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Visier oder Maske?

  • Andreas Mayer
  • Montag | 25. Mai 2020  |  12:24 Uhr
Mund-Nasen-Masken sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Für Verkäufer und Verkäuferinnen im Einzelhandel sind sie aber alles andere als praktisch – und für Kunden auch nicht wirklich einladend. Manche Händler bevorzugen daher große, durchsichtige Visiere, wie sie unter anderem auch Friseure benutzen. Was sind die Vorteile – und was die Nachteile?
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Die österreichische SanSirro GmbH (u.a. QUS) bietet "Face Shields" mit integriertem Brillenbügelsystem für Verkäufer und Verkäuferinnen an.

Die Vorschriften im Kampf gegen die Corona-Epidemie bleiben für den Einzelhandel eine Herausforderung. Es geht darum, die Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten und dabei trotzdem eine professionelle Kundenbetreuung zu gewährleisten. Wie eine sympathischere Lösung für klassische Verkaufssituationen im Laden aussehen kann, zeigen zum Beispiel Friseure: Durchsichtige Schutzvisiere können über einen längeren Zeitraum durchgängig getragen werden und lassen im Verkaufsgespräch sogar ein Lächeln zu! Auch in manchen Restaurants tragen die Servicekräfte solche Schutzschilder, um Tröpfcheninfektionen zu vermeiden.

Vorteile des Visiers sind: Das Gesicht ist vollständig zu sehen, es lässt sich leichter atmen als mit Maske, die Augen sind geschützt und es verhindert ein unbeabsichtigtes ins Gesicht fassen. Es durchfeuchtet nicht wie eine Maske, die lange getragen wird, und ist relativ einfach zu reinigen. "In Österreich werden sie beispielsweise bereits von vielen Gastro-Betrieben genutzt und überall dort, wo die Kommunikation und sprachliche Interaktion mit Menschen wichtig und ein Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes den ganzen Tag hinderlich und schwierig ist", erklärt Susanne Stessl, von der sanSirro GmbH aus Lebring, die aktuell schon über 100.000 ihrer "Face Shields" an Händler verkauft haben. Unter anderem habe auch OBI in Österreich flächendeckend Face Shields bestellt. Auch Brillen- und Helmspezialist Uvex bietet Sportfachhändlern jetzt vormontierte Visiere mit zusätzlicher Schaumstoffpolsterung. Händler können den Uvex-Gesichtsschutz ab sofort auch über den Außendienst bestellen. Die Face Shields von sanSirro werden mit Brillenbügelsystem ausgeliefert, man kann sie aber auch ganz leicht mit der eigenen Brille verwenden.

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Allerdings gibt es auch Nachteile: Sie schließen den Mund-Nase-Bereich nicht ab – infektiöse Tröpfchen können also "vorbeiströmen". Unter normalen Umständen verhindert ein Visier wie eine Maske die "klassische" Infektion über Tröpfchen, die auf einer mehr oder weniger "geraden" Bahn ihr "Ziel" suchen, aber dann irgendwann "herunterfallen". Anders sieht es Virologen zufolge aus, wenn lange Gespräche geführt würden: Da könnten sich durchaus Aerosole in der Luft anreichern, sodass selbst ein Zweimeter-Abstand nicht mehr ausreichend Schutz bietet.

Experten schätzen diesen Anteil an den gesamten Infektionen allerdings nur auf etwa zehn bis 20 Prozent. Das Ergebnis: Manche Bundesländer erlauben das Visier als Alternative, andere nur als Ergänzung zu anderen Schutzmaßnahmen.

Andreas Mayer

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Autor: Andreas Mayer

Chefredakteur