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Post-Shutdown: Wie geht es weiter?

  • Andreas Mayer
  • Dienstag | 14. April 2020  |  10:37 Uhr
Selbst wenn in den kommenden Wochen unter Auflagen Geschäfte wiedereröffnet werden dürfen, bleibt völlig offen: Wie reagieren die Konsumenten? Wie läuft die Order für das kommende Frühjahr? Mit welchen Produktzylklen arbeiten die Hersteller in einem Jahr, in dem nichts ist, wie es war?
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In einem offenen Brief an alle Teilnehmer im Schuhmarkt schlägt die SABU aufgrund der Corona-Krise eine neue Saisontaktung vor: „Selbst wenn die ersten Geschäfte Ende April oder Anfang Mai unter bestimmten Auflagen wieder geöffnet werden dürfen, ist es fast unmöglich, in der Kürze der noch zur Verfügung stehen „Rest-Saison“ Frühjahr-Sommer die vorhandenen Warenlager auch nur annähernd zu verkaufen. Der Warendruck im Modehandel ist zurzeit immens. Um mehr Saisonware verkaufen zu können, schlagen wir deshalb vor, die Abverkaufszeit für Ware der Saison Frühjahr-Sommer 2020 um mindestens sechs Wochen zu verlängern", so SABU-Geschäftsführer Stephan Krug.

Folgerichtig sollte die Auslieferung der Ware für Herbst-Winter 2020 ebenfalls mindestens vier bis sechs Wochen später erfolgen. Die reguläre Verkaufszeit würde sich damit ebenfalls um sechs Wochen nach hinten bewegen. Und durch die spätere Lieferung und damit zusammenhängende Rechnungsstellung würde sich damit auch die Liquiditätssituation im Handel damit deutlich verbessern, so Krug weiter. "Für die Saison Frühjahr-Sommer 2021 schlagen wir vor, die Order- und Messetermine um vier Wochen nach hinten zu rücken, was wiederum spätere Auslieferungstermine und eine um einen Monat verschobene Verkaufszeit mit sich bringen würde."

Abverkaufszeitraum strecken und Vororder verschieben

Verschiedene Teams von Schöffel sichern aktuell eine durchgehende Kundenbetreuung, passen die Auslieferung an die Bedürfnisse unsere Handelspartner an und optimieren diese. "Nach unserer Einschätzung wird sich im Handel der Abverkaufszeitraum strecken. Daher planen wir schon jetzt intensivierte Kommunikationsmaßnahmen, die aktiviert werden, sobald sich die aktuelle Situation wieder entspannt,“ erklärt Stefan Merkt, Leitung Vertrieb bei Schöffel.

"Wir verschieben in Absprache mit unseren Kunden die Vororderblöcke auf die Zeit nach der Krise und bewahren uns die Flexibilität, diese in ihrem Umfang an die neuen Bedingungen anzupassen", erklärt Tobias Röschl, Bereichsleiter Vertrieb bei JAKO. "Außerdem unterstützen wir unterstützen unsere verbandsfreien Kunden mit verlängerten Zahlungszielen. Die Retourenfrist für unsere Händler verlängern wir. Retouren sind bis zu vier Wochen nach Ende der durch Bund und Länder beschlossenen Ladenschließungen möglich. Das sind nur die ersten Unterstützungen, die wir unseren Partnern anbieten. Weitere werden sicher im Laufe der kommenden Wochen folgen.“

Carry-overs und Retouren

Dynafit hat bereits 80 Prozent der aktuellen Sommerkollektion 2020 aus den Bereichen Apparel, Footwear und Equipment ins kommende Jahr übertragen. „Unsere Ware wird nicht alt. Das ist die klare Botschaft, die wir unseren Handelspartnern mit diesem Schritt senden“, erklärt Geschäftsführer Benedikt Böhm. „Wir wollen sicherstellen, dass unsere Partner die Möglichkeit haben, eine gute Marge generieren zu können. Daher haben wir uns dazu entschlossen, den Großteil der aktuellen Sommerkollektion auch in 2021 weiterzuführen. So müssen die Produkte nicht in den Sommer-Schlussverkauf, weil sie auch im nächsten Jahr noch aktuell sind und wir wirken der Lagerabwertung entgegen. Die aktuelle Kollektion ergänzen wir um einige ausgewählte Produktneuheiten sowie neue Farbwege für bestehende Artikel. Damit haben wir auch im Sommer 21 trotz 80 Prozent Carry-Over ein frisches Gesamtbild."

Auch La Sportiva hat beschlossen, die Markteinführung von ca. 90 Prozent der Bekleidungskollektion 2021 sowie des Großteils der neuen Schuh-Kollektion zu verschieben. Zweck dieser Entscheidung ist, den Wert der Produkte der Kollektionen, die gerade bei den Unternehmen und in den Geschäften gelagert sind, zu erhalten. Ein „Slow-Fashion-Ansatz”, der die bereits ausgelieferten Produkte nicht entwertet und den Vertriebspartnern mehr Zeit gibt, sie in den nächsten Monaten zu vertreiben.

Equip Outdoor Technologies, Eigentümerin der Outdoor-Marken Rab und Lowe Alpine, hat einen Risk Management Action Plan erstellt: Noch ausstehende Ordern in der laufenden Frühjahr-/Sommersaison werden nicht ausgeliefert, sofern dies von den Kunden nicht explizit gewünscht wird. Zudem wird Equip Warenrücksendungen der laufenden Saison Frühjahr/Sommer 2020 akzeptieren und diese in Herbst-/Winter-Ordern 2020 austauschen. "Händler können bis zu 50% des Warenwerts ihrer Frühjahr-/Sommer-Bestellung retournieren und dafür eine Gutschrift bekommen, die Frist dafür ist Ende August. Die Retouren können im Zeitraum 15.-30. September erfolgen", erklärt Andy Schimeck, Director European Sales.

"Wir holen uns die fehlenden Verkaufsmonate zurück"

Vier deutsche Fair-Fashion-Marken und Shops haben sich während der Covid-19-Krise zusammengeschlossen, um in der Branche zu Solidarität aufzurufen. Philipp Langer von LangerChen, Christina Wille von LOVECO, Claudia Lanius von Lanius und Mimi Sewalski von Avocadostore haben ein Manifest veröffentlicht und geben klare Empfehlungen auch an Marken und Lieferanten:

Den Shops solle beim Ausgleich der offenen Forderungen aus Frühjahr/Sommer 2020 durch Verlängerung der Zahlungsziele oder Ratenzahlungen entgegenkommen werden, soweit es die eigene Liquidität zulässt, der Zeitpunkt der Lieferungen für die Saison Herbst/Winter 2020 solle mit den Shops besprochen werden, die Sommerkollektion 2021 sei so zu gestalten, das sie auf der aktuellen Kollektion aufbaut, sodass der Shop Warenüberhänge in die Saison Frühjahr/Sommer 2021 übernehmen könne, für eine Auswahl an Styles solle eine Nachordermöglichkeit geschaffen werden, um fehlende Größen aufzufüllen und Vertriebsstrukturen sollten auf eine spätere Orderrunde der Kollektion Frühjahr/Sommer 2021 vorbereitet werden.

"Die Lösung ist einfach", heißt es im Manifest von Fair Fashion Solidarity: "Wir holen uns die fehlenden Verkaufsmonate zurück. So können wir den Rhythmus der Saisons selber bestimmen. Das geht aber nur gemeinsam."

Michael Spitzbarth, Gründer und Inhaber von Bleed erklärt: "Die Modebranche arbeitet nicht nur in Punkto Umweltverträglichkeit gegen die Natur, auch die typischen Zyklen der Mode, denen wir uns vor der Krise alle unterworfen haben, laufen in keinster Weise in Einklang mit den Jahreszeiten. Bikinis im Januar? Winterjacken im August? Viel zu frühe Sales? Sinnlos! Jetzt haben wir die Möglichkeit die Zukunft aktiv zu verändern….nur geht das eben nicht allein! Marken, Läden, Messen und Konsumenten müssen jetzt an einem Strang ziehen, so dass aus der Krise eine Chance wird!"

Andreas Mayer

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Autor: Andreas Mayer

Chefredakteur