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Öko-Siegel: Grün – Grüner – Grüner Knopf

  • Marcel Rotzoll
  • Dienstag | 03. September 2019  |  11:58 Uhr
Am 9. September launchte der Bundesminister für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit das neue Öko-Siegel "Der Grüne Knopf". Was soll das Siegel eigentlich leisten? Und warum steht es schon direkt wieder in der Kritik?

„Wir brauchen ein Siegel, das den Kunden beim Einkauf einfach und klar signalisiert: Hier handelt es sich um fair produzierte Kleidung“, warb Bundesentwicklungsminister Gerd Müller im April in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk für das von ihm initiierte Öko-Siegel Der Grüne Knopf. Er kündigte an, dass im Juli „zehn Champions“ vorgestellt würden, die den Grünen Knopf bereits nutzen dürfen. Der medienwirksame Startschuss sollte auf der Neonyt, einer Messe für nachhaltige Mode im Rahmen der Berliner Fashionweek, fallen. Doch daraus wurde nichts.

Kurzfristig wurde die Präsentation des Grünen Knopfs abgesagt, trotz schönem Stand in der Hauptstadt. Einige der auf der zeitgleich in München stattfindenden OutDoor vertretenen Lieferanten reagierten mit Verwunderung auf die Verschiebung des Starttermins des neuen Öko-Siegels. Als Grund für die Verschiebung wurde das große Interesse von Unternehmen genannt. Nun soll nach den Planungen des Bundesministeriums für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) die Einführung des Grünen Knopfs am 9. September 2019 starten. Diesmal sollen weit mehr als zehn Hersteller mit von der Partie sein, nämlich 50.

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Modell Barbara Meier auf dem Grüner-Knopf-Stand auf der Neonyt. Was im Juli noch fehlte, war allerdings der Grüne Knopf.
© Messe Frankfurt

Aber was ist der Grüne Knopf eigentlich und wie kann er dem Verbraucher mehr Klarheit darüber verschaffen, wie die Kleidung produziert wurde? Zunächst einmal ist das BMZ selbst der Siegelinhaber und kann somit auch die Kriterien festlegen, nach denen das Siegel vergeben wird. Bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Berlin ist eine Geschäftsstelle eingerichtet worden. Nach dem Willen des BMZ soll der Grüne Knopf ein globales Siegel mit staatlicher Überwachung werden. Das Siegel soll sozial und ökologisch nachhaltig hergestellte Textilien kennzeichnen, „die von verantwortungsvoll handelnden Unternehmen in Verkehr gebracht werden“. Unabhängige Prüfer sollen die Einhaltung der Kriterien kontrollieren.

Geplant ist, dass ein Produkt 26 soziale und ökologische Mindeststandards einhalten muss. Dies kann über bereits existierende „anerkannte und glaubwürdige Siegel“ erfolgen, wie beispielsweise GOTS, Bluesign oder auch der Fair Wear Foundation. Eine eigene Prüfung durch den Grünen Knopf muss also im Zweifelsfall gar nicht stattfinden. Zusätzlich muss aber auch das Unternehmen, welches das Siegel für die eigenen Produkte benutzen will, seine eigenen „Sorgfaltspflichten“ anhand von 20 Kriterien nachweisen, deren Grundlage wiederum die Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte der Vereinten Nationen sowie sektorspezifische Empfehlungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sind.

In der zweijährigen Einführungsphase werde das Siegel die Produktionsstufen „Zuschneiden und Nähen“ (Konfektionierung) sowie „Bleichen und Färben“ (Nassprozesse) abdecken. Das Siegel solle sodann weiterentwickelt werden und auf weitere Produktionsstufen ausgeweitet werden. Angestrebt als zusätzliches Kriterium seien beispielsweise existenzsichernde Löhne.

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Nun wäre ein Siegel, das nahezu alle anderen Siegel ersetzen könnte für den Verbraucher und den Fachhandel tatsächlich von großem Vorteil. Aber ganz so einfach scheint die Sache dann doch nicht zu sein. Denn wie immer ist, schon bevor es den Grünen Knopf überhaupt gibt, eine hitzige Diskussion um dessen Sinn und Unsinn entbrannt. Kritiker unken, dass Entwicklungsminister Gerd Müller ein neues Steckenpferd sucht, nachdem es um das von ihm initiierte Textilbündnis mittlerweile recht ruhig geworden ist.

Stichhaltigere Argumente werden aber auch vorgetragen: So stören sich einige Marktteilnehmer daran, dass andere Siegel zwar im Rahmen der Zertifizierung genutzt und als Kriterien anerkannt werden. Auf lange Sicht trete aber das neue Siegel in Konkurrenz zu den bestehenden. Zumal eine eigene Prüfung der Kriterien nicht stattfindet und man sich so auf meist privatwirtschaftliche Anbieter verlasse. Im Gegensatz dazu wiederum gehen anderen die Kriterien zu weit. Nicht jedes Unternehmen kann beispielsweise ohne weiteres die strengen Bluesign-Certified- und andere Kriterien einhalten. Ebenso wird bemängelt, dass es sich beim Grünen Knopf, ähnlich wie zuvor beim Textilbündnis, um einen deutschen Alleingang handele. Wichtiger wäre jedoch eine zumindest europäische Lösung.

Befürworter führen hingegen ins Feld, dass die als anerkannt und glaubwürdig geltenden Siegel tatsächlich sehr strenge Bewertungskriterien verlangen und das Siegel dadurch an Glaubwürdigkeit gewinne. Mit dem Grünen Knopf gebe es zudem erstmals ein staatliches Siegel, das nicht von wirtschaftlichen Interessen geleitet ist. Die Verbindung aus Produktebene und Unternehmensverantwortung sei sehr zu begrüßen.

Marcel Rotzoll

Rotzoll

Autor: Marcel Rotzoll

Stellv. Chefredakteur sportFACHHANDEL

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 12 / 2019