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Zippels Läuferwelt: "Die Industrie ist unser größter Feind!“

  • Marcel Rotzoll
  • Freitag | 01. Februar 2019  |  13:42 Uhr
An Zippel’s Läuferwelt führt in Schleswig-Holstein kein Weg vorbei. Inhaber Rainer Ziplinsky hat in den vergangenen Jahren drei neue Geschäfte eröffnet und ist nun flächendeckend zwischen Nord- und Ostsee vertreten. Mit sportFACHHANDEL sprach der Running-Experte über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – und redet Klartext!

Herr Ziplinsky, mit fünf Filialen ist Zippel’s Läuferwelt der Platzhirsch in Schleswig-Holstein. Planen Sie, das Filialnetz noch zu erweitern?

Rainer Ziplinsky: Wir sind in Schleswig-Holstein aktuell sehr gut aufgestellt, und dabei bleibt es vorläufig auch. Aus meiner Sicht gibt es derzeit keinen Standort, der zusätzlich für uns noch in Frage käme.

Und außerhalb?

Ich habe in der Tat das eine oder andere Mal darüber nachgedacht. Allerdings steigt auch der Aufwand mit der Entfernung ungemein. Deswegen konzentrieren wir uns auf den Markt, den wir kennen.

Zippels Läuferwelt
Hanseatisch: Rainer Ziplinsky ist dem Selbstverständnis nach Kieler Kaufmann. Dazu gehört Streitbarkeit mit immer offenem Visier.
© Zippels Läuferwelt

Mit den Geschäften in Kiel und Flensburg sind Sie bereits seit vielen Jahren erfolgreich. Die eigentliche Expansion begann jedoch erst, nachdem Zippel’s Läuferwelt nicht mehr Teil der Lex Gruppe war…

Genau. In meiner Zeit als Geschäftsführer der Lex Laufexperten hatte ich für die Gruppe auf Expansion gesetzt und ein entsprechendes Konzept entwickelt. Bereits das damalige Konzept sah Standorte in Lübeck und auf Sylt vor, zu dem Zeitpunkt aber natürlich unter dem Lex-Dach. Die Umsetzung dieses Konzepts war dann allerdings, wie Sie wissen, nicht möglich.

Warum haben Sie damals als Geschäftsführer der Lex-Gruppe das Handtuch geworfen?

Es war schwierig, die Lex-Gesellschafter auf den gemeinsamen Kurs einzustimmen. Die Aufspaltung der Lex-Gruppe in Verein und GmbH war ja von Anfang an konfliktbehaftet. Die Lexer sind alle sehr individuell. Daraus gemeinsame Projekte zu entwickeln, hatte ich mir ehrlicherweise leichter vorgestellt. Hinzu kamen Probleme bei unserem Franchise-Konzept und auch bei der Expansion. Immerhin geht Expansion immer auch einher mit einem Investment. Wenn man bedenkt, dass jeder neue Laden mit einem Mindestinvest von ca. 250.000 Euro verbunden ist, wird schnell klar, dass nicht jeder Lex-Gesellschafter die Risiken tragen konnte oder wollte. Kurz gesagt, die Aufbruchstimmung, die wir zu Beginn mit der Lex GmbH hatten, ist schnell verpufft. Und ich persönlich wollte später einfach vorankommen, kreativ in die Zukunft aufbrechen. Das war mir als Lex-Geschäftsführer nicht möglich.

Nach Ihrem Abschied als Geschäftsführer haben Sie aber auch der Lex Gruppe insgesamt den Rücken gekehrt...

Das war erst knapp zwei Jahre danach. Natürlich stand ich auch innerhalb der Lex GmbH nach meinem Ausscheiden als Geschäftsführer in der Kritik, beispielsweise für das Franchise-Konzept. Das allein war aber nicht ausschlaggebend. Vielmehr reifte in mir die Erkenntnis, dass ich Dinge voranbringen möchte und ich dafür in der Lex-Gruppe nicht mehr die richtige Heimat habe.

Nach Ihrem Ausstieg aus der Lex-Gruppe begann dann die Expansion...

Ja. Allerdings lag zwischen den beiden Vorgängen etwas Zeit. Es ging ja jetzt um die Frage, wohin sich Zippel’s Läuferwelt entwickeln soll. Zuerst habe ich das Geschäft in Norderstedt übernommen. In Lübeck bot sich dann die Möglichkeit über ein Beteiligungsmodell, bei dem die Mitarbeiter involviert sind, ein Geschäft zu eröffnen. Das war der ideale Start.

Zippel´s Läuferwelt
20 Jahre nach dem Start in Kiel eröffnete die erste Zippel’s-Filiale in Flensburg.
© Zippel´s Läuferwelt

Und dann folgte Sylt. Für einen Laufsport-Spezialisten auf den ersten Blick ein hartes Pflaster...

Nein. Sylt hatte mich schon seit längerer Zeit gereizt. Zwar kann ein Laufladen nicht allein von den 16.000 Einheimischen leben. Aber während der Urlaubssaison kann ein Laufladen eben profitieren. Das hat sich bewahrheitet. Es gibt richtige Sylt-Fans, die im Jahr drei- bis viermal auf der Insel sind. Wir haben unter diesen Urlaubern mittlerweile Stammkunden aus Stuttgart oder aus Düsseldorf, die auch im Urlaub laufen.

Der Handel klagt über Frequenzprobleme und über die Online-Konkurrenz. Ist da eine Expansion mit stationären Geschäften nicht gefährlich?

Wir haben in Kiel und Flensburg diese Erfahrung nicht gemacht. Die Umsätze in beiden Geschäften sind über die Jahre stabil geblieben, beziehungsweise sogar leicht gewachsen. Und auch die neuen Geschäfte laufen sehr stabil. Auf Sylt und in Norderstedt gibt es sogar ein zweistelliges Wachstum im Jahr. Und man darf nicht vergessen, durch die drei zusätzlichen Geschäfte sind wir in noch engerem Kontakt zu den Läufern und haben Vorteile im Marketing.

Zippel´s Läuferwelt
Ein Geschäft auf der Urlaubsinsel Sylt hatte ihn schon länger gereizt. Heute zählt das Geschäft zu seinen Stammkunden auch Urlauber aus Stuttgart oder Düsseldorf.
© Zippel´s Läuferwelt

Wie haben Sie die Expansion organisatorisch gestemmt?

Wir sind ja mit Kiel.Lauf und dem Lauf zwischen den Meeren sowie einigen anderen Laufveranstaltungen auch Veranstalter. Es gab also schon ein Backoffice, dass auch die Expansion von Zippel’s Läuferwelt stemmen konnte. Zudem habe ich insgesamt ein großartiges Team um mich herum, so dass ich mich um diese Projekte kümmern konnte, ohne dass die bisherigen Standorte gelitten haben.

Und finanziell?

Wir konnten die Expansion aus Eigenmitteln stemmen. Das gesamte Unternehmen ist kreditfrei.

Was ist aus Ihrer Sicht die größte Hürde bei einer Expansion?

Das ist ganz klar die Mitarbeitergewinnung. Da hat der Handel ja ohnehin generell ein Problem. Bei Arbeitszeiten oder der Bezahlung konkurriert der Handel mit vermeintlich attraktiveren Arbeitgebern. Und gerade im Laufsport kommt es zusätzlich darauf an, die Produkte mit Leidenschaft beraten und verkaufen zu können. So haben wir in unseren Filialen beispielsweise nur einen gelernten Sportartikelfachverkäufer. Alle anderen kamen über Umwegen zu uns. Was alle eint: Die Liebe zum Laufen. Das alleine reicht natürlich nicht. Wir rechnen immer mindestens mit drei- bis sechs Monaten Einarbeitung, bevor die Mitarbeiter auf der Fläche alleine erfolgreich verkaufen können.

Zippel´s Läuferwelt
Von der Nord- zur Ostsee: Bundesweit einen Namen hat sich der Lauf zwischen den Meeren von Husum nach Damp gemacht. Bis zu 900 Staffeln gehen hier jährlich an den Start.
© Zippel´s Läuferwelt

Sie hatten es gerade schon angesprochen: Beispielsweise mit den auch über den Landesgrenzen hinaus bekannten Laufveranstaltungen Kiel.Lauf sowie dem Lauf zwischen den Meeren sind Sie auch Veranstalter. Und das sehr erfolgreich ...

Das hat sich nach und nach entwickelt. Zunächst war es eher ein Test, ob wir das überhaupt stemmen können. Der Wert der Laufveranstaltung, auch aus Handelsperspektive, hat sich erst anschließend herausgestellt. Noch später wurde daraus erst ein Geschäftsmodell. Beim Kiel.Lauf können wir mittlerweile jedes Jahr 10.000 Läufer begrüßen. Beim Lauf zwischen den Meeren nehmen zwischen 850 und 900 Staffeln mit je zehn Läufern teil. Natürlich wollen wir mit den Veranstaltungen auch Geld verdienen. Der Ursprung jedoch war ein ganz anderer. Die damaligen Veranstalter des Kiel.Laufs wollten 2002 nach 15 Jahren nicht weiter machen. Aus der Kieler Laufszene wurde dann gefragt, ob ich mir nicht vorstellen könnte, den Lauf zu übernehmen. Das habe ich getan und schnell festgestellt, dass die Veranstaltung mir sehr viel Spaß macht. Die 3.300 Teilnehmer im ersten Jahr konnten wir dann jährlich steigern. Mit 10.000 Teilnehmern haben wir aber vor drei Jahren die für uns und Kiel obere Grenze erreicht.

Marcel Rotzoll

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Autor: Marcel Rotzoll

Stellv. Chefredakteur sportFACHHANDEL

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 02 / 2019