• sportFACHHANDEL – Das Insider-Magazin mit News · Fakten · Hintergründen

Teamsport: Zwischen Hoffen und Bangen

  • Marcel Rotzoll
  • Dienstag | 16. Juni 2020  |  11:21 Uhr
Während die Fußball-Bundesliga mit tatkräftiger Unterstützung der Politik den Spielbetrieb wieder aufgenommen hat, schaut der Amateursport in die Röhre. Welche Auswirkungen die Krise auf Amateurvereine haben wird ist ungewiss. Dramatisch sind sie allemal. Das hat Konsequenzen auch für den Teamsportfachhandel.

Der Spielbetrieb im Amateursport liegt darnieder. Und auch der Trainingsbetrieb nimmt erst langsam wieder an Fahrt auf. Die Konsequenzen für die Vereine sind vielschichtig. Anfang Juni hat beispielsweise der mächtige Bayerischer Fußball-Verband beschlossen, dass die Saison der Amateure 2020/21 nicht stattfinden wird, sondern bis Sommer 2021 die aktuelle Saison zu Ende gebracht werden soll. Bei den Junioren wird die aktuelle Saison hingegen abgebrochen, bei den Juniorinnen soll sie zu Ende geführt werden. Das dürfte Signalwirkung haben und für die meisten Fußballvereine zunächst einmal Planungssicherheit bedeuten. In den meisten anderen Sportarten wurde die aktuelle Saison schlicht abgebrochen, um hoffentlich in der neuen Saison wieder starten zu können.

Jenseits des Spiel- und Trainingsbetriebs jedoch sind Vereine gleich mehrfach gebeutelt. Marc Oberndörfer von Go Sports in Hardthausen berichtet: „Zwar ist in den Vereinen die Hoffnung überall spürbar, dass der Spielbetrieb ab September wieder normal aufgenommen werden kann. Was die Vereine aber umtreibt, ist die Finanzierungslage. Ungewiss ist zunächst, wie sich die Sponsoringeinnahmen entwickeln. Viele Veranstaltungen wie Turniere oder Stadt- und Dorffeste, auf denen sich Vereine präsentieren und Einnahmen generieren können, fallen aus.“

neuer_name
Keine Spiele, keine Einnahmen: Amateurvereine stehen vor der Frage, wie das Vereinsleben in und nach der Krise wieder aufgebaut werden kann. Eine Normalisierung ist deshalb auch für den Teamsportfachhandel überlebenswichtig.
© Pixabay/Ole Bertelsen

Zudem treiben vielen Vereinsverantwortlichen die Fragen um, wie viele Sportler überhaupt zum Training erscheinen werden und wie viele Mannschaften für die nächste Saison gemeldet werden können. Die Corona-Hilfen für Vereine, die zuletzt von den Bundesländern beschlossen wurden, mögen einige existenzielle Probleme mildern, eine Lösung der Probleme sind sie jedoch nicht. Das hat unmittelbare Auswirkungen auf den Teamsportfachhandel. Umsatzrückgänge von bis zu 80 Prozent während der Krise waren eher die Regel als die Ausnahme. Es gebe, so Marc Oberndörfer „seitens der Vereine momentan schlicht keinen oder nur wenig Bedarf an Ausrüstung.“ Und auch das für den Teamsportfachhandel wichtige zweite Halbjahr wird herausfordernd. Zwar würde es zur nächsten Saison wieder Bedarf nach Teamsportausrüstung geben, „ob aber Geld dafür da sein wird, ist zumindest unsicher“, befürchtet Marc Oberndörfer. Viele Vereine könnten deshalb die geplante Anschaffung neuer Ausrüstung aufschieben und nur fehlende Teile auffüllen. Marc Oberndörfer erwartet zudem, dass sich der Eigenanteil der Spieler erhöhen wird. Aber: „Ob die Familien das leisten können, muss abgewartet werden.“

Harte Zeiten also für den Teamsport. Und eine schnelle Erholung ist nicht in Sicht. Marc Oberndörfer aber bleibt optimistisch. Gerade weil die Situation nur schwer zu kalkulieren sei, habe man bei Go Sports die Zeit genutzt, um Pläne anzugehen, „für die bisher vielleicht nicht immer genügend Zeit vorhanden war. Wir haben beispielsweise mit Jako den Online-Teamshop umgesetzt, über den Vereinsmitglieder einkaufen können.“ Insgesamt, so Oberndörfer abschließend, sei er trotz allem guter Dinge. „Wir sind ein Familienunternehmen und stehen auch diese Krise durch! Wir konnten in den vergangenen guten Jahren einige Rücklagen bilden, die uns nun helfen. Hinzu kommen die Corona-Hilfen, die wir natürlich in Anspruch genommen haben. Aber natürlich sind alle Mittel endlich und wir benötigen Liquidität. Mit jedem weiteren Monat ohne entsprechende Umsätze wird es schwerer.“

Marcel Rotzoll

Rotzoll

Autor: Marcel Rotzoll

Stellv. Chefredakteur sportFACHHANDEL

Weitere Artikel …