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Solidarität Fehlanzeige

  • Dienstag | 31. März 2020  |  10:49 Uhr
„Solidarität“ ist in aller Munde. Doch das eine ist es, das Wort gelassen auszusprechen. Etwas ganz anderes ist es, diesem Ausspruch auch Taten folgen zu lassen. Das bestätigt sich leider auch in der Sportbranche, so unser Kommentar zur augenblicklichen Situation!
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Mittlerweile dürfte sich wohl bei allen herumgesprochen haben, dass die Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus dramatische Auswirkungen auf die Wirtschaft haben werden. Eine Entwicklung, die auch die Sportbranche mit Wucht trifft. „Es stehen Existenzen auf dem Spiel“, hatte sportFACHHANDEL bereits am 20. März in Bezug auf die Sportbranche getitelt. Denn weiterlaufende Kosten bei häufig nahezu hundert Prozent Einnahme-Ausfällen durch den allgemeinen Shutdown heißen für viele Inhaber von Sportfachgeschäften, dass Sie nicht wissen, wie und ob es überhaupt nach der Krise weitergehen kann. Soforthilfen sind da häufig nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Und Kredite müssen auch irgendwann zurückgezahlt werden. Wie das aber gelingen soll, wenn Händler aufgrund des Shutdowns heillos überschuldet sind, bleibt dahingestellt.

Umso wichtiger ist in diesem Fall, dass die Branche solidarisch zusammensteht. Es gibt viele schöne Beispiele, wie Lieferanten ihren wichtigsten Absatzmittlern beistehen: So stattet Schlafsack-Hersteller Grüezibag eigene Kunden mit einem Code aus, den Konsumenten auf der Grüezibag-Homepage bei Bestellungen angeben können. Nach erfolgreicher Bestellung erhält der Händler seine Provision gutgeschrieben. Grüezibag-Geschäftsführer Markus Wiesböck zeigt sich – als ehemaliger Sportfachhändler – solidarisch mit seinen Ex-Kollegen. Pricon, Distributor beispielsweise der Triathlonmarke Kiwami, nutzt ebenfalls den eigenen Online-Auftritt unter www.triathlon.one, um den Konsumenten mitzuteilen: „Unser Online-Shop ist weiter für dich geöffnet. Wir tun alles, damit du und unsere anderen Kunden und unsere Mitarbeiter fit bleiben und ihrem – zumindest sportlichen – Leben weiterhin nachgehen können. Kameradschaftlich und rücksichtsvoll, so wie es unter uns Sportlern üblich ist.“ Dabei kommt die Reserve & Collect-Plattform direkt den teilnehmenden Händlern zugute.

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Aber die Positiv-Beispiele für Solidarität mit den Fachhandelspartnern bleiben in den Minderzahl. Schaut man sich in den Online-Shops einiger zufällig ausgewählter Lieferanten um, kann man eher den Eindruck gewinnen, dass bereits für die Zeit nach dem Sportfachhandel geplant wird: Adidas ruft „Bis zu 50 Prozent Rabatt – Mid Season Sale“ auf. Preise, die einem Sportfachhändler auch in normalen Zeiten die Haare zu Berge stehen ließen. Gleiches gilt aber für Nike und Puma. Die Amerikaner und die Herzogenauracher bieten ebenfalls „bis zu 50 Prozent Rabatt".

In der Krise zeigen sich wahre Partnerschaften. Das ist auch jetzt nicht anders. In Boom-Zeiten ist Partnerschaft nicht mehr als ein Lippenbekenntnis. Jetzt aber kommt es darauf an. Wer verlängert nicht nur Zahlungsziele und setzt Lieferungen aus – beides Maßnahmen, die ohnehin unabdingbar sind? Wer ist vielmehr bereit, den eigenen Fachhandelspartnern im Rahmen der eigenen Möglichkeiten in der Krise zumindest beizustehen?

Letztlich nützt die Solidarität heute beiden Seiten auch nach der Krise! Lieferanten können davon ausgehen, dass der Sportfachhandel weiterhin ihr wichtigster Absatzkanal bleibt. Die Fachhändler wissen um die Hersteller, die wirklich partnerschaftlich agieren.