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Wildwechsel in den Winter

  • Nicolas Kellner
  • Mittwoch | 13. Dezember 2017  |  12:17 Uhr
Wildwechsel - der Name des Sportgeschäfts von Volker Thomann und Jürgen Burggraf ist Programm. Der Mainzer Händler setzt auf Snow, Bike und Running und ist sommers wie winters Anlaufstelle für fachkundiges Publikum, das Mitarbeiter-Know-how und eine breite Markenauswahl schätzt.

Text: Nicolas Kellner

Wir haben auf Winterpräsentation umgestellt! Ski, Snowboards, Ski-/ Snowboardbekleidung und Accessoires usw. findet ihr bei uns jetzt in reichlicher Auswahl. Natürlich werden die Radfahrer und Laufsportler unter euch nach wie vor auch über den Winter eine breite Auswahl an aktuellen Produkten und Serviceleistungen bei uns vorfinden", heißt es auf der Internetseite - Wechselstimmung bei Wildwechsel. Im Laden selbst fand der Start in die Wintersaison 2017/18 über eine Kundenschulung mit Wachsspezialist Toko statt. "Das machen wir jedes Jahr, um die Leute einzustimmen", erklärt Volker Thomann. Der Händler ist seit über zwanzig Jahren im Business, kennt die Tücken des Handels und die des Winters. Doch das Winterbusiness stand dabei nie in Frage. Und der Kunde, meist Stammkunde, steht im Vordergrund, wird gepflegt und umhegt. Früh in der Saison ging es bereits zum Testen in die Alpen.

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Snow, Bike und Running: Wildwechsel in Mainz
© Wildwechsel

Thomann kooperiert dafür mit ausgesuchten Marken und fährt selber mit. Die Schulungsseminare im Laden mit der Industrie haben ebenfalls Tradition und kommen bei den Verbrauchern gut an. Und es resultierte sogar schon mancher Verkauf daraus, verrät der Händler.

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Wildwechsel gelebt: Gründer Thomann (links) und Burggraf
© Wildwechsel

Das Tagesgeschäft hat Priorität. Die Website mit Onlineshop wird selbst gepflegt. Bei Wildwechsel wird auch ausgebildet. Gute Leute zu bekommen sei schwierig, um so ärgerlicher ist es, wenn gut ausgebildete Mitarbeiter woanders hingingen. Thomann und Jürgen Burggraf machen vieles selber, packen an und kennen ihre Klientel. Von Einkaufsverbänden oder Herstellern lassen sie sich nichts erzählen. "Der Außendienst ist aber enorm wichtig", unterstreicht Thomann, auch in Zukunft. Um so ärgerlicher sei es, wenn altverdiente und erfahrene Vertreter ausgewechselt werden. Meist haben genau jene die Marken aufgebaut und sind vertraut mit den Marktverhältnissen. Dazu kennen sie die Situation des Händlers, können schnell eingreifen oder bei Saisonverläufen, die teilweise unberechenbar sind und sich verschieben, reagieren. Wie eben beim Wintergeschäft. Man muss sich anpassen und die Kunden mitnehmen. Das wird dankbar aufgenommen und mündet immer wieder auch in lukrativen Verkäufen, obwohl das Leihgeschäft für Thomann ebenfalls wichtig ist. Burggraf ist Technikexperte und leitet die Werkstatt- und Serviceabteilung für Ski und Bike.

"Wildwechsel steht für Dynamik, Wechsel der Sportarten je nach Jahreszeit", untermauert Thomann. Die Kompetenz ist auf allen Gebieten gegeben, die beiden Betreiber sind sowohl im Sommer als auch im Winter sportlich versiert. "Der Winter wird auch nicht kürzer, wie viele empfinden", sagt Thomann, "der Winter verschiebt sich nur nach hinten." Darauf müsse man reagieren. Genau das hätte er diesmal auch erstmalig beim Orderverhalten berücksichtigt. Die ganzen Aufträge wurden mindestens für 14 Tage spätere Lieferdaten geschrieben. Hartware werde sogar noch später geschrieben. Thomann ist handelserfahren und kaufmännisch ausgebildet, kennt seine Zielgruppe und richtet danach seine Markenauswahl und Sortimentsgestaltung aus. Voraussetzung ist, dass die Hersteller mitspielen. Messen und Verbände vermarkten sich mittlerweile lieber selber oder treten inzwischen selber als vermeintliche Händler, also Mitbewerber zu den eigenen Mitgliedern auf. Und Messen promoten inzwischen lieber Hersteller im virtuellen Raum als eine reale Plattform für den Handel und damit hilfreiche Orientierung auszubauen beziehungsweise wiederherzustellen.

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Bikes weichen den Textilien, ...
© Wildwechsel

Die Hersteller jedenfalls müssten reagieren, ist Thomann überzeugt. Sie müssen mitspielen, ihnen bleibe nichts anderes übrig. "Wir üben ja auch entsprechenden Druck aus", erklärt der Händler. Einige hätten das sicher auch erkannt und sind am Umstellen, doch dauere das vielfach noch zu lange. Allerdings werde auch zu viel zusammengestrichen, viele Außendienstler nach Hause geschickt, die der Handel gerne im Laden sehen würde. Gerade in schwierigen Umbruchzeiten wie derzeit im Wintergeschäft wäre das wichtiger denn je.

Thomann und Partner nehmen das Ruder selber in die Hand. Das Bikegeschäft lief dieses Jahr aufgrund der milden Witterung länger, so dass auf der für Winterartikel vorgesehenen Fläche auch länger das Thema Fahrrad präsentiert wurde. Der Händler muß flexibel sein in Sachen Winter und dabei jeden Kunden mitnehmen. Thomanns Geschäft verfügt über insgesamt 450 Quadratmeter Verkaufsfläche. Je nach Saison- und Geschäftsverlauf wird Platz geschaffen, Fahrräder weggeräumt, wenn eine neue Lieferung an Wintertextilien kommt.

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Alpinski und Tourenmodelle stehen bereit.
© Wildwechsel

Der Bereich Laufsport ist immer extrem gut belegt und funktioniert auch über die kalten und dunklen Monate gut. Winterrunning hat sich in den letzten Jahren etabliert. "Damit haben wir uns einen Namen gemacht", erzählt der studierte Sporttherapeut. Das Segment macht rund 20 Prozent vom Umsatz aus. Bei den Kunden kommt gut an, dass das Konzept von Wildwechsel durchgehalten wird. Der Käufer weiß, was ihn erwartet und trotzdem gibt es immer wieder Abwechslung im Laden, die den Käufer anlockt. Auch aus größerer Entfernung kommen Snowboarder und Skifahrer in das Geschäft. Hinzu kommt die Vernetzung zu anderen Snowboard-Läden wie in Lörrach an der deutsch-schweizerischen Grenze oder auch in Frankreich. Dann trifft man sich auf Test-Events oder anderen Kundenreisen. "Neue Kunden kommen auch über Aktionen", bestätigt der Mainzer Händler, "wir müssen die Kunden hinführen, dann wird auch gekauft." Über junges Personal käme man auch an junge Nachwuchskunden heran. Dabei hilft, dass es im Snowboard gewachsene Partnerschaften mit den Anbietern gibt. Und manche Kunden betreiben auch alle drei Sportarten, Running, Bike und Winter.

Der Winter funktioniert, Händler wie die beiden langjährigen Profis von Wildwechsel machen es vor. Vor allem auch der Übergang zwischen den Jahreszeiten klappt und bindet Kunden oder zieht oft genug neue an. Erfrischend ist, dass Thomann auf wilde Ausverkäufe und Preisschlachten verzichtet und sich lieber auf seine stationäre Kompetenz und Nähe zum Kunden verlässt.

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Autor: Nicolas Kellner

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 15 / 2017