverbrauchern, sprich dem Wohnmobilcamper oder Bully-Fahrer, spielt zudem das Gewicht eine Rolle. Viele haben Probleme, ihre Fahrzeuge nicht zu überladen", so Andreas Ruhs, European Sales Consultant bei GSI Outdoors. Dass Campen der Branche - egal, ob Tourismus, Automobil oder Sportfachhandel - durchaus gute Umsatzzahlen beschert, beweisen aktuelle Zahlen. Laut einer Umfrage des Reiseportals Camping.info sorgen Camper für einen jährlichen Umsatz von rund 1,5 Milliarden Euro (Stand Mai 16). "Es ist wieder in, den Campingurlaub in der eigenen oder einer nicht allzu weit entfernten Region zu verbringen", erklärt Erwin Oberascher, Betreiber des Online- Portals Camping.Info. Am beliebtesten sind Deutschlands Campingplätze bei den einheimischen Campern. Oberascher dazu: "Deutschland ist europaweit der stärkste Camping-Herkunftsmarkt, daher profitieren deutsche Campingplätze überdurchschnittlich, wenn Camper weniger weit fahren." Das freut auch die Caravan-Industrie, denn aufgrund des Rekordsommers 2015 konnte erstmals die 7-Milliarden Euro-Marke durchbrochen werden. Demzufolge gehen nahezu alle Hersteller von Reisemobilen und Caravans von einer positiven Entwicklung des Inlandsgeschäfts und des Exports aus. "Der Hype rund ums Draußensein wiederholt sich immer wieder, ähnlich wie die Mode. Mal ist es mehr "in" mal weniger. Heute schätzen besonders junge Familien diese Art des Urlaubs, weil sie a) dadurch öfter und günstiger Urlaub machen können, b) örtlich flexibel sind, c) spontaner verreisen können und d) ihre eigenen Kindheitserinnerungen ans Campen wieder aufleben bzw. an ihre Kinder weitergeben können. Außerdem lieben die Camper die Geselligkeit. Ich denke auch, dass Camping ähnlich wie das Thema Outdoor - für viele einen angenehmen Gegenpol zur Hektik des Alltags darstellt. Es ist entspannt, ehrlich, einfach", Ruhs bringt es auf den Punkt.

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Camping liegt im Trend und ist ein Absatzgarant im Sportfachhandel. Dabei setzen sich heute immer stärker Qualität, hochwertiges Design und Funktion durch.
© Craghoppers

Doch wie positioniert sich hier der Sportfachhandel? Ganz einfach, er sorgt für das entsprechende Sortiment. Denn, wenn es den Kunden nach draußen zieht, spielen Campingprodukte eine wichtige Rolle. Ein weiterer Vorteil, die Produktpalette lässt sich im Shop problemlos auf kleinstem Raum präsentieren. Vor allem sucht nicht jeder Kunde sofort den ausgewiesenen Camping-Spezialisten auf. "Viele Camper oder Camping-Einsteiger gehen zum Sport- oder Outdoor-Händler vor Ort", so Ruhs. Dem stimmt auch Marleen Becker vom Zeltspezialisten Heimplanet zu: "Einer neuen Zielgruppe sind Spezialisten vielleicht einfach nicht bekannt. Es ist die Aufgabe des Fachhandels, die neue Zielgruppe bei ihren Bedürfnissen abzuholen und sie an die Thematik heranzuführen, da diese oft noch keinerlei umfassende Erfahrungen sammeln konnte. Das bietet neue Möglichkeiten und so auch neue Kunden." In Zukunft wird sich also vor allem die Zielgruppe an Outdoor- und Campingbegeisterten ändern. Diese suchen neben Zelt, Schlafsack, Isomatte und Outdoor-Kochset das entsprechende Sortiment, um die Flucht aus der Alltagshektik passend zu inszenieren. "Der Outdoormarkt ist in den letzten Jahren in eine komplett neue Phase eingetreten. Es hat sich neben der klassischen Zielgruppe eine komplett neue etabliert, die mit neuer Sichtweise und unbefangen von den Bewegungen auf dem Outdoormarkt in den letzten Jahren an die verschiedenen Produktkategorien herangeht. Diese Kunden entscheiden sich im Zweifel für Dinge, die ihnen besser gefallen. Ein perfektes Campingutensil vereint diese Aspekte und ist so auch ein interessantes Produkt für Endverbraucher und Händler", so Becker weiter. Chance oder Fluch? Wenn es der Sportfachhandel richtig anstellt, in jedem Fall eine Chance. Denn Camping findet inzwischen aufgrund der klimatischen Veränderungen ganzjährig seine Anhänger. "Ein Händler, der seinem Kunden ein breit aufgestelltes Sortiment bieten möchte, kommt um das Thema Camping eigentlich nicht herum. Weil Camping und alles, was damit zu tun hat, natürlich auch unmittelbar mit Outdoor und auch immer mehr mit einem sportlichen Lebensstil zusammenhängt", so Phillip Uhl, Head of Sales Fjällraven Deutschland.

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Praktische Thermobecher von Esbit.
© Esbit

Mehr Luxus, mehr Komfort und mehr Qualität. Den typischen Campingklischees zum Trotz - nämlich Plastikteller, Einweggrill, Dosenessen und jede Menge Bier - sucht der Camper von heute Equipment, das hochwertig, funktionell, praktisch, leicht in der Handhabung und optisch ein Hingucker ist. "Die Produkte fürs Camping erreichen derzeit einen sehr hohen Standard, der Kunde wünscht Lebensqualität und nicht unbedingt Reduktion wie der puristische Kletterer, der ebenfalls campen geht. Mit der Moji Charging Station bedienen wir auch Kunden, die auf elektronische Geräte nicht verzichten wollen und neben der Laterne gerne ein zusätzliches Ladegerät mit dabei haben", heißt es bei Black Diamond. Deswegen deckt die Black Diamond Moji Power Station als Multifunktionslaterne Basecamps, Campingplätze und Übernachtungen im Freien ab. Sie bietet nicht nur 250 Lumen, sondern auch eine Lademöglichkeit für Mobilgeräte über USB. Auch für Adrian Eck, Marketing Manager DACH bei Camping Gaz ist ein gutes Campingprodukt klein im Transport und bei der Nutzung dann entsprechend groß. Darüber hinaus sollten die Produkte auf die Bedingungen draußen abgestimmt sein. "Zum Beispiel unsere Coleman Zelte mit Nachtschwarz-Schlafbereichen, die es gemütlich dunkel machen, so dass man als Langschläfer nicht direkt durch das Tageslicht geweckt wird oder Kinder länger schlafen können. Oder auch unsere Campingaz Xcelerate Kocher, die auch unter windigen Umständen schnell gute Kochresultate bringen und zum Teil multifunktional sind, also nicht nur als Kocher sondern auch als Grill dienen."

Ein Dach über dem Kopf. Auch, wenn die Caravan- und Wohnmobilbranche boomt, für viele ist Campen immer noch mit dem klassischen "Zelten" verbunden. Denn: Zelte machen Lust auf Abenteuer und sind laut Heimplanet schon allein deswegen ein Muss für jeden Outdoorhändler. "Ich würde sagen, dass Zelte und Schlafsäcke zur Grundausstattung aus dem Campingbereich gehören - das sind die Basics, auf die man als Camper nicht verzichten möchte," so Uhl. Auch hier gilt: leicht, hochwertig, schnell und flexibel aufzubauen und individuell im Design. Das Abisko View 2 ist so ein leichtes, freistehendes Zelt mit toller Belüftung und zwei Apsiden, die für Panoramaausblicke ganz geöffnet werden können. Das Außenzelt ist aus Fjällrävens neuem TripleRip-Nylon gefertigt. Die Konstruktion besteht aus zwei verschiedenen Gewebestärken – 20 Denier oben und 40 Denier am stärker beanspruchten Zeltboden, um Robustheit mit einem gleichzeitig möglichst geringen Gewicht zu kombinieren. Genau wie alle anderen Zelte von Fjällräven kommt das Abisko View 2 ganz ohne PVC und giftige Flammschutzmittel aus. Das neue Rocky Mountain 5 Plus von Coleman wurde entworfen, um den Brückenschlag zwischen großzügigem Platzangebot und kleinem Packmaß zu schaffen. Die Tunnelkonstruktion mit Fiberglasgestänge bietet Platz für fünf Personen und ist für Camper vor allem wegen des leichten Aufbaus und dem zum Patent angemeldeten Nachtschwarz-Schlafbereich attraktiv, der 99 Prozent des Sonnenlichts filtert. Perfekt für Langschläfer, Familien, Festivals und Skandinavien-Urlaube. Der dänische Outdoor-Spezialist Nordisk hat im Sommer 2017 sogar einen Rekordbrecher im Gepäck: Mit einem Gewicht von lediglich 490 g ist das Lofoten 1 ULW sehr wahrscheinlich das derzeit leichteste Zelt auf dem Markt. Das funktionale 2-Lagen-Zelt begeistert mit einem Packmaß von nur 11 mal zwei cm jeden Zentimeter-Fuchser.

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Primus geht bereits zum zweiten Mal mit der CampFire Roadshow auf Tour – dabei geben Köche praktische und raffinierte Tipps und Anregungen, was man draußen in verschiedenen Situationen auf der Gasflamme zaubern kann.
© Primus

"Bei Therm-a-Rest beschäftigen wir uns zunächst mit der Frage, auf welche Probleme der Endverbraucher stoßen könnte und beginnen dann, Lösungen für diese Probleme zu entwickeln. Als wir die neuen Tranquility Zelte entworfen haben, haben wir folgende Probleme bei Campingzelten identifiziert: 1. Der Aufbau ist schwierig und für eine Person alleine kaum zu bewältigen. 2. Entfernt man das Überzelt, um nachts die Sterne zu beobachten oder mehr Luft ins Zelt zu lassen, ist auch die Ausrüstung in den Apsiden nicht länger geschützt. 3. Ohne das Überzelt sind viele Campingzelte nicht länger freistehend. Nachdem uns diese Probleme bekannt waren, haben wir beim Design der Tranquility Serie entsprechende Lösungen gefunden," erklärt Justus Hyatt, Senior Marketing Manager bei Therm-a-Rest.

Draußen Kochen als Event. Wenn es um das Thema Kochen geht, achten viele Hersteller inzwischen darauf, dass die Produkte hochwertig, edel und langlebig sind. Es gilt, den vielseitigen Einsatz zu unterstützen, so können die heutigen Camping-Kochstationen kurzerhand ein Drei- Sterne-Mehrgang-Menü zaubern. Was die neuen Hightech-Kocher & Co alles drauf haben, zeigt Primus im Rahmen einer eigenen Roadshow. Im Mittelpunkt steht die CampFire-Serie - Köche geben praktische Tipps und Anregungen, was man draußen, in verschiedenen Situationen, auf der Gasflamme zaubern kann. "Im Fachhandel punkten Kocher und die dazugehörigen Accessoires, da bei jedem Campingaufenthalt, das Essen eine wichtige Rolle spielt. Die beiden Lifestyle-Trends Outdoor und gutes Essen, lassen sich mit der CampFire Kollektion von Primus perfekt kombinieren und weltweit überall einsetzen," so Gerald Palm, Primus Country Manager. Dass Selberkochen unter freiem Himmel im Trend liegt, sieht auch Robert Paap, Geschäftsführer Esbit Compagnie GmbH: "Die Menschen möchten einfach wissen, was drin steckt in ihrer Mahlzeit. Doch gerade unterwegs stellt sich oft die Frage nach der Umsetzbarkeit. Hier kommen die Thermobehälter ins Spiel, denn wie etwa eine Isolierflasche Getränke, halten die Thermobehälter zubereitete Speisen über viele Stunden warm oder kalt. So können die Speisen vor dem Campingausflug, der Radtour oder dem Bootsausflug nach Belieben zubereitet werden, um sie anschließend unterwegs zu genießen. So weiß man immer, was man isst, schont den Geldbeutel und auch die Natur." Auch Thermos hat mit der "Stainless King-Serie" eine ganze Reihe an hochwertigen Edelstahl-Produkten im Programm. "Händler im Bereich Outdoor kommen nicht um das Thema "Hydration" herum - Zubehör ist ein wichtiger Bereich im Shop - sei es für den Tagesbedarf oder für den Einsatz bei Reisen oder Bergtouren - je nach Shop und Kundenstruktur sollte das Sortiment angepasst sein - Thermos bietet hier in allen Preislagen und für alle Bedürfnisse Produkte, um somit für jeden Händler (und seine Kunden) ein individuelles Sortiment anbieten zu können."

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Autor: Astrid Schlüchter

Redaktion Süd sportFACHHANDEL

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 06 / 2017