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Boulderwelt: Hersteller trauen sich noch nicht

  • Andreas Mayer
  • Mittwoch | 01. Juni 2016  |  10:13 Uhr
Von der Vision zur Marke: Die erste Boulderwelt in München gehörte 2010 zu den Pionieren der Szene. Mittlerweile pendeln die beiden Gründer, Markus Grünebach und Dave Cato, zwischen vier Hallen (München, Regensburg und Frankfurt) und wollen die Boulderwelt als Marke ausbauen. Eine kleine eigene Kollektion aus Textilien und Accessoires gibt es bereits.
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Die beiden Boulderwelt-Gründer Markus Grünebach & Dave Cato.

"Früher konnte man das Bouldern nur in den dunklen, selten besuchten Ecken der Kletterhallen finden, bevölkert von extrem harten Jungs und Mädels, die an ihren Projekten arbeiteten – ein Ort, der Anfängern ein mulmiges Gefühl verlieh. Das war früher so … die Boulderwelt hat es geschafft, das Bouldern in das richtige Licht zu rücken und dieser eigenständigen Sportart den Platz zu geben, den sie wirklich verdient“, erzählen die beiden Hallengründer. Das Bild hat sich längst gewandelt. Die Macher der Boulderwelt gelten als Pioniere des Boulderns, ihre Ideen und Erfahrungen setzen Maßstäbe für die Entwicklung des Sports. Alle Boulderwelten (München Ost, München West, Regensburg und Frankfurt am Main) zählen zu den größten Hallen der Welt, Boulderfreunde von überall genießen die weiträumige und lockere Atmosphäre und schätzen den regen Austausch in der Boulder-Community. Die Boulderwelt stellt für viele Fans des Bouldersports eine Art verlängertes Wohnzimmer dar. Für Kinder und Familien gibt es einen separaten Kinderbereich, in dem die Kleinen nach Lust und Laune toben können. Im gemütlichen Café wird mit Kaffee und Kuchen, kleinen Snacks und warmen Speisen für das leibliche Wohl gesorgt. Seit 2010 gibt es die Boulderwelt München Ost schon und das Team ist inzwischen auf über 80 Mitarbeiter angewachsen. „Bei jeder neuen Eröffnung konnten wir natürlich die Erfahrungen aus den älteren Hallen nutzen und umsetzen“, erklärt Boulderwelt-Sprecherin Nadia Hoffmann. Die Boulderwelt bietet Bouldersport für alle: Vom Anfänger über den Freizeitkletterer bis hin zu den Cracks der Szene. Ob für die Fitness, den Spaß in der Gruppe, als Familienevent oder Wettkampf – in der Boulderwelt findet jede sein persönliches Glück. Renommierte Routenbauer sorgen regelmäßig für abwechslungsreiche und individuelle Klettererlebnisse in allen Schwierigkeitsgraden. Mehrfach in der Woche wird an neuen Routen geschraubt. „Das von uns entwickelte Parcourssystem garantiert Anfängern wie Fortgeschrittenen bis hin zu den Cracks der Weltelite anhaltenden Boulderspaß – auf jedem Level.“

Die Ur-Halle in München Ost hat zwischen 7 und 23 Uhr geöffnet, 365 Tage. „Die Nachfrage ist da“, bestätigt Hoffmann. Besonders stolz ist man dort auch auf den großen Außen-Kletterbereich. So stehen insgesamt über 1400 Quadratmeter reine Kletterfläche zur Verfügung. Das ist immer noch Spitzenstellung weltweit. Einen eigenen Klettershop gibt es aus Platzgründen in dieser ersten Halle nicht. In Frankfurt und Regensburg jedoch wurden Shops neu eingerichtet. Die Nachfrage ist da, der Einsatz von Platz und Manpower lohne sich und bedeutet einen weiteren Meilenstein auf dem Weg zur Marke. Seit 2012 hätten sich zwei weitere Hallen an kompletten unterschiedlichen Standorten sehr gut entwickelt, sagt Hoffmann, jede Boulderwelt sei eigen, aber eine Marke und teile die gleichen Werte wie alle Boulderwelten. „Ob Familien, Studenten, Akademiker - wir haben einen breiten Kundenstamm und Ausrichtung. Wir wollen Bouldern für Jedermann anbieten.“ Tendenziell sei man offen für neue Hallen, wenn der passende Standort und ein „Local Hero“ gefunden werden würde. Der Markt wächst schließlich sehr schnell, kein Land wie Deutschland hat so viele Kletter- und vor allem Boulderhallen.

Der Klettermarkt ist längst aus der Trendphase heraus. Wie wichtig ist das Bouldersegment in diesem Bereich? Welche Überschneidungen gibt es Draußen-Klettern? „Wir bewegen uns vom Trend- zum Massensport, besonders in München und südlichen Deutschland. Im Bouldersegment sei extrem wichtig, das die Eintrittshürden so gering wie möglich sind, so fangen Beginner eher mit dem Bouldern an. Und der besondere Fokus sei: Spaß, Community, Fitness. Ist Klettern Ganzjahresport? „Ja auf jeden Fall“, meint Hoffmann, „für Indoor ist zwar der Winter Hauptsaison, im Sommer jedoch durch den Außenbereich wird es auch immer beliebter“. Aber der typische „Kletterer“ fahre raus an den Fels und nutzt die Halle dann eher als ergänzendes Training. Draußen-Klettern gibt es weiterhin, im Süden vielleicht verstärkt als im Norden, meint sie. Viele gingen raus und betreiben mehrere Disziplinen in der Natur. Aber viele Kletterer seien auch nur indoor am Plastik, das sei eine andere Mentalität. Auf jeden Fall sei Bouldern immer mehr als eigene Sportart zu verstehen, bestätigt Hoffmann. Besteht die Gefahr, dass der Markt überhitzt wie einst der Surfsportmarkt oder der Skateboardmarkt? „Das glauben wir nicht. Anfang 2010 bestand ein hohes Risiko. Bouldern musste erst mal etabliert werden. Der Bouldersport ist eine ganz andere Art des Sports und lebe nicht nur vom Lifestyle, sondern spricht eine sehr große Masse von Menschen an“, meint Hoffmann.

Die Zusammenarbeit mit Herstellern könnte allerdings ausgebaut werden. Gerade von Kletteranbietern am Fels gäbe es noch manche Berührungsängste in Sachen Bouldern. Beim Sporthandel schreitet die Kooperation jedoch voran. In München etwa erfolgt das schon über Sport Schuster. Das sei von Boulderwelt zu Boulderwelt noch unterschiedlich, je nach Platz und Wettbewerb. "In München kooperieren wir mit Schuster, weil der Händler für unsere Kunden die größte Auswahl an relevanten Sachen bietet und wir auch nicht die Platzmöglichkeiten haben, über unsere Kollektion hinaus etwas anzubieten." In Regensburg und Frankfurt gibt es eigene Shops mit weiteren Marken und Angeboten, weil es dort auch nicht so viele Outdoor-/Klettergeschäfte gäbe. Man setze dort auf eine gute Beratung, da das Thema dort noch nicht so fortgeschritten sei wie in München.

Mayer

Autor: Andreas Mayer

Chefredakteur sportFACHHANDEL / Wanderlust / SkiMAGAZIN

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 06 / 2016