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Shopportrait Stadt Land Fluss: Grüner Shoppen

  • Astrid Schlüchter
  • Freitag | 07. September 2018  |  10:12 Uhr
... kann man seit 2017 im bayerischen Bad Tölz. Denn Inhaber Peter von der Wippel bietet ausschließlich ein nachhaltiges Outdoor-Sortiment. Das Thema Umweltschutz beschäftigt die Branche immens, da ist es schon verwunderlich, dass sich nur die wenigsten Händler auf das Thema spezialisiert haben. Umso interessanter ist es, einen Blick hinter das Konzept von Stadt Land Fluss zu werfen.

Fragt man Stadt Land Fluss-Inhaber Peter von der Wippel nach den Beweggründen, warum man sich letztendlich dazu entschlossen hat, einen Outdoorshop komplett dem Thema Nachhaltigkeit zu widmen, muss man nicht lange auf die Antwort warten: „Es lag für mich auf der Hand, speziell im Outdoorsegment auf das Thema Nachhaltigkeit zu setzen. Schließlich ist Umweltschutz momentan omnipräsent, sei es auf den Messen, in den Medien oder eben bei den Herstellern selbst. Zudem sind wir wohl momentan mit unserem Konzept so gut wie alleine auf dem Markt. Im Fashionbereich finden sich zahlreiche Shops, die ausschließlich „grüne“ Mode anbieten, im Sportbereich muss man danach suchen. Bis dato habe ich noch keinen zweiten Shop gefunden.“ Verwunderlich, denn – wie von der Wippel bereits erwähnt hat – beschäftigt das Thema Nachhaltigkeit Branche und Endverbraucher gleichermaßen.

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Im Zeichen der Nachhaltigkeit: Im Stadt Land Fluss in Bad Tölz gibt´s nur Marken, die den „ökologischen Fußabdruck“ so gering wie möglich halten.
© Stadt Land Fluss

Mit fünf Top-Marken zum Erfolg. 2017 entschloss er sich deswegen, ein eigenes Geschäft mit rein nachhaltigen Marken in der Fußgängerzone in Bad Tölz zu eröffnen. Ausgangspunkt war die frei gewordene Ladenfläche, die zuvor noch durch einen Mammut-Store belegt war. Dieser zählte lange zum Geschäftsmodell von Intersport Sport Peter, dem Haupthaus schräg gegenüber des Stadt Land Fluss Shops. „Ursprünglich wollte ich weg von der sehr funktionell ausgelegten Outdoor-Ausrüstung, wie sie Mammut verkörpert. Das Angebot sollte alltagstauglicher werden. Mein Vater hatte damals noch das Sportgeschäft geleitet, bis er sich schließlich vor kurzem in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet hat. Danach war ich zusammen mit meiner Mutter für die Geschäftsführung zuständig. Inzwischen ist die Position ganz auf mich und meine Frau übergegangen.“ Die Idee, dem Thema Nachhaltigkeit einen eigenen Outdoorshop zu widmen, spukte schon lange in von der Wippels Kopf. „Eigentlich hatte ich den Plan, den Laden komplett auf „Urban Outdoor“ auszurichten, das war jedoch 2017 schon nicht mehr neu, deswegen bin ich dann auf rein nachhaltige Marken umgestiegen, die jedoch ebenfalls das Thema Lifestyle im Outdoorsegment bedienen.“ Das Thema Lifestyle bedienen momentan die Brands Vaude, Icebreaker, Patagonia, Fjällräven und im Schuhbereich Akku und Dachstein. Alles Experten, die im Raum Bad Tölz kaum Verkaufsfläche haben.

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Viel Raum für tolle Marken-Geschichten: Fünf Brands geben momentan im „grünen“ Shop den Ton an.
© Stadt Land Fluss

Doch, was muss eine Marke mit sich bringen, um ins Sortiment von Stadt Land Fluss zu passen? Was bedeutet für den Shop-Inhaber nachhaltiges Denken und Handeln? „Umweltschutz und ökologisches Denken haben viele Facetten. Das reicht von langen Produktzyklen, sprich Haltbarkeit und Qualität, über Reparaturservices, eine faire Pro­duktion „made in Europe“ samt sozialer Verantwortung den Arbeitern gegenüber, bis hin zum Einsparen von lebensnotwendigen Ressourcen. Dazu kommen noch Themen wie Recycling, die Verarbeitung von PFC-freien Materialien und der Einsatz von Naturfasern.“ Jede der Marken deckt einen dieser Bereiche ab. Dazu kommen noch spezielle Serviceangebote, wie z.B. eine Bügelstation zum Thema „Richtig Waschen“ von Fjällräven oder das vielfältige Reparaturprogramm von Patagonia. Den Fokus legt man auf den knapp 180 Quadratmetern jedoch eindeutig auf die Bereiche Warenpräsentation und Erlebnisshopping. „Die Gestaltung des Shops haben wir bewusst in die Hände von ansässigen Handwerkern gelegt, altes Material wiederverwendet und mit Bausubstanz aus der Region aufgepeppt.“ Dass man sich momentan auf fünf Marken konzentriert, hat mehrere Gründe. „Wir wollen den Brands die Möglichkeit bieten, ihr Image und ihre Geschichte auf einer ausreichenden Präsentationsfläche darzustellen. Dafür benötigen wir jedoch Raum, schließlich sollen Kunden nicht nur „grüne“ Hersteller kennenlernen, sondern auch einen Einblick in die Produktion der Ware bekommen.“ Dazu dienen digitale Helfer am POS. Kritische Fragen nimmt das geschulte Personal entgegen, ohne die ein solches Konzept kaum umsetzbar wäre. „Der Kunde von heute ist eh schon extrem heikel, meistens hat er sich im Vorfeld schon gut über sein „Wunschprodukt“ online informiert, da muss man auf Zack sein, sonst schafft man kein Vertrauen.“

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Ein Store-Konzept ist nur so gut wie seine Mitarbeiter, so zumindest das Credo von Geschäftsführer Peter von der Wippel (l.).
© Stadt Land Fluss

Aller Anfang ist schwer. Zurückhaltend zeigte sich die Nachfrage in den ersten beiden Saisons. Auch, wenn der Standort mitten in der Fußgängerzone in der bayerischen Touristenregion Bad Tölz optimal für ein Ladengeschäft ist, Nachhaltigkeit im Bereich Outdoor ist dennoch für viele Neuland. „Ganz klar, um den Bekanntheitsgrad von Stadt Land Fluss weiter auszubauen, bedarf es eigentlich zusätzlicher Marketingmaßnahmen, diese sollten aber generell zum Konzept des Shops passen. Viele Konsumenten suchen uns inzwischen auf, um sich mit Ware einzudecken, die den geringsten „ökologischen Fußabdruck“ hinterlässt, manche jedoch empfinden das Pochen auf Nachhaltigkeit schlichtweg als ein weiteres Marketingtool der Hersteller, um ihre Ware an den Mann zu bringen.“ Immerhin findet von der Wippel starke Unterstützung von Seiten der Brands, die nicht nur das Konzept begrüßen, sondern auch das Warenrisiko für den Geschäftsmann so gering wie möglich halten. So freut man sich schon auf die kommende Wintersaison, die zweite seit Beginn des Ladens, und ganz bestimmt auch nicht die letzte.

Astrid Schlüchter

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Autor: Astrid Schlüchter

Redaktion Süd sportFACHHANDEL

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 11 / 2018