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Studie: Fitness ist die Nummer 1

  • Marcel Rotzoll
  • Dienstag | 02. Juni 2020  |  15:10 Uhr
Welche Sportarten werden am häufigsten betrieben? Wie viel Geld geben die Aktiven für Sport aus? Wo und warum kaufen sie dort ein? Mit diesen Fragen haben sich noch vor der Corona-Krise die Wirtschaftsprüfer und Unternehmensberater von Deloitte beschäftigt.

Die „Sports Retail Study 2020“ untersucht das Kaufverhalten von aktiven Sportlern in acht europäischen Ländern, darunter Deutschland und Österreich. Befragt wurden dazu im Dezember 2019, also vor Ausbruch der Corona-Krise, insgesamt 6.028 Personen zwischen 18 und 65 Jahren. In Deutschland gaben knapp 65 Prozent der Befragten an, regelmäßig Sport zu treiben. Dafür werden im Durchschnitt knapp über 6 Stunden in der Woche investiert. Österreich liegt mit fast 68 Prozent sportlich Aktiven und 7 Stunden in der Woche leicht über den deutschen Werten.

Die beliebtesten Sportarten

Fitness, Running, Schwimmen heißen die drei beliebtesten Sportarten in Deutschland. Dabei werden Fitness von 42,4 Prozent, Running von 38,2 Prozent und Schwimmen von 28,6 Prozent der Befragten regelmäßig ausgeübt. Ein anderes Bild in Österreich: Zwar stehen die drei Sportarten auch hier ganz oben auf der Liste, werden jedoch im Vergleich häufiger ausgeübt. Knapp 50 Prozent der Befragten geben an, regelmäßig Fitness zu betreiben, 44 Prozent schwimmen und 42,8 Prozent gehen regelmäßig laufen.

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Fitness ist die Nummer 1 der beliebtesten Sportarten. Dahinter folgen sowohl in Deutschland als auch in Österreich Schwimmen und Running.
© Nike

Der gemeinhin als Volkssport eingestufte Fußball wird hingegen in Deutschland nur von 19,5 Prozent der Befragten regelmäßig ausgeübt und landet deshalb nur auf Rang fünf der beliebtesten Sportarten. Davor platziert sich „Hiking/Walking“, jeder Fünfte ist hier regelmäßig unterwegs. In Österreich schafft es Fußball gar nicht in die Top 5. Hier landen „Hiking/Walking“ (38,4 Prozent) und „Alpine skiing“ (29,3 Prozent) auf den Plätzen.

Ausgaben für den Sport

Beachtlich ist die Differenz der Ausgaben für Sport zwischen den Ländern. In Deutschland geben die Aktiven laut Studie 206 Euro im Jahr aus. Davon werden 71 Euro in „Sports Equipment“, gemeint sind Schuhe und Ausrüstung, und 135 Euro in „Sports Apparel“ investiert. In Österreich ist die Ausgabenbereitschaft deutlich höher. Hier werden insgesamt 295 Euro investiert. 141 Euro werden dabei in Schuhe und Ausrüstung gesteckt und 154 Euro in Textilien.

Während in Österreich darüber hinaus ein Drittel der Befragten angibt, zukünftig mehr Geld für Sport auszugeben, sind es in Deutschland „nur“ 28,5 Prozent.

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Österreich hat die Nase vorn: Während die Deutschen bei Sport-Textilien zumindest annähernd so viel ausgeben wie die Sportler aus Österreich, sparen sie bei Schuhen und Ausrüstung.
© Deloitte „Sports Retail Study 2020“, Grafik: sportFACHHANDEL

Wo gekauft wird

Vor dem Kauf informieren sich 30 Prozent der Deutschen und 35 Prozent der Österreicher online über Produkte. 38,6 Prozent der Deutschen kaufen dann auch online, aber nur 25,9 Prozent der Österreicher. Interessant: Deutsche Online-Shopper geben ein wenig mehr aus (nämlich 210 Euro) als Sportler, die in lokalen Geschäften kaufen (203 Euro). Umgekehrt in der Alpenrepublik: Aktive, die im Fachhandel einkaufen, geben im Schnitt 302 Euro aus, Online werden nur 275 Euro ausgegeben.

Die überwältigende Mehrheit (61,4 Prozent) der Deutschen kauft Sportartikel nach wie vor stationär. Dabei setzen die Käufer vor allem auf die Möglichkeit, die Ware an- und auszuprobieren, auf eine große Auswahl und auf den Preis. Die drei entscheidenden Gründe, zum Online-Einkauf zu wechseln, sind der Preis (38 Prozent), Sonder-Angebote (32,8 Prozent) sowie „Einfacher und freier Umtausch“ (31,6 Prozent). 38,6 Prozent der Befragten geben an, lieber online einzukaufen. Die wichtigsten Kriterien bei der Wahl des Onlineshops sind dabei der bequeme Einkauf und Versand, der Preis sowie die Bezahlmethoden. In ein stationäres Geschäft würden die Online-Käufer wechseln für den Preis (47 Prozent), wegen der Nähe/Erreichbarkeit des Geschäfts (42,7 Prozent) und für Sonder-Angebote (41,1 Prozent).

Ein in einem entscheidenden Punkt anderes Bild zeigt sich in Österreich. Fast Dreiviertel aller aktiven Sportler kauft ihre Ausrüstung in stationären Geschäften. Wie auch in Deutschland spielen dabei die Möglichkeit, die Ware an- und auszuprobieren sowie der Preis eine Rolle. Daneben wird aber auch die Qualität der Beratung als entscheidendes Kaufkriterium genannt.

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Ware an- und auszuprobieren genauso wie ein fairer Preis sprechen für die meisten Athleten für den stationären Handel. In Österreich kommt auch noch die Beratung hinzu. Auch deshalb behauptet sich der stationäre Handel weiterhin deutlich gegen den Onlinehandel.
© Deloitte „Sports Retail Study 2020“, Grafik: sportFACHHANDEL

Nachhaltigkeit: Deutschland hinkt hinterher

Nur 48,9 Prozent der deutschen Umfrageteilnehmer gab an, bereit zu sein, für ein nachhaltig produziertes Produkt mehr Geld auszugeben. Von den insgesamt acht Ländern, in denen die „Sports Retail Study 2020“ durchgeführt wurde, ist diese Bereitschaft nur in Frankreich noch geringer (48,4 Prozent). Und auch wenn es darum geht, wie viel mehr die Befragten bereit sind, für ein vergleichbares, aber nachhaltiges Produkt im Wert von 100 Euro zu bezahlen, liegt Deutschland am unteren Ende der Skala. 13,34 Euro sind es im Mittel. Nur Ungarn, Polen und Rumänen würden noch weniger für nachhaltige Produkte zusätzlich zahlen wollen.

Österreich hingegen führt beide Rankings an. 63,1 Prozent der Österreicher würden einen Nachhaltigkeits-Aufschlag zahlen. Im Mittel dürfte dieser 20,24 Euro betragen für ein Produkt im Wert von 100 Euro.

Marcel Rotzoll

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Autor: Marcel Rotzoll

Stellv. Chefredakteur sportFACHHANDEL

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