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Auf die Rollen, fertig, …. los!

  • Andreas Mayer
  • Mittwoch | 01. Juni 2016  |  11:04 Uhr
Skateboard, Longboard, Inliner oder Kickboard – vor allem junge Menschen kommen bei diesen Actionsportarten gerne ins Schwitzen. Dass das gesamte Segment einen regelrechten Aufschwung erlebt, haben viele Händler in der Vergangenheit leicht unterschätzt. Wie man am besten ganzjährig „von der Rolle“ ist, sportFACHHANDEL durchleuchtet die neuesten Trends.
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Longboards sind auch bei Madrid Skateboards inzwischen ein gefragtes Segment.
© Madrid Skateboards

Text: Astrid Schlüchter

Wer erinnert sich nicht mehr an Michael J. Fox, als er 1985 in „Zurück in die Zukunft“ auf dem Skateboard durch die Straßen düste. Damals löste der Film einen regelrechten Boom aus, auch mit Hilfe von Superstar Tony Hawk, der weltweit die Szene, Contests und Halfpipes beherrschte. Inzwischen hat das klassische Skateboard Konkurrenz bekommen. Skate-Longboards sorgen für eine großartige Portion Surf-Feeling und werden immer mehr zum angesagten urbanen Spaßfahrzeug. Das sehen auch die Hersteller und natürlich der Handel, wie z.B. Titus Dittmann, der vor über 30 Jahren einer der Ersten in Deutschland war, der die Skateboards in seinem Shop in Münster unter die Leute brachte und ihm Kultcharakter bescherte. Heute verkauft Titus neben Skateboards auch die beliebte längere Variante, das Longboard, Tendenz steigend. „Das Longboarden bleibt auch im Sommer 2016 absolute Trendsportart! Wie sich schon im letzten Jahr angedeutet hatte, werden sich die sogenannte Drop-Thru Boards weiter etablieren. Diese Boards haben auf der Höhe der beiden Achsen eine Aussparung im Brett wodurch man die Achse montieren kann. Das hat den Vorteil einen niedrigeren Schwerpunkt zu erlangen, was sich positiv auf die Fahrstabilität auswirkt. Nützlicher Nebeneffekt ist zudem  die geringere Belastung für das Standbein beim sogenannten „pushen“ (das Anschieben des Brettes),“ erläutert Tim Wolf, Verkaufsleiter Madrid Skateboards Germany. Vielleicht liegt’s auch daran, dass mit etwas Übung eigentlich jeder das Longboarden erlernen kann – da das Board länger als ein klassisches Skateboard ist, verliert man nicht so schnell das Gleichgewicht. Auch die Achsen (und damit die Räder) sind größer und flexibler und lassen den Fahrer leichter über kleinere Unebenheiten oder Kopfsteinpflaster gleiten. Longboarden ist auch nicht so anstrengend, weil man nicht so oft Anschieben („pushen“) muss – ideal also für längere Strecken. Generell gilt: Je länger das Board, desto bequemer die Fahrt. „In den letzten Jahren haben wir einen regelrechten Hype um Skate- und Longboards erlebt. Auch für 2016 rechnen wir mit einer stabilen Nachfrage auf sehr hohem Niveau. Kryptonics hat im Bereich der Designs noch einmal neue Maßstäbe gesetzt und die Materialien weiter entwickelt: Lasergravuren, veränderte Achsabstände, progressive Rohstoffe sprechen hier eine deutliche Sprache. Bei den Longboards sehen wir Innovationen in punkto Achsabständen, Rollen und Lagern. Die Skateboards differenzieren sich immer stärker je nach Zielgruppe und Nutzungsverhalten. Im Bereich der Actionsports setzen wir zukünftig auf E-Mobility für Scooter und Boards“, so Mathias Angele, Verkaufsleiter Schanner Eishockey GmbH.

Generell wird das Thema Actionsports mit den Segmenten Longboards, Funwheels und Inlineskates an Zuspruch gewinnen. Nicht nur die Hersteller haben erkannt, dass man damit saisonunabhängig punkten kann, auch, wenn Schnee und Eis im Winter ausbleiben. „Die starke Nachfrage an Longboards der letzten beiden Jahre hat dem Segment Rollsport und Actionsport sicherlich auch im gesamten gut getan.? Dass das Longboard jetzt kontinuierlich auf dem Niveau nachgefragt wird, hat sicherlich niemand erwartet. Wir stellen fest, dass die Nachfrage nun wieder anzieht. Im Vergleich zu 2015 haben wir die Mengenerwartungen natürlich leicht heruntergesetzt und unser Sortiment auch etwas angepasst. Steigerungen erwarten wir im Segment der Cruiser, also der „kurzen Longboards“, die Pintail und Dropthrough-Modelle werden sich auf einem gesunden Niveau einpendeln und fester Bestandteil des Sportfachhandels bleiben. Als Händler geht es jetzt darum die Lieferanten zu finden, die preisstabil geblieben sind, die keinen hohen Warendruck haben und ein kontinuierliches Angebot gewährleisten können“, fasst Felix Kämper von Brunotti zusammen. Voll im Retro-Trend liegen momentan die Plastik-Cruiser, kleine, quietschbunte Skateboards, die nach dem bekanntesten Hersteller oft auch Penny Boards genannt werden. Anders als die meisten Boards sind sie nicht aus Holz, sondern Plastik – wenn auch in besserer Qualität als in den Siebzigern. „Der Sportfachhandel hat das Thema und das Potenzial schnell erkannt. Mit Actionsports bzw. Funwheel holen wir eine junge Zielgruppe sehr frühzeitig ab. Wir müssen uns mit stetig wandelndem Sportverhalten auseinander setzen und sind daher auch gefordert, immer wieder sportartikelbezogene Antworten zu liefern, Nachfrage zu bedienen, Trends zu unterstützen und mit guter Beratung sowie zuverlässigem Service beim Kunden zu punkten. Wir sind daher an der Schnittstelle zwischen Hersteller und Fachhändler mit der optimalen Händler-Beratung, der Präsentation am POS und als Dienstleister für Online-Angebote tätig“, ergänzt Mathias Angele. Und auch Roces definiert das Segment Funwheels sehr facettenreich. Neben Inlineskatern, City-Scootern und Skateboards, sieht der Hersteller auch Schlittschuhe als klassisches Winter-Pendant in der Funwheel-Familie. Dazu kommen noch Heelys, das Waveboard, Stunt-Scooter oder eben jüngst das Longboard. „Unser Schwerpunkt liegt saisonal auf den historisch starken Artikeln, sozusagen der DNA der Marke Roces: Inline-Skates und Freizeit-Schlittschuhe. Klassische Bestseller. Hier möchten wir zu den Besten gehören. Kurzlebige Trends greifen wir teilweise regional geschuldeten Bedingungen auf – weniger jedoch im deutschen Markt“, so Dominik Wieder, Distributeur & Generalagent Roces Deutschland.

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Annie Friesinger-Postma skatet schon seit Jahren mit K2 und ist sogar an der Entwicklung der Woman-Linie mit beteiligt.
© K2

Statistiken zeigen, dass auch das Thema Inlineskaten in Deutschland wieder an Popularität gewinnt. 2014 und 2015 gab es in der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahre rund 1,21 Millionen Personen, die in ihrer Freizeit häufig Inline- oder Rollerskaten gingen. Den Fachsparten für Inline-Sportarten, wie z.B. dem Deutschen Rollsport- und Inline-Verband, gehören mehr als 20.000 Mitglieder an. Inzwischen gibt es in ganz Deutschland eine große Anzahl von Inline-Skating-Vereinen und -Schulen, die Mitglieder trainieren und Wettbewerbe ausrichten. Die Amis machten das Inlineskaten in den 1980er-Jahren populär – und schon im Folgejahrzehnt eroberte die trendige Sportart mal eben den gesamten Globus. Kein Wunder, schließlich macht das Rollen mit den Skates eine Menge Spaß – und fördert dazu auch noch die Gesundheit. „Bei uns geht der Trend in Richtung Lifestyle-Skates. Inlineskates für jedermann, ganz egal ob für den Skatenight Besucher, der nachts die Straßen der Stadt unsicher macht oder für den lässigen Urban-Skater, der am liebsten alleine oder mit Freunden durch die Straßen der Stadt skatet und vielleicht sogar ein paar Hindernisse überwindet. Oder auch für diejenigen, die ihr Workout auf dem Weg zur und von der Arbeit absolvieren. Der Lifestyle-Skate ist sozusagen der Allrounder in unserer Skate-Linie“, so Simone Adelwart, Marketing Coordinator Europe K2 Skate und ist sich zudem sicher, dass der Inlineskate Markt stabil bleiben wird. „Das Thema Inlineskaten kommt im Handel gut an – natürlich spielt auch hier das Wetter immer eine Rolle. In vielen Regionen in Deutschland ist Inlineskaten sehr beliebt und die Entwicklung zeigt sich stabil.“ Generell lässt sich das Thema Actionsports mit seinen vielen Facetten im Sportfachhandel gut vermarkten. Neben einem breiten Angebot an Hartware, sucht der Kunde oft auch entsprechendes Zusatzequipment, wie Helm, Schützer und passende Bekleidung. „Actionsport eröffnet dem stationären Einzelhandel neue Potentiale und Perspektiven zum Abverkauf und Frequenz. Neue Sport-kategorien und entsprechende Produkte können neben den bereits bestehenden Ausstattungen ins Portfolio aufgenommen werden, was das Angebot generell erweitert. Zudem kann der Einzelhandel auch spezialisierter Auftreten und sein Portfolio deutlich differenzierter gegenüber dem vermeintlichen Generalisten anbieten und sich somit ein Alleinstellungsmerkmal im Bereich der Handelslandschaft erarbeiten. Zusätzlich impliziert Actionssport auch eine Beratung bzw. höhere Intensität dieser, was wiederum die Frequenz im Store steigern kann. Um unsere Kampagne, die eher den Crossfitcharakter anstelle des Actionsports unterstreicht), auch an den POS zu tragen, wird es im Umfeld ausgewählter Händler Großflächenplakate und City Light Poster geben. Dadurch schaffen wir eine optimale Verbindung zwischen unserer Playground Kampagne, der jeweiligen Stadt sowie dem stationären Handel“, fasst Konrad Nowak, Marketingleiter bei Fila zusammen.

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Autor: Andreas Mayer

Chefredakteur sportFACHHANDEL / Wanderlust / SkiMAGAZIN

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 06 / 2016